Fußball EM
"Three Lions"-Rumpfelf mit dem Rücken zur Wand

Vor den richtungweisenden Heimspielen gegen Israel (heute 18 Uhr) und gegen Russland (Mittwoch) läuft Englands Nationalelf Gefahr, erstmals seit der WM 1994 die Teilnahme an einem großen Turnier zu verpassen.

Kein Konzept, keine Führung, keinen Plan: Bereits fünf Spiele vor Ende der EM-Qualifikation steht Englands vermeintlich goldene Fußball-Generation mit dem Rücken zur Wand. Vor den richtungweisenden Heimspielen gegen Israel (heute 18 Uhr) und gegen Russland am kommenden Mittwoch (21 Uhr) laufen die "Three Lions" Gefahr, erstmals seit der WM 1994 die Teilnahme an einem großen Turnier zu verpassen.

Zu allem Überfluss verlängert sich die Verletztenliste von Trainer Steve Mcclaren beinahe täglich, und seine Elf lässt nach über 400 Tagen Amtszeit noch immer kein schlüssiges System erkennen. "Ich weiß nicht, woran es liegt. Im Verein spielen wir alle fantastisch, aber im Nationalteam können wir es einfach nicht abrufen", sagt Verteidiger Rio Ferdinand.

Die Auswahl des Fußball-Mutterlandes gewann nur zwei der vergangenen neun Spiele - und das gegen Andorra (5:0) und Estland (1:0). In der Gruppe E liegt England mit 14 Punkten aus sieben Spielen einen Zähler hinter Russland und bereits zwei hinter Israel und Tabellenführer Kroatien nur auf Platz vier.

Rooney, Lampard und Beckham außer Gefecht

Und durch die Verletzungen von Stürmer-Ass Wayne Rooney (Fußbruch), Antreiber Frank Lampard (Muskelfaserriss) sowie Flankenkönig David Beckham (Knie) erinnert die Mannschaft eher an den englischen Patienten als an furchtlose Löwen. "Wir sind trotzdem gut genug, um diese Spiele zu gewinnen. Die Spieler wissen genau, was sie zu tun haben und wie wichtig das alles ist", sagt Coach Mcclaren trotzig.

Selbst die verbliebenen Stars bereiten dem bereits als "Mcclown" verspotteten Fußballlehrer Sorgen. Steven Gerrard wird wohl trotz eines gebrochenen Zehs auflaufen, Kapitän John Terry und Ex-Bayer Owen Hargreaves setzten bei mehren Einheiten in Arsenals Trainingskomplex Shenley aus.

Michael Owen ist noch nicht wieder der Alte

Besonders die schwächelnde Offensive treibt dem 46-jährigen Mcclaren Sorgenfalten auf die Stirn. Michael Owen ist nach seinem Kreuzbandriss noch auf der Suche nach dem alten Tor-Instinkt, der kriselnde Peter Crouch ist gegen Israel ohnehin gesperrt und Jermain Defoe bei seinem Klub Tottenham Hotspur derzeit nur zweite Wahl.

Nun folgte auch noch die Hiobsbotschaft von Lampards Ausfall, der bereits 13-mal für England traf, zuletzt beim 1:2 gegen Deutschland. "Die Verletzung von Frank ist zum Glück nicht so schwer wie zuerst angenommen. Es gibt eine 50:50-Chance, dass er gegen Russland spielen kann", erklärt Mcclaren, dem zu dem Mittelfeldmotor einfach die Alternativen fehlen.

Hoffnungsträger ist der einst ausgemusterte Emile Heskey

Für Abhilfe soll ausgerechnet der eher als Chancentod abgestempelte Emile Heskey sorgen. Der erstmals seit der EM-Endrunde 2004 in Portugal wieder berufene 29-Jährige brachte es in 43 Länderspielen auf gerade einmal fünf Treffer. Mcclaren sieht Heskeys Qualitäten deshalb auch eher im Zusammenspiel mit Owen. In zwölf Spielen, in denen das Sturmduo Heskey/Owen hieß, traf der quirlige Angreifer von Newscastle United immerhin elfmal.

Der ratlose Verteidiger Ferdinand zieht aus der Herkunft seines Vereinstrainers Sir Alex Ferguson zusätzliche Motivation für die beiden Spiele. Nur zu gern würde der schottische Teammanager von Manchester United die großen Engländer scheitern sehen. Für Ferdinand wäre das hingegen der Super-GAU: "Gott bewahre, wir verpassen die Qualifikation. Schon zum Trainingsgelände zu gehen und das Gesicht des Trainers zu sehen, würde mich umbringen."

© SID

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