Fußball England
Sir Bobby Charlton wird 70

Bobby Charlton feiert heute seinen 70. Geburtstag. Seinen größten Erfolg feierte der einstige Mittelfeldstar von Manchester United mit dem Gewinn der WM 1966 gegen die deutsche Mannschaft um Franz Beckenbauer.

Sir Bobby Charlton steht für Englands größten Erfolg im Fußball, den Gewinn der Weltmeisterschaft 1966. Sein Name verbindet sich aber auch mit einer der größten Tragödien des europäischen Fußballs, dem Flugzeugabsturz der Mannschaft von Manchester United im Jahr 1958. Am heutigen Tag erheben die Fans auf der Insel ihr Glas zum 70. Geburtstag von Sir Bobby Charlton und werden gewiss noch ein paar Pints auf den wohl größten Erfolg in der Geschichte dieser Sportnation trinken: Den Gewinn der WM 1966 durch das 4:2 nach Verlängerung im legendären Finale gegen Deutschland.

"Als der Schlusspfiff kam, begann ich zu weinen. Es war das einzige Mal bei einem Sieg. 100 000 Menschen applaudierten und die Kumpels sprangen vor Glück über den Platz. Als wir später durch Paddington fuhren und ich die vielen Menschen in den Häuserfenstern sah, fragte ich Ray Wilson: "Wäs wäre nur gewesen, wenn wir verloren hätten?" Wie dem auch sei, wir haben nicht. Ich glaube, damals haben sich unsere Leben verändert", sagte Charlton über den wohl größten Moment in seinem Sportlerleben.

Sinnbild des WM-Erfolgs 1966

Bobby Charlton steht als Sinnbild für diesen Erfolg 1966. Er wurde zwar von den Fans nicht wie sein Teamkamerad und WM-Kapitän Bobby Moore geliebt, sondern respektiert und geachtet. Für seine Verdienste um den Sport wurde Charlton von der Queen 1994 zum Ritter geschlagen. Er selbst bezeichnet in seiner stets bescheidenen Art den WM-Titel als Triumph der ganzen Mannschaft. Für ihn waren seine Kameraden Alan Ball und natürlich der dreifache Torschütze Geoff Hurst die Spieler des Spiels.

"Wir sind uns oft begegnet. Der Höhepunkt war sicher 1966. Wir haben damals verloren, weil mein Gegenspieler Bobby Charlton ein bisschen besser war als ich", sagte Franz Beckenbauer hingegen und kündigte am vergangenen Wochenende am Rande einer Pressekonferenz angesprochen auf den Geburtstag Charltons an: "Da werde ich ihn anrufen. Wir sind ja fast gleich alt (Beckenbauer ist 62/Anmerk. d. Red.)."

Robert Charlton wurde am 11. Oktober 1937 in Ashington, Northumberland geboren. Sein Bruder ist Jack, beim 66er-Triumph in der Abwehr und später Teammanager des irischen Nationalteams. Der Onkel Charltons ist der einstige Stürmerstar Jackie Milburn von Newcastle United.

Als einzige Berufsalternative zum Fußball sah Bobby Charlton den Journalismus, weil "ich dort Fußball-Spiele hätte umsonst sehen können". 1954 wurde er Profi bei Manchester United, am 6. Oktober 1956 gab er sein Ligadebüt gegen Charlton Athletic, sein letztes war im April 1973 an der Stamford Bridge in Chelsea.

Die Katastrophe von München "nie vergessen"

Sein Leben und, so meinen viele, auch sein Charakter änderten sich in einer der schwärzesten Stunden der europäischen Fußball-Geschichte. Am Nachmittag des 6. Februar 1958 zerbrach in München bei dichtem Schneetreiben das Flugzeug mit der Mannschaft von Manchester United an Bord bei einem missglückten Startversuch und riss 21 Menschen in den Tod. Bobby Charlton überlebte fast unverletzt, acht seiner Teamkameraden starben. Die "Busby Babes", benannt nach dem damaligen "Manu"-Teammanager Matt Busby, gab es nicht mehr.

"Ich habe noch im Sitz gesessen, aber das Flugzeug war ungefähr 70 Yards von mir entfernt. Dann habe ich mich umgeschaut und Harry Gregg neben mir gesehen. Er sagte mir, dass ich etwa zehn Minuten bewusstlos war", schrieb Bobby Charlton in seinem im September erschienenen Buch über seine Zeit bei Manchester United ("My Manchester United Years"/Anmerk. d. Red.) und äußerte sich damit erstmals so detailliert über das Unglück. "Er hat München nie vergessen. Irgendwie fühlte er sich verantwortlich. Als wären es seine Kinder, die dort gestorben sind", meinte Matt Busby, der das Unglück ebenfalls überlebte, später.

"Wir durften damals nicht aufgeben. Das waren wir unseren toten Kameraden schuldig", meinte Charlton. Nicht zuletzt dank seiner unbändigen Willenskraft von Charlton holte Manchester 1963 den FA-Cup, wurde 1965 und 1967 Meister und gewann zehn Jahre nach dem Unglück durch ein 4:1 nach Verlängerung gegen Benfica Lissabon als erster englischer Klub den Landesmeister-Cup. Charlton erzielte zwei Tore, widmete den Sieg seinen toten Kollegen und nannte diesen Tag den "schönsten meines Lebens".

Rekordtorschütze der englischen Nationalmannschaft

Insgesamt spielte Sir Bobby 754-mal für Manu und schoss dabei 247 Tore - als Mittelfeldspieler. In 106 Länderspielen war er 49-mal erfolgreich und ist damit immer noch Rekordtorschütze. Die Wege der beiden "Lichtgestalten" Charlton und Beckenbauer sollten sich auch nach 1966 noch einige Male kreuzen. 1970 in Mexiko im WM-Viertelfinale gewann Deutschland die Revanche. Auch das letzte große Duell entschied Beckenbauer für sich, als er die WM 2006 nach Deutschland holte.

Charlton und Weltstar David Beckham, ein Spross der "Bobby Charlton Football School", standen dann Pate für die erfolgreiche Bewerbung Londons für die Olympischen Sommerspiele 2012. Der Jubilar sitzt immer noch im Präsidium von Manchester United, das für den einstigen Star für heute eine private Feier geplant hat.

© SID

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