Fußball EM
Schweden, Türkei und Portugal dabei

dpa HAMBURG. Blankes Entsetzen im Mutterland nach der „Wembley-Horrorshow“, kräftige „Brüder-Hilfe“ für Russland, gewaltige Erleichterung in Portugal, der Türkei und Schweden: Der letzte Spieltag der EM-Qualifikation war an Spannung kaum noch zu überbieten.

Als zum Abschluss des Qualifikations-Marathons fast alle Favoriten als Euro 2008- Starter feststanden, aber ausgerechnet der Erfinder des modernen Fußballs auf der Strecke blieb, konnte Superstar David Beckham das eigentlich Undenkbare kaum fassen. „Das ist verheerend für das ganze Land“, sagte das Mittelfeld-Ass traumatisiert.

„Aus für Mcclaren, Aus für unsere goldene Generation und Aus für England als Fußball-Macht“, titelte „The Mirror“ trefflich nach der blamablen 2:3-Heimpleite gegen Kroatien. Denn die Balkan-Kicker sorgten für den Rauswurf des umstrittenen Coaches Steve Mcclaren und verhalfen Russland zum kaum noch erhofften EM-Ticket. „Ich wusste, wir haben eine kleine Chance, aber ich habe nicht an ein Wunder geglaubt“, gestand Trainer Guus Hiddink nach dem 1:0 in Andorra. „Das war russisches Roulette!“

Während die FA-Verbandsführung schon am Morgen nach dem ersten K.o. eines englischen Teams vor einem großen Turnier seit 1984 zur Tat schritt und die ohnehin erwartete Mcclaren-Ablösung perfekt machte, konnte in anderen Ländern gefeiert werden. Schweden schaffte durch das 2:1 über Lettland zum dritten Mal hintereinander ebenso die EM-Qualifikation wie die Türkei (1:0 gegen Bosnien-Herzegowina) und Portugal, das beim 0:0 gegen Finnland den nötigen Punkt einfuhr.

Dagegen konnten die Engländer, bei denen der beim FC Chelsea entlassene Portugiese José Mourinho und der Italiener Fabio Capello (zuletzt Real Madrid) als Favoriten auf Mcclarens Nachfolge gelten, die durch Israels Sieg über Russland „geschenkte Chance“ nicht nutzen. Für das verpasste Unentschieden ernteten Beckham & Co. Spott und Kritik. „The Sun“ zeigte auf der Titelseite einen in der Gosse liegenden und zertretenen Fußball mit dem „Three Lions“-Wappen und befand: „England ist die größte Lachnummer des europäischen Fußballs. Israel warf ihnen eine Rettungsleine zu, und sie hängten sich damit auf.“ Damit ist im nächsten Jahr keine Mannschaft von der Insel beim kontinentalen Saison-Höhepunkt vertreten.

Stattdessen sind die Russen dabei. „Danke Kroatien, danke Brüder!“, schrieb das Boulevardblatt „Komsomolskaja Prawda“ zur „Qualifikation aus heiterem Himmel“. Als Held gefeiert wurde Siegtorschütze Dmitri Sytschew. „Vor zwei Tagen habe ich mich richtig Scheiße gefühlt, heute bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Es ist ein echtes Wunder geschehen!“, meinte Sytschew, der als Vater des Erfolges aber Hiddink ausmachte. „Er ist einfach ein einzigartiger Coach.“ Das Lob erfolgt nicht zu Unrecht: Nach Holland (EM 1996/WM 1998), Südkorea (WM 2002) und Australien (WM 2006) führte der niederländische Weltenbummler schon das vierte Land zu einem großen Fußball-Turnier.

Schweden dankt Nationaltrainer Lars Lagerbäck, der sein Team zum fünften Mal in Serie durch eine WM- oder EM-Qualifikation führte. „Ein wunderbares Gefühl“, meinte der wie selten zuvor gefeierte 59-jährige Coach der Schweden, die bei der EM die einzigen Vertreter aus Skandinavien sind. „Schöner geht es einfach nicht“, sagte auch Zlatan Ibrahimovic, obwohl der Stürmerstar von Inter Mailand selbst kein einziges Tor in dieser EM-Ausscheidung beisteuerte.

Die Türken zelebrierten die erfolgreiche Qualifikation auf den von Fans blockierten Plätzen und Straßen in Istanbul und anderen Städten so hingebungsvoll, als habe das Land bereits den EM-Titel gewonnen. Auch der vom kürzlich noch scharf kritisierten Fatih Terim verkündete Verbleib im Traineramt wurde allgemein bejubelt. „Unsere Augen und unsere Herzen richten sich nun auf das Finale in Wien“, brachte die Zeitung „Sabah“ ungeachtet der zum Teil blamablen Auftritte in der Ausscheidungsrunde den Optimismus auf den Punkt. Sie erwartet wegen der vielen in Westeuropa lebenden Landsleute die Türken als „dritte Gastgeber“ neben der Schweiz und Österreich. Die EM werde deshalb ein „Heimspiel“, lauteten die übereinstimmenden Kommentare.

Auch Portugal holte das EM-Ticket, doch die Kritik im Lande des EM-Gastgebers von 2004 über die am seidenen Faden hängende erneute Teilnahme-Berechtigung sorgt bei Luiz Felipe Scolari für Verärgerung. „Ich tue für Portugal mehr, als ich für Brasilien getan habe. Dennoch erlebe ich immer wieder unangenehme Situationen“, fauchte Brasiliens Weltmeister-Coach von 2002. Im Blick nach vorn versprüht der Südamerikaner jedoch reichlich Zuversicht: „Wir haben unser Ziel erreicht und können nun daran glauben, den EM-Titel holen zu können.“

Die 16 Teilnehmer an der Euro 2008:

Gastgeber: Schweiz, Österreich

Qualifiziert: Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Kroatien, Niederlande, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweden, Spanien, Tschechien, Türkei

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