Fußball EM
Friedliches Miteinander auf Wiener Fanmeile

Die Stimmung rund um die Wiener Fanmeile ist kurz vor dem Finale zwischen Deutschland und Spanien auf dem Höhepunkt. Fans beider Lager sorgen für ein friedliches Miteinander.

Unmittelbar vor dem alles entscheidenden Spiel bei der Europameisterschaft zwischen Deutschland und Spanien ist die Stimmung rund um die Fanmeile in Wien entspannt. Deutsche und Spanier vermischen sich. Die einen üben "Blüh im Glanze dieses Glückes", die anderen intonieren - weil Spaniens Nationalhymne keinen Text hat - Y viva Espana. Da fallen auch die Deutschen ein.

Christian Stella, der Pressesprecher der Wiener Polizei, verblüfft: "Endspiel, und im Grunde ist es der ruhigste Spieltag, den wir verbringen." Diese EM scheint eine EM der Völkerverständigung und der Freude zu sein. Fußball verbindet.

"Loben den Tag nicht vor dem Abpfiff"

Auch dank des Flughafens. 280 Privatjets haben sich angesagt, 35 Charter-Maschinen. Die meisten Deutschen reisen mit dem Auto an. Zur Sicherheit sind 1 800 Polizisten und 2 500 Soldaten zusätzlich zum normalen Wiener Dienst eingesetzt. Sie sind glücklich, weil sie vom Nichtstun schwitzen dürfen. Stella: "Wir loben den Tag nicht vor dem Abpfiff. Aber im Moment ist es ein Fanfest." 40 000 Deutsche werden erwartet, 20 000 Spanier - aber nur jeweils 10 000 haben eine Eintrittskarte.

Harald hat ein Ticket ergattert, seine zwei Freunde nicht. Gekommen, um dabei zu sein. 4 000 Euro auf dem Schwarzmarkt (beste Kategorie) wollen sie jedenfalls nicht ausgeben. "Wir treffen uns hier wieder!" Die beiden Freunde freuen sich auf die Fanzone.

Der Wirt, der draußen die Kohlensäure an die Zapfanlage anschließt für das später zu erwartende Geschäft bestätigt sie lebhaft: "Hier ist das Bier besser und billiger als in der Fanzone. " Wohl wahr. 1,10 Euro Unterschied für 30 Meter und den Wechsel von Österreich nach Dänemark - biertechnisch gesehen.

Wirtin weckt "das Kind im Manne"

Die Wirtin hat Vorsorge getroffen für spätabends: Die Pissoirs auf den Herrentoiletten sind mit einem Tor und einem Ball ausgestattet, der sich beim richtigen Zielen bewegt. Das Kind im Manne.

In einem Eisenbahnwaggon lassen sich Kinder das Gesicht anmalen. Jeder will heute Fan sein. Die Übriggebliebenen - Schweden, Russen, Franzosen, Italiener - kaufen sich T-Shirts mit der Endspielpaarung. Heute in Wien verbindet Fußball alles und alle.

Plötzlich unglaublicher Lärm. Die "Yetis" aus einem Dorf am Bodensee ziehen durch die Fußgängerzone. Fellhosen, aber wegen der Hitze keine Felljacke. Sie waren 2006 in Deutschland, jetzt in Klagenfurt, Basel,und nun erobern sie Wien. Mehr laut als harmonisch mit ihren Pauken und Trompeten. Aber was soll's? Selbst die fanerprobte Polizei, die überall dezente Präsenz demonstriert, macht sprachlos große Augen.

In der Fanzone haben die ersten ihr müdes Haupt zur Siesta auf die auf dem Asphalt der eigentlichen Hauptverkehrsstraße Ring ausgebreiteten Fahnen gebettet. Wachere skandieren: "Steht auf, wenn ihr Deutsche seid!" 80 Prozent erheben sich wie auf Kommando. Der Rest kommt aus Spanien.

© SID

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