Fußball Europa-League
Faszination Atletico auch in NRW

Wer an den spanischen Fußball denkt, hat vor allem den FC Barcelona und Real Madrid im Sinn. Doch auch Leverkusens Europa-League-Gegner Atletico Madrid hat einen deutschen Fanklub.

Als Jose Manuel Jurado von Atletico Madrid zu Schalke 04 wechselte, sorgte dies in Paderborn für großen Jubel. Allerdings nicht aus Vorfreude auf den spanischen Spielmacher. "Ich bin großer Jurado-Fan", sagt Andre Kahle und ergänzt schmunzelnd: "Seit er weg ist. Ich hätte nie gedacht, dass wir für so einen 13 Mill. kriegen. Er war nie der große Liebling der Fans, im Kader war er Spieler Nummer 12, und an der Nationalmannschaft hat er nicht einmal gekratzt."



Einziger deutscher Atletico-Fanclub

Dass ein Paderborner über Atletico Madrid als "wir" spricht, hat einen einfachen Grund: Der 29-Jährige ist Leiter des deutschen Atletico-Fanklubs. Kahle koordiniert alle internationalen Fanklubs des Europa-League-Siegers, am Donnerstagabend Gastgeber von Bayer Leverkusen in der Europa League. Jeden Tag arbeitet der Langzeitstudent (Spanisch und Deutsch auf Lehramt) für sein Hobby, "und was an Geld reinkommt, geht für Atletico wieder raus". So hat es Kahle unter den Atletico-Fans sogar zu gewissem Ruhm gebracht: "Bei Auswärtsspielen muss ich oft Interviews geben und mich fotografieren lassen."

Geweckt wurde seine Leidenschaft für den in Spanien verehrten, im Ausland aber weniger registrierten Verein durch Zufall. 2002 ließ er sich von Freunden zu einem Managerspiel der Primera Division überreden. "Ich wollte unbedingt den FC Barcelona oder Real Madrid, aber die waren schon weg", sagt Kahle. Also nahm er Atletico. Inspiriert vom Vereinslied auf der Homepage entschloss er sich zur "Ortsbesichtigung".

Erste Ortsbesichtigung im Jahr 2003

Das war im April 2003, und Kahle erwischte ein ideales Wochenende: den 100. Geburtstag Atleticos. "Über 100 000 Menschen säumten die Straßen, alles war in Rot und Weiß", erzählt er: "Seit diesem Tag bin ich mit dem 'virus rojiblanco' infiziert."

Drei- bis viermal im Jahr fliegt Kahle nach Madrid, außerdem organisiert er Reisen zu allen Spielen im europäischen Ausland. Bis zu 50 Personen sind dann dabei, und das, obwohl es sich um einen "sehr deutschen Fanklub" handelt: "Die in Deutschland lebenden Spanier organisieren sich über die Heimat." Beim Europa-League-Finale in Hamburg waren sogar 150 deutsche Atletico-Fans dabei, im Dezember in Leverkusen sollen es noch mehr werden. "Dann feiern wir den Abschluss eines unglaublichen Jahres, von dem wir so nicht zu träumen gewagt hätten", sagt Kahle.

Einst war Atletico Spaniens dritte Kraft nach Barca und Real. 1996 gewann der Klub das Double, stieg unter dem exzentrischen Präsident Jesus Gil y Gil (Kahle: "Ein Spalter!") 2000 aber sensationell in die 2. Liga ab. Heute stellt Atletico in Diego Forlan den besten Spieler der WM 2010. Den hält Kahle zwar für einen "Fußball-Gott", am Helden-Status des verehrten Fernando Torres, bei Atletico groß geworden und heute Welt- und Europameister, kann der Uruguayer aber nicht kratzen.

Mesut Özil und Sami Khedira prophezeit Kahle beim Stadtrivalen Real einen schweren Stand. Man munkele, dies würden "die beiden nächsten van der Vaarts", sagt er mit Bezug auf den früheren Hamburger Bundesliga-Profi, der bei Real auf dem Abstellgleis landete und schließlich zu Tottenham Hotspur abgeschoben wurde.

Deutsche Stars bei Atletico Mangelware

Bei Atletico gab es dagegen schon ewig keine deutschen Spieler mehr. Mirko Votava spielte dort von 1982 bis 1985 - und vor allem natürlich der direkt von Real verpflichtete Bernd Schuster (1990 bis 93). "Ich habe ihn mal getroffen", erzählt Kahle: "Ein cooler Typ, sehr sympathisch. Aber Trainer bei Atletico muss er nicht unbedingt werden."

Einen deutschen Wunschspieler gab es einmal für Kahle und seine Fanklub-Kollegen, "aber das hat sich auf tragische Weise erledigt". Er spricht von Robert Enke. Heute sei aus der Bundesliga allenfalls Mario Gomez interessant, "aber dafür müsste der Verein richtig Geld in die Hand nehmen". Die unverhofften 13 Mill. Euro aus Gelsenkirchen könnten helfen.

© SID

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