Fußball England
Chelsea verpflichtet "Wunderkind" Gyasi

Einen offenbar hochtalentierten 11-Jährigen hat der englische Meister FC Chelsea verpflichtet. Michael Gyasi ist Stürmer und kommt vom Drittligisten Northampton Town.

Die neue Hoffnung des FC Chelsea ist in Deutschland geboren, hat große Knopfaugen und wird schon als nächster Didier Drogba gefeiert. Dabei ist Michael Gyasi gerade mal elf Jahre alt.

1974 war für den internationalen Fußballfilm ein bedeutendes Jahr. In "Fimpen, der Knirps" verzauberte Johan Bergman als Sechsjähriger sein Publikum. Der Dreikäsehoch wird in der Komödie kurz vor seinem ersten Schultag als Fußball-Genie entdeckt, tunnelt schwedische Stars, die schrecklich schlecht schauspielern, gibt lässige Interviews am Flughafen und führt Schweden zur WM - die Mädchen schwärmen und lieben seine langen Haare.

Bis hierhin würde die neue Hoffnung des FC Chelsea wohl keine Einwände erheben. Michael Gyasi ist elf Jahre alt, in Deutschland geboren, hat große Knopfaugen und wird auf der Insel bereits als "Next Didier Drogba" gefeiert. Mit elf Jahren, wohlgemerkt, einem Alter, in dem andere Jungs Poster von Katy Perry über ihr Bett hängen.



10 000 Pfund als Ausbildungsentschädigung

10 000 Pfund sollen die Blues für "Baby Blue" an den Drittligisten Northampton Town überwiesen haben. Für einen schmächtigen Jungen, der als "genialer Torjäger" bezeichnet wird, obwohl er im Spiel bisher lediglich hoch genug schießen muss, um zu treffen - dann nämlich kommt der gegnerische Torhüter nicht mehr an den Ball. Das Zerren um die Talente wird immer bizarrer.

Beinahe selbstverständlich, dass sich niemand um das Wohl des Jungen zu sorgen scheint. Den Eltern gegenüber (!) wäre es unfair gewesen, Gyasi einen Wechsel an die Stamford Bridge zu verweigern, sagte Trevor Gould. Er ist Leiter der Jugendakademie in Northampton und spricht von Grundschul-Zwergen bisweilen wie von Fließband-Produkten: "Er zeigt, welche Qualität wir hervorbringen. Der Deal ist finanziell gut für uns."

Geschäftsführer David Cardoza trat besonders stolz vor die Presse: "Wir produzieren Spieler großen Kalibers mit höchsten Standards." Der Aufschrei bliebt aus, denn längst ist es üblich, vielversprechende Teenies an sich zu binden. Man will sich ja 2018 nicht vorwerfen lassen, den neuen Lionel Messi Manchester United überlassen zu haben. Dass sich unmöglich vorhersagen lässt, wie die Entwicklung verlaufen wird? Nebensache. Das pekuniäre Risiko ist sehr gering. Und vielleicht klappt es ja. Wenn nicht? Auch egal.



Erst Chelsea, dann für Deutschland?

Die Buchmacher jedenfalls reagierten wie üblich blitzschnell. Sollte der ghanaischstämmige Gyasi, dessen Nachname "der Wunderbare" bedeutet, vor 2020 Torschützenkönig der Premier League werden, zahlt Ladbrokes 100 Pfund für ein Pfund Einsatz. Bei 50:1 steht derzeit die Quote für ein Debüt des Jungen in der ersten Mannschaft vor seinem 16. Geburtstag. Aber schnell zuschlagen! Diese Quote sinkt, falls Gyasi in seinem ersten Spiel für Chelseas U13 trifft.

Diskutiert wird in England nun ausführlich, ob der Transfer richtig war - allerdings ausschließlich aus sportlicher Sicht. Northampton hätte den Jungen ja ausbilden und später viel mehr kassieren können, andererseits kann der Klub jetzt jeden Penny gebrauchen. "Ein Dilemma", schrieb ein Kolumnist.

Immerhin ist in Deutschland noch nicht die Diskussion aufgekommen, ob Michael Gyasi nicht später für Deutschland spielen könnte. 2006 sind Gyasis Eltern nämlich erst nach England übergesiedelt. Für "Baby Blue", der schon einmal bei einem 2:6 gegen Chelsea angeblich beide Northampton-Tore erzielt hat, bleibt zu hoffen, dass Kinofilme nicht zur Realität werden. Denn Fimpen, der Knirps kommt mit dem Ruhm nicht zurecht. Er wird ein ganz schlechter Schüler.



© SID

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