Fußball Europa-League
Adler bläst nach Karriereknick zur Attacke

Rene Adler kann sich in Saloniki wieder auf internationaler Bühne bewähren. Nach seinem Karriereknick im letzten halben Jahr will die frühere deutsche Nummer eins wieder angreifen.

Am Donnerstag ist es wieder so weit. Rene Adler darf sich auf internationaler Bühne beweisen. Nicht Mailand, nicht Madrid und auch nicht im Dress der deutschen Nationalmannschaft. Aris Saloniki heißt stattdessen der Gegner, und es geht um die Europa League. Immerhin. So viele internationale Bewährungsproben bekommt der Schlussmann von Bayer Leverkusen schließlich nicht mehr.

Denn im letzten halben Jahr lernte Adler auf schmerzliche Weise die Schattenseiten des Torhüterlebens kennen. Noch im Frühling hätte es für den 25-Jährigen nicht besser laufen können. In der Nationalmannschaft war er gerade von Bundestrainer Joachim Löw als Nummer eins für die WM bestimmt worden, und mit Bayer lag er klar auf Champions-League-Kurs. Doch alles kam anders. Rippenbruch, WM-Aus und der Absturz mit Bayer.

Bei Löw nur noch die Nummer drei

Aktuell ist Adler in Deutschland nur noch Torwart Nummer drei. An Manuel Neuer ist derzeit kein Vorbeikommen, und sogar Werder-Keeper Tim Wiese hat ein wenig die Nase vorn. "Ich bin Sportler und Realist", sagt der gebürtige Leipziger und kann seine Chancen derzeit gut einschätzen. Neuer habe sich seinen Nummer-eins-Status durch die guten Leistungen verdient. Er wolle nichts schlecht reden, was nicht schlecht ist.

Allzu viel Hoffnung konnte ihm auch Löw nicht machen. "Es waren Manuels erste wichtige Länderspiele, und er hat seine Sache ausgezeichnet gemacht", sagte der Bundestrainer über Adlers Rivalen und fügte an: "Wir gehen davon aus, dass er seine Leistung weiter bringen wird."

So muss Adler warten. Warten auf seine Chance, wann auch immer sie kommen mag. Er weiß dabei nur zu gut, dass er als Schlussmann mehr als jeder Feldspieler von Verletzungen oder Problemen seiner Rivalen abhängig ist. Von solchen Faktoren hatte auch er einst profitiert, als er in Bundesliga und Nationalelf zwischen die Pfosten rückte. Nach einer Roten Karte für Jörg Butt gab Adler im Februar 2007 ein herausragendes Bundesliga-Debüt für Bayer gegen Schalke (1:0) und ließ sich daraufhin nicht mehr aus dem Tor verdrängen. Und in der Nationalmannschaft kam er im Oktober 2008 erst nach einer Verletzung von Robert Enke zu seinem ersten Länderspiel gegen Russland (2:1).

Adler sieht sich nicht als "Opfer"

Und erst nach dem tragischen Selbstmord von Enke war für Adler in der Nationalelf der Weg frei zur Nummer eins. Der Tod seines einstigen Rivalen hatte Adler damals nachdenklich gemacht. "Was ist eine Verletzung oder ein WM-Aus gegen Familien-Schicksale? Ich bin trotz der verpassten WM-Teilnahme kein Opfer", sagt Adler, der sich mit dem gerade erschienenen Enke-Buch derzeit nicht beschäftigen will.

Vielmehr beschäftigt sich Adler mit seiner Leistung. "Ich will meine Chancen suchen. Mein Anspruch ist es, wieder dahin zu kommen, wo ich vor meiner Verletzung war. Das geht nur über Leistung - und die will ich in der Bundesliga wieder zeigen", sagt er. Mit starken Leistungen will er sich beim Bundestrainer wieder unverzichtbar machen. Dass Patzer wie beim Gegentreffer zum 0:1 in Wolfsburg nicht hilfreich sind, weiß er nur zu genau.

© SID

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