Fußball EM
DFB-Frauen wollen für "Ari" gewinnen

Nach der Verletzung von Ariane Hingst will die deutsche Frauen-Nationalmannschaft mit einem Sieg im EM-Halbfinale gegen die Norwegerinnen die Schmerzen ihrer Abwehrchefin lindern.

Dem Verletzungsschock soll die Trotzreaktion folgen: Das EM-Halbfinale der deutschen Fußballerinnen heute in Helsinki gegen Norwegen (18.00 Uhr Mesz/live in der ARD und bei Eurosport) steht unter dem Motto "Gewinnen für 'Ari'". Denn nur ein Finaleinzug gegen den Weltmeister von 1995, den die deutschen Titelverteidigerinnen beim EM-Auftakt vor zwei Wochen 4:0 besiegt haben, könnte die Schmerzen der verletzten Abwehrchefin Ariane Hingst wirklich lindern.

"Wir spielen auch für 'Ari'. Am liebsten würden wir natürlich den Titel für sie holen", sagte EM-Toptorjägerin Inka Grings und tröstete damit Hingst, für die das Turnier vorzeitig beendet ist. Die 30-Jährige erlitt beim 2:1 am vergangenen Freitag im Viertelfinale gegen Italien eine Meniskus-Verletzung im linken Knie.

Hingst bleibt bis zum EM-Ende

Hingst, die von Sonja Fuss oder Saskia Bartusiak ersetzt wird, bleibt dennoch bis zum EM-Ende beim Team. Nach der Rückkehr in die Heimat muss sich die gebürtige Berlinerin operieren lassen und drei bis vier Wochen pausieren.

Angesichts der Diagnose blieb Hingst, die sich erst zuletzt von einer Meniskus-Operation erholt hatte, nichts anderes übrig, als sich in Galgenhumor zu flüchten und dem Team den Rücken zu stärken: "Es ist immerhin mein anderes Knie. Das lädierte Knie hat gehalten. Für mich zählt nach wie vor das Turnier. Wir wollen Europameister werden."

Dieses Ziel hat auch der DFB-Präsident vor Augen. "Ich bin davon überzeugt, dass die Mannschaft große Chancen auf den Einzug ins Finale hat", sagte Theo Zwanziger, der für die Partie - wie schon gegen Italien - extra in die finnische Hauptstadt fliegen wird.

Zwanziger warnt vor Überheblichkeit

Doch trotz des Vertrauens in die Mannschaft von DFB-Trainerin Silvia Neid und trotz des Erfolgs in der Vorrunde warnt Zwanziger vor dem erneuten Duell gegen den zweimaligen Europameister vor Überheblichkeit. "Norwegen ist eine europäische Spitzenmannschaft. Der Sieg in der Vorrunde bedeutet nichts mehr", äußerte der Verbands-Boss.

Dennoch sollte die zweite Partie gegen Norwegen positive Erinnerungen im deutschen Lager wecken. Schon bei der Endrunde vor vier Jahren traf der zweimalige Welt- und sechsmalige Europameister zweimal auf die Norwegerinnen. Dem 1:0 zum Auftakt folgte damals ein 3:1-Finalsieg, mit dem der vierte EM-Triumph in Folge perfekt gemacht wurde. Zudem gab es deutsche Siege in den EM-Finals von 1989 (4:1) und 1991 (3:1 n.V.). Insgesamt gewannen die Deutschen fünf der sechs EM-Duelle gegen Norwegen, nur einmal endete ein Aufeinandertreffen unentschieden.

Doch selbst wenn die deutschen Frauen, die seit 24 EM-Spielen ungeschlagen sind, diesmal gegen Norwegen den Kürzeren ziehen sollten, müssen sie kein Donnerwetter von Zwanziger befürchten. "Ein Ausscheiden wäre nicht dramatisch. Ich bin sowieso stolz auf die Mädels, die in der Vergangenheit so viel geleistet haben", sagte der DFB-Boss: "Unser großes Ziel ist es, den WM-Titel 2011 im eigenen Land zu verteidigen. Aber wenn du den EM-Titel erfolgreich verteidigen kannst, sagst du natürlich nicht nein."

Rückendeckung für Neid

Neid freute sich über die Rückendeckung von Zwanziger. "Er wollte wohl damit sagen, dass eine Niederlage kein Beinbruch ist. Ich finde es toll, dass er uns so den Rücken stärkt", sagte die Trainerin bei der letzten Pressekonferenz vor dem Spiel vor rund 50 Journalisten und acht Kamerateams in Helsinki.

Aus finanzieller Sicht hätten die DFB-Frauen aber sicher nichts gegen einen Finaleinzug einzuwenden. Für das Erreichen des Halbfinals kassierte jede Spielerin 8 000 Euro. Die Summe erhöht sich im Fall der Finalteilnahme auf 10 000 Euro, für den EM-Sieg gibt es 12 000 Euro.

Nach Ansicht von Neid sollten ihre Schützlinge das Geld aber noch nicht ausgeben. "Norwegen hat durch den Sieg im Viertelfinale gegen Schweden Selbstvertrauen getankt. Wir dürfen nicht den Fehler begehen und denken, dass die Partie so wie das erste Spiel läuft", meinte die 45-Jährige: "Aber wenn wir das spielen, was wir können, sind sie raus."

© SID

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