Fußball EM: England feiert "Gassen-Katze" Wayne Rooney

Fußball EM
England feiert "Gassen-Katze" Wayne Rooney

Der 2. Spieltag der EM-Qualifikation hatte es in sich: Frankreich kann doch noch gewinnen und atmet nach dem WM-Desaster erleichtert auf. In England wird Wayne Rooney gefeiert.

England feiert "Gassen-Katze" Wayne Rooney, Frankreich glaubt an die Wiederauferstehung von "Les Bleus", und in den Niederlanden trübt Rafael van der Vaart die Stimmung bei den Huntelaar-Festspielen: Der zweite Qualifikations-Spieltag für die Europameisterschaft 2012 sorgte auf und neben dem Platz für reichlich Schlagzeilen.

So gaben die französischen WM-Versager mit dem 2:0-Sieg in Bosnien-Herzegowina ein erstes Lebenszeichen ab und rehabilitierten sich für die 0:1-Heimblamage zum Qualifikationsauftakt gegen Weißrussland. "Die Blauen wurden wiederbelebt. Am Freitag waren sie ängstlich, weich und irgendwie tot. In Sarajevo haben sie Zähne gezeigt", schrieb die Zeitung Le Figaro.

Während die französischen Medien die Leistung der Mannschaft, die erneut ohne die verbandsintern gesperrten WM-Rebellen Franck Ribery, Nicolas Anelka, Patrice Evra und Jeremy Toulalan auflief, noch betont vorsichtig bewerteten, wurde der neue Trainer Blanc wegen seiner Personalentscheidungen und der Umstellung auf ein 4-3-3-System mit Lob überschüttet. "Ich sage nicht, dass jetzt alles fantastisch ist, nur weil wir ein Spiel gewonnen haben", sagte Blanc: "Aber es könnte ein Neustart gewesen sein."

Rooney zeigt sich unbeeindruckt

Unter erheblichem Druck stand auch der englische Stürmerstar Rooney. Beim 3:1-Auswärtssieg der Three Lions gegen die von Otmar Hitzfeld trainierte Schweiz waren alle Augen auf den Profi von Manchester United gerichtet, der zuvor mit einer neuerlichen Sex-Affäre die Seiten der Klatschpresse gefüllt hatte. Rooney zeigte sich von dem Wirbel unbeeindruckt und bot nicht nur wegen seines Führungstreffers in der 10. Minute eine starke Leistung.

"Rooney beendet die Woche im Himmel statt in der Hölle", schrieb die Zeitung Daily Mirror und fasste zusammen, was wohl viele Engländer über den im Liverpooler Problemvorort Croxteth aufgewachsenen Rooney denken: "Er hat vielleicht die Moral einer Gassen-Katze, aber die Fähigkeiten eines Genies." Das Blatt Daily Mail titelte überschwänglich: "Ein wahrer Profi!"

Auch Teammanager Fabio Capello ließ auf seinen Angreifer nichts kommen. "Der Druck, der auf ihn lastete, war groß, aber er hat gut gespielt", sagte der Italiener. Für Rooney war sein Treffer jedoch nicht nur wegen der pikanten Enthüllungen über einen erneuten Seitensprung eine Befreiung. Es war auch das Ende einer einjährigen Durststrecke im Nationalteam - inklusive der blamablen WM.

Matchwinner Huntelaar

Vizeweltmeister Niederlande knüpfte derweil nahtlos an seine starke WM an und hat dank des 2:1 gegen Finnland die Maximalausbeute von sechs Punkten auf dem Konto. Matchwinner war wie schon beim 5:0-Auftaktsieg gegen San Marino der Neu-Schalker Klaas-Jan Huntelaar mit einem Doppelpack (7. und 16., Elfmeter).

Doch Mittelfeldspieler van der Vaart trübte die Stimmung. Bei seiner Auswechslung in der 64. Minute für den Hamburger Bundesligaprofi Eljero Elia verließ"VdV" gestikulierend den Platz und sagte mit der Hand vor dem Mund etwas in Richtung Trainer Bert van Marwijk.

"Ich war verärgert", gab van der Vaart zu. Der Neuzugang bei Tottenham Hotspur fühlt sich im Vergleich mit anderen Spielern wie Wesley Sneijder ungerecht behandelt: "Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal 90 Minuten gespielt habe. Aber war Sneijder mit den Gedanken nicht schon auf dem Heimflug? Ich habe das Gefühl, dass ich mal auf den Tisch hauen muss."

Portugal peinlich gegen Norwegen

Ärger hat auch das Nationalteam Portugals, das nach dem peinlichen 4:4 gegen Zypern in Norwegen 0:1 unterlag und von der heimischen Presse verhöhnt wurde. "Die portugiesische Mannschaft zu sehen, ist, als ob man auf die berühmte Malerei 'Der Schrei' von Edvard Munch blickt. Schaut sie euch an und fühlt die Depression", schrieb die Zeitung Publico.

In Italien dagegen tritt die WM-Schmach mit dem Vorrunden-Aus langsam in den Hintergrund. Die Squadra Azzurra fuhr dank des lockeren 5:0 gegen die Färöer bereits den zweiten EM-Qualifikations-Sieg unter dem neuen Trainer Cesare Prandelli ein. "Wir sind glücklich, aber wir wissen auch, dass wir einen langen Weg zu gehen haben und dass noch stärkere Herausforderungen auf uns warten", sagte Prandelli.

© SID

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