Fußball EM
"Bravehearts" wollen auch die Ukraine ärgern

Beinahe sensationell führt Schottland die EM-Qualifikationsgruppe B vor Weltmeister Italien und dem WM-Zweiten Frankreich an. Heute ein Heimsieg gegen die Ukraine und der Traum der "Bravehearts" erhält neue Nahrung.

Die schottische Fußball-Welt steht in diesen Tagen Kopf. "Wir spielen in der sogenannten Todesgruppe mit Frankreich und Italien, und trotzdem haben wir drei Spiele vor Ende der EM-Qualifikation noch die Chance, die Endrunde zu erreichen. Wir Schotten leben in einer Fußball-Traumwelt", bringt Alan Hansen, früherer Star des FC Liverpool und Kolumnist des britischen Rundfunksenders BBC, die Situation auf den Punkt.

Und die "Bravehearts" haben nicht nur gute Aussichten, erstmals seit der WM 1998 wieder ein großes Turnier zu erreichen: Sie sind mit 21 Punkten Spitzenreiter der schwierigen Qualifikationsgruppe B - einen Zähler vor Weltmeister Italien und zwei vor dem WM-Zweiten Frankreich. Sieben Punkte aus den Partien gegen den Vierten Ukraine am heutigen Samstag, in Georgien am Mittwoch und schließlich am 17. November gegen Italien reichen - und das Fußball-Wunder wäre perfekt.

Vogts und Smith sind Vergangenheit

"Wir haben Frankreich zweimal geschlagen. Warum also sollten wir nicht auch noch die Ukraine bezwingen?", fragt Teammanager Alex Mcleish. Zumal der Viertelfinalist der WM 2006 bei sieben Punkten Rückstand auf Rang zwei kaum mehr hoffen darf. Trainer Oleg Blochin hat für den Fall des Scheiterns am Mittwoch bereits mit Rücktritt gedroht - eine optimale Vorbereitung sieht anders aus.

Schottland dagegen strotzt nach Jahren der Erniedrigung unter den Trainern Berti Vogts und Walter Smith vor Selbstvertrauen. "Die Dinge laufen einfach gut", sagt Kapitän Barry Ferguson und Co-Trainer Roy Aitken meint: "Schottland hat seinen Stolz zurück." Die "Tartan Army", die berühmt-berüchtigte Fangemeinde, hat ebenfalls Vertrauen in ihre Helden zurückgewonnen: Der Hampden Park von Glasgow wird am Samstag mit 52 000 Zuschauern ausverkauft sein.

Über die Gründe für die Renaissance herrscht allerdings keine Einigkeit bei den Experten. Während Ex-Spieler Gordon Strachan die Verdienste von Vogts hervorhebt ("Wir ernten heute die Früchte seiner Arbeit"), meint Hansen, dass es nach dem Engagement des Deutschen "nicht mehr schlimmer hat kommen können". Vogts und Rainer Bonhof, der bis 2005 die schottische U21 betreute, setzten jedenfalls auf die Jugend - zahlreiche ihrer "Kids" zählen nun zum Stammpersonal.

Auch Vereinsfußball erlebt Aufschwung

Doch auch in der Liga tut sich was. Wo früher bisweilen nur ein Schotte neben zehn Ausländern bei den großen Klubs Celtic und Rangers auflief, stehen nun bis zu neun einheimische Profis auf dem Platz. Die jüngsten Erfolge in der Champions League gegen Lyon und Titelverteidiger AC Mailand bestätigen diesen Weg. Auch Mcleish hat Anteil am Erfolg, Hansen nennt den Coach einen "tollen Typen".

Die Ukraine scheint nach nur einem Punkt aus den drei jüngsten Quali-Spielen der richtige Gegner, um weiter auf der Euphoriewelle zu schwimmen. Doch Mcleish ist gewarnt. "Sie haben absolut nichts zu verlieren und in Andrej Schewtschenko einen Weltklasse-Stürmer", gibt er zu bedenken. Außerdem muss der Trainer auf Gary Caldwell, Paul Hartley, Darren Fletcher und Steven Pressley verzichten.

Mittelfeldspieler Lee Mcculloch aber sagt: "Nach der Auslosung hat niemand auch nur einen Penny auf uns gesetzt. Es ist nun an der Zeit, einigen Leuten das Maul zu stopfen."

© SID

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