Fußball EM
Chaos in Polens Fußball ruft Fifa auf den Plan

Dreieinhalb Jahre vor der geplanten Ausrichtung der Euro regiert beim Co-Gastgeber Polen das Chaos. Der Weltverband Fifa erkannte die Suspendierung des Verbandes nicht an.

Polen soll im Jahr 2012 Co-Gastgeber der Europameisterschaft sein. Dreieinhalb Jahre vor dem Event versinken die Osteuropäer aber im Chaos. Einen Tag nach der Absetzung der Führung des polnischen Fußball-Verbandes Pzpn durch ein von der Regierung angerufenes Schiedsgericht kündigten der Weltverband Fifa und die Europäische Fußball-Union (Uefa) Konsequenzen an. Wenige Tage nachdem die Uefa Polen bei den Planungen zur EM 2012 noch eine Gnadenfrist gewährt hatte, drohen dem Land nun drastische Strafen.

Die Suspendierung des Vorstandes werde nicht anerkannt und entsprechende Maßnahmen "bezüglich des Pzpn und der Zukunft des polnischen Fußballs" diskutiert, teilten die Verbände in einer gemeinsamen Erklärung mit. Mögliche Konsequenzen sollen dem Fifa-Exekutiv-Komitee bei seinem Treffen am 23./24. Oktober vorgeschlagen werden. Die geplante EM-Endrunde wurde in der Erklärung allerdings mit keinem einzigen Wort erwähnt.

Blatter fordert Wiedereinsetzung des Nationalverbandes

"Wir akzeptieren den Eingriff in die Verbandshoheit nicht. Für uns ist die gewählte Führung um Präsident Michal Listkiewicz weiterhin der Ansprechpartner", sagte Fifa-Präsident Joseph S. Blatter dem Sport-Informations-Dienst (sid) und forderte, dass der "Nationalverband wieder eingesetzt" wird.

Polens Sportminister Miroslaw Drzewiecki hatte am Montag ein Schiedsgericht des Nationalen Olympischen Komitees angerufen, das die Pzpn-Führung um Listkiewicz nach zahlreichen Skandalen suspendiert und durch den unabhängigen Verwalter Robert Zawlocki ersetzt hatte. Fifa und Uefa kündigten an, mit Zawlocki nicht zu kommunizieren und das Internationale Olympische Komitee (IOC) über die Vorgänge in Polen zu informieren.

Erst im vergangenen Jahr war Polen einem Ausschluss vom Weltverband knapp entgangen. Damals hatte die Regierung die Geschäftsführung des nationalen Fußball-Verbandes ebenfalls entlassen, dann aber fristgerecht wieder eingesetzt.

"Ich habe keine Angst vor einer Wiederholung der Situation. Mein Vorgänger hat einen neuen Geschäftsführer eingesetzt, ich habe einen Antrag an das Schiedsgericht gestellt", erklärte Drzewiecki. In Polen waren mehrere Erstligisten allein in der vergangenen Saison wegen Manipulation zum Zwangsabstieg verurteilt worden. Letztlich musste sogar der Ligastart kurzfristig verschoben werden.

"Das ist Sabotage und eine Tragödie"

"Der Verband wollte uns austricksen, indem er die Euro 2012 als Schutzschild benutzte", verteidigte Drzewiecki die Maßnahme. Und Zawlocki erklärte: "Es herrscht regelrechtes Chaos im Herzen des Verbandes. Es wurden permanent Gesetze übertreten." Zudem kündigte der Übergangsverwalter an, dass die für den 30. Oktober vorgesehene Jahreshauptversammlung, bei der Verbandswahlen geplant waren, abgesagt wurde. Dagegen wetterte der Pzpn-Sprecher Zbigniew Kozminski: "Wir befinden uns in einem Schockzustand. Das ist Sabotage und eine Tragödie."

Erst am vergangenen Freitag hatte die Uefa entschieden, den EM-Gastgebern Polen und Ukraine trotz zahlreicher Probleme bei den Vorbereitungen eine weitere Chance einzuräumen. "Wir haben Uefa-Präsident Michel Platini in einem Brief versichert, dass die Vorbereitung auf die EM 2012 darunter nicht leiden wird", meinte Drzewiecki. Der Sportminister gab auch bekannt, dass Ex-Pzpn-Präsident Listkiewicz pikanterweise weiter für die Vorbereitungen der EM zuständig sei.

Derweil könnte es auch in der Ukraine zu einer ähnlichen Entwicklung kommen. Die ukrainische Regierung erklärte die EM 2012 zur Chefsache. Der stellvertretende Premierminister Iwan Wasjunik sagte, dass die Vorbereitungen bald unter die direkte Verantwortung von Präsident und Premierminister gestellt würden.

Im Zeitplan für den Bau oder Umbau der Stadien, Straßen, Hotels und Flughäfen hinken die beiden Gastgeber hinterher. Möglicherweise wird sogar die Zahl der EM-Stadien von acht auf sechs reduziert.

© SID

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