Fußball Fifa
Beckenbauer verlässt Fifa-Exekutivkomitee

Franz Beckenbauer hat überraschend seinen Rückzug aus dem Fifa-Exekutivkomitee für 2011 bekanntgegeben. Er wolle sich nun verstärkt um seine Familie kümmern, so der "Kaiser".

Der deutsche Fußball muss künftig auf "Kaiser" Franz Beckenbauer als Frontmann im Exekutivkomitee des Weltverbandes Fifa verzichten. Der Präsident des deutschen Organisationskomitees der WM 2006 gab am Donnerstag seinen Rückzug als Mitglied in der "Regierung" des Weltfußballs unter Vorsitz von Fifa-Präsident Joseph S. Blatter bekannt. Beckenbauer werde sich im kommenden Jahr nicht mehr zur Wiederwahl stellen, hieß es in einer Presseerklärung. Am 11. September dieses Jahres hatte Beckenbauer sein 65. Lebensjahr vollendet und bereits angedeutet, in Zukunft kürzertreten zu wollen.

"Rein persönliche und familiäre Gründe"

"Ich hatte und habe eine gute Zeit mit meinen Kollegen im Fifa-Vorstand, bei der Uefa und habe ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu Sepp Blatter und Michel Platini. Ich bitte um Verständnis für meine Entscheidung", sagte Beckenbauer und begründete seinen Entschluss mit "rein persönlichen und familiären Gründen". Er wünsche sich mehr Zeit für die Familie und möchte vor allem nicht so viel reisen. Beckenbauer infomierte vorab Blatter, Uefa-Präsident Michel Platini und DFB-Präsident Theo Zwanziger von seiner Entscheidung.

Der Kapitän der deutschen Weltmeistermannschaft von 1974 und Teamchef des WM-Teams von 1990 war am 26. Januar 2007 auf dem Uefa-Kongress in Düsseldorf als Vertreter der Europäischen Fußball-Union per Akklamation ins Fifa-Exko gewählt worden. Im vergangenen Jahr hatte Beckenbauer bereits sein Amt als Präsident von Rekordmeister Bayern München abgegeben; zum Nachfolger war Uli Hoeneß gewählt worden.

Zäsur mit 65 Jahren

Für Beckenbauer bedeutet das Erreichen des "Rentenalters" offenbar eine Zäsur in seinem Leben. "Ich will mein Leben aufräumen und werde meine Aufgaben drastisch reduzieren. Ich habe mir das Recht erarbeitet, in ein Rentenalter zu treten und weniger zu tun", hatte Bayern-Ehrenpräsident Beckenbauer zu seinem Geburtstag erklärt.

Die Familie soll künftig verstärkt im Mittelpunkt stehen. Die Fehler aus erster Ehe, in der er seine Frau und die Kinder doch arg vernachlässigt habe, will er nicht wiederholen. "Ich habe eine Familie mit zwei Kindern, die ich nicht versäumen möchte. Nicht, dass da plötzlich drei Kinder sind, so groß wie ich, und ich fragen muss: 'Wo kommt ihr auf einmal eigentlich alle her?', weil ich keine Zeit hatte", sagt er.

Deutschlands Fußball-Lichtgestalt will sich künftig mehr denn je um Ehefrau Heidi und die Kinder Joel und Francesca kümmern. "Kaum jemand hatte so ein erfülltes Leben wie ich. Ich bin glücklich und hoffe, dass es noch lange so bleibt", äußerte Beckenbauer.

So hatte er auch ein größeres Engagement für die Olympia-Bewerbung seiner Heimatstadt Münchens für 2018 ausgeschlagen. Beckenbauer begnügte sich mit einem Sitz im Bewerbungs-Kuratorium und überließ Katarina Witt die Rolle an der Spitze, nachdem er als 2006-WM-Bewerbungs-Chef maßgeblichen Anteil am Zuschlag für die zweite Weltmeisterschaft auf deutschem Boden nach 1974 hatte. In einem Herzschlag-Finale setzte sich Deutschland vor zehn Jahren mit 12:11-Stimmen im Fifa-Exekutivkomitee gegen Herausforderer Südafrika durch. Dabei hatte sich kein Geringerer als Beckenbauer-Spezi Blatter für Südafrika stark gemacht. Erst vier Jahre später, 2010, wurde die Republik am Kap der gute Hoffnung als erstes afrikanisches Land WM-Gastgeber.

Beckenbauer oft im Schatten von Fifa-Präsident Blatter

Gleichzeitig war Beckenbauer nicht immer zufrieden mit seiner Rolle innerhalb der Fifa. Der "Kaiser" leitete zwar einerseits die Fußball-Kommission des Weltverbandes, war aber auch ebenfalls Vorsitzender der Organisationskommission der U20- und U17-WM der Frauen. Kein Amt, das unbedingt Begeisterungsstürme bei Beckenbauer auslöste. Blatter nutzte immer wieder gerne die weltweite Popularität des Deutschen, Beckenbauer fügte sich klaglos in die Rolle im Schatten des übermächtigen Schweizers.

Im Zuge der Vergabe der WM-Endrunde 2018 bzw. 2022 waren unterdessen einige Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees ins Zwielicht geraten. Die Fifa hatte Amos Adamu (Nigeria) und Reynald Temarii (Tahiti) suspendiert, hielt aber am Vergabetermin am 2. Dezember in Zürich fest. Den beiden Offiziellen wird vorgeworfen, dass sie ihre Stimmen für die WM-Vergabe feilgeboten haben.

Die englische Sonntagszeitung Sunday Times hatte ein Video mit belastendem Material veröffentlicht. Neben Temarii und Adamu suspendierte die Fifa in Slim Aloulou (Tunesien), Amadou Diakite (Mali), Ahongalu Fusimalohi (Tonga) und Ismael Bhamjee (Botswana) vier weitere Funktionäre.

© SID

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