Fußball England
Maradona verfolgt Shilton auch mit 60 noch

Die britische Torhüter-Legende Peter Shilton wird heute 60 Jahre alt. Trotz konstanter Leistungen wird seine Karriere oft nur auf einen Moment im WM-Finale 1986 reduziert.

Britischen Humor hat Peter Shilton sofort bewiesen, doch die Demütigung seiner Karriere hat er bis heute nicht überwunden. The "Hand of God", die "Hand Gottes", geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. "Dieses Ding wird mich mein ganzes Leben lang verfolgen. Maradona hätte sich damals auf der Stelle bei mir entschuldigen müssen. Ein großer Spieler wie Pele hätte es getan", schimpft Shilton. Heute wird Englands Rekord-Nationalspieler (125 Länderspiele) 60 Jahre alt.

Ein Computerspiel nahm Shilton bereits ein Jahr nach dem legendären WM-Viertelfinale 1986 gegen Argentinien aufs Korn. Ein Kleinod für Nostalgiker ist "Peter Shiltons Handball Maradona" auf dem alten Commodore 64 heute: Hellgrün auf grün fliegt Shilton den Bällen hinterher, die eher eckig sind als rund. Ein Pixel-Maradona kommt nicht darin vor.

Shiltons Karriere auf einen Moment reduziert

Maradonas "Hand Gottes" ist das Dilemma des Peter Shilton. Europapokalsiege mit Nottingham Forest, eine Meisterschaft, 1 005 Profi-Spiele, 1967 ein Tor aus dem eigenen Strafraum - wer weiß es noch? 31 Jahre als Profi-Torhüter und drei WM-Endrunden werden fast immer auf ein Standbild vom 22. Juni 1986 reduziert, Aztekenstadion in Mexiko-Stadt, 114 500 Zuschauer, die 51. Minute.

Den linken Arm mit der roten Kapitänsbinde angewinkelt, den rechten ausgestreckt, verzweifelt die Faust nach dem Ball stoßend, schwebt Shilton wenige Zentimeter über dem Boden. Maradona dagegen scheint fliegen zu können, 60, 70 Zentimeter über dem Rasen, volle Streckung im Oberkörper. Und dennoch reicht es nicht. Mit der Hand verleiht der beste Fußballer der Welt dem Ball einen entscheidenden Stoßüber Shilton hinweg.

Zu spät für eine Entschuldigung

"Der Falkland-Krieg war gerade beendet. Mag sein, dass Maradona sich deswegen nicht gerührt hat", sagt Shilton. Eine Entschuldigung schlug er 2008 aus. "Viel zu spät. Was Maradona damals tat, hat meine Meinung über ihn für immer verändert. Er war der Größte, gegen den ich jemals gespielt habe. Aber er wird vielen Menschen nicht wegen seines Könnens in Erinnerung bleiben."

Ein Trauma war das Spiel für Peter Shilton, jedoch kein Karriereknick. Er spielte noch die WM 1990, das Halbfinale gegen Deutschland, wo er erst bei einem abgefälschten Schuss von Andreas Brehme schlecht aussah und beim Elfmeterschießen "immer in der Ecke war, ohne einen packen zu können", wie er später berichtete.

Abseits der üblichen englischen WM-Tragik war Shilton ein Weltklasse-Keeper, Nationaltorhüter in Zeiten, in denen Trainer nicht das kleinste Übel zu wählen hatten, sondern sogar zwischen Shilton und Liverpool-Legende Ray Clemence wechselten. An diesem Freitag wird England schmerzlich bewusst, dass es seit 19 Jahren keinen Weltklasse-Torhüter mehr hat.

Profikarriere mit 47 beendet

Denn Shilton, der einst Gordon Banks ("Banks of England") abgelöst hatte, setzte nach der WM 1990 einen Schlusspunkt unter die Karriere. Zumindest international, national tingelte er noch Jahre mit mäßigem Erfolg durch die Niederungen des Fußballs. Erst mit 47 hatte er genug.

Frühere Probleme mit Alkohol und Spiel-Leidenschaft sind überwunden. Peter Shilton hat zwei Kinder, sein Sohn ist selbst Profi-Fußballer, die Klasse seines Vaters besitzt er nicht. Bald begibt sich Peter Shilton aufs Eis: In einer TV-Show misst er sich an der Seite einer Eiskunstläuferin mit anderen Prominenten.

Und es wäre kein Wunder, würde zur Vorstellung die "Hand Gottes" eingespielt.

© SID

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