Fußball England
Premier League verstärkt die Finanzkontrolle

Englands Fußballclubs sollen solider wirtschaften. Die Liga will Millionenschulden wie beim englischen Meister Manchester United künftig untersagen. Ausländische Investoren sollen sich einer Eignungsprüfung unterziehen. Mit der internationalen Dominanz der Premier League könnte es bald vorbei sein.

LONDON. Die englische Premier League will ihre Finanzkontrollen verstärken. Damit reagiert die Fußball-Liga auf zunehmende Kritik an den hohen Schulden ihrer Klubs und mangelnder Transparenz. Zudem arbeiten die Verantwortlichen an umfassenden Reformen. Diese sollen in Kraft treten, wenn der neue TV-Vertrag über 1,8 Mrd. Pfund mit dem Bezahlsender BSkyB im Jahr 2013 abläuft.

Der britische Sportminister Andrew Burnham hatte die Premier League vergangene Woche scharf kritisiert und sie aufgefordert, die Einnahmen aus den europäischen Wettbewerben gerechter zu verteilen. Immerhin repräsentierten die Vereine bei Auslandsspielen nicht nur sich selbst, sondern die gesamte Liga. Ein Teil des Geldes steht Burnhams Ansicht nach daher auch den anderen englischen Klubs zu. Der Minister will die Dominanz der vier großen Vereine - Manchester United, Chelsea, Arsenal und Liverpool - brechen. Das schaffe mehr "Gleichgewicht im Wettbewerb".

Nach den neuen Regeln, die Premier-League-Chef Richard Scudamore vorgelegt hat, müssen die Klubs in Zukunft jährlich ihre finanzielle Solidität nachweisen. Auch der Einfluss ausländischer Investoren soll sinken: Wer englische Fußballvereine kaufen oder besitzen will, muss sich künftig einer strengen Eignungsprüfung unterziehen. Anteile über zehn Prozent sind zu veröffentlichen. "Die neuen Regeln werden uns in den kommenden Turbulenzen gute Dienste leisten", sagt Scudamore.

Das Regelwerk soll verhindern, dass sich weitere Klubs überschulden. Ein Parlamentsbericht warnte im April vor einer Serie von Insolvenzen. Die Abgeordneten präsentierten einen Katalog an Reform-Forderungen. Viele sehen die Ursache der Probleme im Einstieg von Finanz-Investoren - so wie bei Manchester United und Liverpool. Die Besitzer von Manchester, die US-Familie Glazer, drückten dem einst schuldenfreien und wirtschaftsstärksten Klub der Welt bei der Übernahme eine Schuldenlast von 750 Mio. Pfund auf. Nun sind die Zinszahlungen fast doppelt so hoch wie der Betriebsgewinn.

Auch der Trainer von Arsenal London, Arsène Wenger, sagte ein baldiges Ende der internationalen Dominanz der Premier-League-Vereine voraus - allerdings aus anderen Gründen: Änderungen im britischen Steuersystem - darunter sind neue Regeln für nicht im Land ansässige Ausländer und ein Einkommenssteuersatz von 50 Prozent - machten die Liga für ausländische Spieler unattraktiv. Zudem sei die Finanzkraft der Klubs durch den sinkenden Pfund-Kurs geschwächt.

Birmingham-Mitbesitzer David Sullivan sagte der Tageszeitung "Times", die Liga habe keinen Grund zur Klage: "Wir hatten zehn bis 15 Jahre der totalen Dominanz. Nun wird es wieder faire Bedingungen für alle geben."

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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