Fußball England
Die "Fantastischen Vier" kämpfen um den Titel

Die "Fantastischen Vier" werden auch dieses Jahr den Titel in der englischen Premiere League unter sich ausmachen. Liverpool, Arsenal und Chelsea jagen Titelverteidiger Manu.

Michael Ballack, Luiz Felipe Scolari, Arsene Wenger, Rafa Benitez, sie alle haben ein Ziel: Sir Alex Ferguson vom Thron stoßen. Im Fußball-Mutterland England startet am Wochenende der erneute Kampf der "Fantastischen Vier" um den Titel in der besten Liga der Welt. Titelverteidiger und Champions-League-Sieger Manchester United will dabei den Ansturm des FC Chelsea, FC Arsenal und FC Liverpool zum dritten Mal in Folge abschmettern und mit dem 18. Meisterstück der Klubgeschichte einen weiteren Eintrag in die Rekordbücher perfekt machen.

Manu bei den Buchmachern vorn

Bei den großen Buchmachern Ladbrokes und William Hill ist Manchester wieder Topfavorit (12,5 bzw 14,5:10), gefolgt von Chelsea (2x16:10), Arsenal (60:10/40:10) und Rekordmeister Liverpool (60:10/75:10), der zum wiederholten Mal nach dem ersten Titel seit 1990 strebt. Bereits in den vergangenen drei Spielzeiten haben die "Fabulous Four" den Titel unter sich ausgemacht, der Rest der Liga wird sich wohl auch diesmal um den Uefa-Cup schlagen oder gegen den Abstieg kämpfen.

"Ich freue mich auf die kommende Saison. Wir haben ein gutes Team und eine weitere Chance, vier Titel zu gewinnen", sagte Nationalmannschaftskapitän Ballack. Den ersten "Kick off" haben am Samstagmittag Arsenal und Aufsteiger West Bromwich Albion, es folgt Pools Auftritt beim FC Sunderland. Am Sonntag trifft Chelsea dann auf Pokalsieger FC Portsmouth und Manchester auf Newcastle United.

Die Monate Mai und Juni will Ballack schnell vergessen machen. Zunächst der knapp verlorene Titelkampf in England, dann das Elfmeter-Drama im Champions-League-Finale ("Jeder war darüber natürlich enttäuscht") und schließlich die Niederlage mit Deutschland im EM-Endspiel gegen Spanien.

Manchester mit relativer Zurückhaltung auf dem Transfermarkt

Investiert wurde für englische Verhältnisse bis zwei Wochen vor dem Transferschluss eher konservativ: Manu, (vorerst) Sieger im Hickhack mit Cristiano Ronaldo und Real Madrid, hatte bis Donnerstag lediglich Davide Petrucci (AS Rom) für 250 000 Euro verpflichtet. Doch die "Red Devils", bei denen Ronaldo nach Knöchel-OP auf jeden Fall den ersten Monat der Saison fehlt und Wayne Rooney angeschlagen ist, stehen mit Tottenham Hotspur vor der Einigung über einen Wechsel des ehemaligen Leverkusener Bundesligastürmers Dimitar Berbatow. Ein erstes Angebot über umgerechnet 31 Mill. Euro Ablöse sollte Medienberichten zufolge noch aufgestockt werden.

Sir Alex macht den Erfolg ohnehin nicht abhängig von Neuzugängen. "Vielen meiner Spieler haben die Trophäen einen weiteren Schub gegeben. Ich bin zuversichtlich, dass dieses Team seine Titel verteidigen kann", sagte der Schotte. Manu hat in den vergangenen 15 Jahren zehn Meisterschaften gefeiert und kann nach Titeln mit dem 18-maligen Champion und Erzrivalen Liverpool gleichziehen.

Chelsea greift mit neuem Coach an - Arsenal setzt auf die Jugend

In Chelsea versucht man mit dem neuen Trainer Scolari an die Jahre 2005 und 2006 anzuknüpfen, als man mit Jose Mourinho jeweils den Meistertitel gewann. "Vergleichen Sie mich nicht mit Jose Mourinho", sagte "General Felipao", der nach der Niederlage im EM-Viertelfinale mit Portugal gegen Deutschland (2:3) dem Ruf von Öl-Milliardär Roman Abramowitsch folgte. "Mourinho sagt, dass er zehn Titel will, ich bin zurückhaltender", ergänzte der Brasilianer, der für geschätzte 22 Mill. Euro für drei Jahre allerdings "Silverware" ranschaffen muss. Dafür holte Scolari seinen Liebling Deco (Barcelona) und Jose Bonsingwa (FC Porto).

Nach der enttäuschenden vergangenen Saison hatte Arsene Wenger beim FC Arsenal, der bis in den Februar an der Spitze lag, vor allem personellen Aderlass zu verkraften - weniger in Person des ohnehin ins zweite Glied gerückten deutschen Nationaltorhüters Jens Lehmann, sondern vielmehr in den Abgängen Gilberto, Mathieu Flamini und Aleksandar Hleb. "Wir haben dafür aber Samir Nasri geholt", sagte der Elsässer zum 21 Jahre jungen französischen Nationalspieler. Wenger zieht den Jugendstil durch, weil er muss: Zum Auftakt fehlen sieben Stammkräfte, darunter der Ex-Dortmunder Tomas Rosicky. Beim 2:0 in der Champions-League-Qualifikation bei Twente Enschede standen neun Spieler auf dem Platz oder im Kader, die maximal 20 Jahre alt waren.

Liverpool will ersten Titel seit 18 Jahren

Bleiben die "Reds", die seit 18 Jahren im Titelrennen das Nachsehen haben. Ein "Rekordmeister Manu" wäre ein Alptraum, deshalb landete man bislang den Transfercoup des Sommers. Für 26 Mill. Euro wechselte der irische Nationalmannschaftskapitän Robbie Keane an die Anfield Road und wird Europameister Fernando Torres im Angriff unterstützen. "Ich bin überzeugt von meinem Team, es ist das beste, seit ich hier bin", sagte Rafa, dessen Traumsturm allerdings in der Qualifikation zur Königsklasse bei Standard Lüttich (0:0) nichts zeigte.

Dennoch kann der Glaube Berge versetzen. Benitez: "Manchester, Chelsea und Arsenal sind die besten Teams in Europa. Aber mein Glaube ist unerschütterlich: Wir können mit ihnen mithalten."

© SID

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