Fußball-EM
Die große „Schweini“-Show

Deutschland ist wieder da - mit einer mutigen System- und Personalumstellung hat Joachim Löw von der Tribüne aus Portugal überrumpelt. Angeführt vom überragenden Bastian Schweinsteiger warf das DFB-Team am Donnerstag in Basel den hoch gehandelten Turnier-Favoriten im Viertelfinale mit 3:2 (2:1) aus dem Rennen und steht nach zwölf Jahren wieder in der Vorschlussrunde einer Fußball-Europameisterschaft.

BASEL. Schweinsteiger (22.), Miroslav Klose (26.) und Michael Ballack (61.) erzielten die Tore für die diesmal von Hans-Dieter Flick gecoachte DFB-Auswahl, die vor 39 374 Zuschauern erstmals bei der Euro 2008 wie ein echter Titelkandidat auftrat. Nach einer Vorrunde mit mehr Schatten als Licht präsentierte sich die Mannschaft im ersten K.o.-Spiel körperlich und geistig auf den Punkt topfit. Nach Spielende feierten die Spieler minutenlang mit den Fans das Weiterkommen. Gegner im Halbfinale ist am kommenden Mittwoch erneut im Baseler St.Jakob-Park der Sieger aus Kroatien-Türkei.

Nach Gegentoren durch Nuno Gomes (40.) und Helder Postiga (87.) musste in den Schlussminuten noch einmal um den Sieg gebangt werden. Doch neben Schweinsteiger und Ballack fanden in der Schlussphase auch Jens Lehmann und Philipp Lahm zu ihrer WM-Form zurück und hielten den Erfolg fest. „Wir hatten heute mehr Struktur, mehr Organisation und mehr Disziplin. Wir mussten heute die Ränge in der Mitte sehr eng machen. Das ist uns gut gelungen“, lobte Löw, der sich in der Schlussphase des Spiels eine Zigarette zur Beruhigung angezündet hatte.

„Wir sind unter den Top Vier, das ist sensationell. Wir haben die beste Mannschaft aus dem Turnier gekegelt und heute auch für den Trainer gespielt“, sagte Schweinsteiger, der zum „Mann des Spiels“ gewählt wurde. „Heute hat man gesehen, was in der Mannschaft steckt“, freute sich Kapitän Ballack. Für Lahm war das Erfolgsrezept, dass die Mannschaft „an sich geglaubt“ habe. Franz Beckenbauer machte Mut: „Wenn wir das durchhalten, ist das Endspiel sicher drin.“

Überragender Akteur an diesem Abend, der Erinnerungen an das Sommermärchen von 2006 aufkommen ließ, war ausgrechnet einer, von dem das nur die Wenigsten erwartet hätten: Bastian Schweinsteiger, kurz „Schweini“, der schon vor zwei Jahren beim WM-Spiel um Platz drei mit zwei Toren gegen Torhüter Ricardo bereits zum Portugal-Schreck geworden war. Ja, fast Entsetzen hatte es in Deutschland gegeben, als klar war, dass er wieder reinrutschen wird nach seiner Rot-Sperre aus dem Spiel gegen Kroatien. Bei seinem Klub FC Bayern hatte der 23-Jährige gerade die miseseste Saison seiner jungen Karriere hingelegt, die Leistungen in der Nationalmannschaft waren zuletzt höchst unterdurchschnittlich, auch bei seinen bisherigen EM-Auftritten. Er soll jetzt das Starensemble aus Portugal in die Bredouille bringen? Niemals.

Doch der, der an ihn glaubt, sollte Recht behalten: Es war Joachim Löws erste Entscheidung, bevor der Bundestrainer sich in die Strafe fügte, die Viertelfinalpartie gegen Portugal nach einem Urteil der Uefa von der Tribüne aus verfolgen zu müssen. Schweinsteiger, erklärte Löw zwei Tage vor dem Spiel, werde sicher spielen. Der Mittelfeldspieler, nach einer Roten Karte aus dem zweiten Gruppenspiel gegen Österreich Gesprächspartner von Kanzlerin Angela Merkel auf der Tribüne. „Er hat der Mannschaft gegenüber eine Bringschuld. Er wird hochmotiviert sein.“

Seite 1:

Die große „Schweini“-Show

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%