Fußball EM
Holland nach Absage von van Bommel in Aufregung

Nachdem Mark van Bommel und Ruud van Nistelrooy die Einladung zur Nationalmannschaft der Niederlande verweigert haben, herrscht helle Aufregung rund um die "Elftal". Besonders Bondscoach Marco van Basten steht im Fokus.

In den Niederlanden ist die Aufregung um die Nationalmannschaft mittlerweile so groß, dass sich selbst die Hauptnachrichten des öffentlich-rechtlichen Senders NOS mit dem Thema befassen. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen dabei die beiden Spieler Mark van Bommel (Bayern München) und Real Madrids Ruud van Nistelrooy, die einer Einladung zum nächsten Länderspiel der "Elftal" von Bondscoach Marco van Basten verweigerten.

Fast verschämt hatte der niederländische Fußball-Verband Knvb am Montag mitgeteilt, van Bommel werde seiner Nominierung für die beiden anstehenden EM-Qualifikationsspiele gegen Bulgarien (Samstag) sowie Albanien (11. Oktober) nicht nachkommen. Vielmehr habe der 29 Jahre alte Mittelfeldspieler sogar erklärt, unter Marco van Basten überhaupt nicht mehr zu Verfügung zu stehen. Ein harter Schlag ins Gesicht für den Bondscoach, der van Bommel erstmals nach der WM in Deutschland wieder nominiert hatte.

"Unzureichendes Vertrauen auf beiden Seiten"

Während van Bommel immerhin im jüngsten Aufgebot gestanden hatte, war van Nistelrooy wie in den drei Spielen nach der WM nicht berufen worden. Doch nach den Ausfällen der beiden Angreifer Klaas-Jan Huntelaar und Jan Vennegoor of Hesselink griff van Basten am Samstag zum Telefon, um dem neuen Torjäger von Real Madrid eine kurzfristige Nachnominierung schmackhaft zu machen. Van Basten bekam prompt einen Korb und musste im Anschluss erklären, dass eben ein "unzureichendes Vertrauen auf beiden Seiten" vorhanden sei.

Nun herrscht Aufregung in den Niederlanden. In einer Umfrage des angesehenen Meinungsforschungsinstituts "Maurice de Hond" gaben 72 Prozent der Befragten an, sie hätten Verständnis für die Spieler. Die Anerkennung für Bondscoach van Basten, die nach dem Ausscheiden im Achtelfinale der WM (0:1 gegen Portugal) immerhin bei einem Wert von 7,7 (Topnote 10,0) gelegen hatte, sank auf 5,8. Die Zeitung De Volkskrant hielt van Bommel und van Nistelrooy zugute, sie hätten sich bei Oranje eben wie das fünfte Rad am Wagen gefühlt.

Van Nistelrooy attackiert van Basten

Van Bommel hielt sich nach der WM (drei Einsätze) mit Kommentaren gegenüber van Basten weitgehend zurück. Van Nistelrooy dagegen attackierte den Bondscoach zuletzt in der vergangenen Woche mit der Behauptung, er lasse sich bei der Nominierung seines Kaders von persönlichen Gefühlen leiten. "Es ist eine Schande, dass er sich nicht an den fußballerischen Qualitäten der Spieler orientiert. Wenn man bestimmte Leute nicht in der Mannschaft haben will, soll man es doch einfach sagen", schimpfte van Nistelrooy.

Van Bommel und van Nistelrooy gelten durchaus als unbequem, außerdem stehen sie für einen traditionellen Konflikt: Seit jeher hält sich in den Niederlanden der Verdacht, bei der Zusammensetzung der Nationalmannschaft würden Spieler benachteiligt, die nicht von Rekordmeister Ajax Amsterdam kommen. Van Bommel und van Nistelrooy wurden beim PSV Eindhoven groß, van Basten eben bei Ajax. Dort war er vor seiner Berufung zum Nationalcoach, an der die graue Eminenz Johan Cruyff maßgeblich mitwirkte, als Nachwuchstrainer aktiv.

"Ich kann verschiedene Dinge nicht verstehen"

Auch einige von van Basten diesmal berufene Nationalspieler können die Entscheidungen des Bondscoaches (Vertrag bis 2008) nicht mehr nachvollziehen. "Ich kann nicht begreifen, dass van Nistelrooy nicht ausgewählt wurde", sagte Stürmer Dirk Kuyt, der nach der WM von Feyenoord Rotterdam zum FC Liverpool gewechselt war. Routinier Giovanni van Bronckhorst ließ verlauten, er schließe sich den Worten von Torhüter Edwin van der Sar an. Der Oranje-Kapitän wiederum hatte gerade erklärt: "Ich kann verschiedene Dinge nicht verstehen."

© SID

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