Fußball Fifa
Blatter auf den Spuren von Samaranch

Joseph S. Blatter will wie einst schon der frühere IOC-Chef Samaranch zum dritten Mal in seinem Amt bestätigt werden und strebt eine Wiederwahl 2007 an. "Meine Mission ist noch nicht beendet", sagte der Fifa-Boss.

Joseph S. Blatter wird sich allem Anschein nach 2007 bei der Wahl des Präsidenten des Fußball-Weltverbandes wieder als Kandidat aufstellen lassen. Der Schweizer Präsident strebt somit wie einst der frühere IOC-Chef Juan Antonio Samaranch eine dritte Bestätigung seiner vierjährigen Amtszeit an. Der Mann aus dem Wallis, der seit 1975 bei der Fifa arbeitet und seit 1998 ihr Präsident ist, sagte bei einem Roundtable-Gespräch in Zürich: "Meine Mission ist noch nicht beendet."

Besonders harsche Kritik übte Blatter unterdessen an der "G14", der Interessenvertretung der 18 europäischen Großklubs: "Die wollen in die Kassen der Fifa greifen und auf Kosten der Entwicklungsprogramme der Fifa immer reicher werden." Am 1. Mai reist Blatter in den Senegal, um dort das 100. Projekt des Förderprogrammes "Goal" einzuweihen. Damit werden überwiegend der Bau von Trainingsplätzen, Trainingszentren und Verwaltungsgebäuden für die jeweiligen Verbände finanziert.

Blatter: "Ich habe mit Lennart Johansson, dem Präsidenten der Europäischen Fußball-Union, gesprochen. Es gibt das Klubforum der Uefa, und dessen Präsident heißt Karl-Heinz Rummenigge. Dort können sich die Großvereine mit ihren Interessen einbringen."

Blatter fordert Spielerversicherung seitens der Verbände

Der Fifa-Boss lehnt weiterhin jedwede Aufwandsentschädigung an Vereine für die Abstellung von Nationalspielern ab. Nach Meinung der Fifa-Spitze profitieren die Klubs hinreichend von der Steigerung des Marktwertes eines Spielers durch die Berufung in die Nationalmannschaft. Allerdings fordert die Fifa ihre Mitgliedsverbände auf, die Spieler hinreichend gegen ein Verletzungsrisiko zu versichern und geht während der WM mit gutem Beispiel voran. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) praktiziert dies schon seit langem.

In seinem Kampf, die moralischen und ethischen Werte des Fußballs zu retten, zieht Blatter die Zügel an: Schiedsrichter, Trainer, Spieler und Offizielle sowie ihre Familienangehörigen dürfen bei der WM nicht wetten. Das müssen alle Beteiligten unterschreiben. Die Fifa hat in EWS (Early Warning System) eine eigene Firma gegründet, um Unregelmäßigkeiten im Wettverhalten bei Fifa-Wettbewerben zu entdecken.

Faiplay bei WM

Um gegen die zunehmenden Fälle von Rassismus in den Stadien einzuwirken, werden die Spieler bei allen WM-Partien vor dem Anpfiff ein Banner tragen, das die Fans auffordert, den Fairplay-Gedanken zu fördern. Ab dem Viertelfinale sollen zudem die Kapitäne Erklärungen gegen jede Art von Rassismus und Diskriminierung im Fußball verlesen.

Die Schiedsrichter sind aufgefordert, die neuen Regel-Auslegungen strikt anzuwenden (Rot bei Ellbogencheck, bei Fouls von hinten). Blatter: "Ich werde das den Schiedsrichtern persönlich erläutern. Wer sich nicht daran hält, wird degradiert. Wir haben 23 Schiedsrichter und sieben Ersatzleute bei der WM."

Auch in der Doping-Frage sieht der Fifa-Boss Licht am Ende des Tunnels. Nach dem vom Internationalen Sportgerichthof CAS in Lausanne veröffentlichten Gutachten, wonach nur drei von 22 strittigen Punkten als ernsthaft diskussionsbedürftig eingestuft wurden, sieht Blatter eine Einigungsmöglichkeit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und befürchtet nicht, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) den Fußball aus dem olympischen Programm streichen wird.

"Niemand kann uns vorwerfen, nicht gegen Doping vorzugehen"

Blatter: "Wir haben 2005 insgesamt 22 000 Dopingproben durchgeführt - mehr, als jeder andere Verband der Welt. Niemand kann uns vorwerfen, nicht gegen Doping vorzugehen." Hauptstreitpunkt bleibt die Forderung der Wada nach einer automatischen Sperre von zwei Jahren für Doping-Sünder; die Fifa praktiziert die Prüfung des individuellen Falles.

Nach den Vorfällen um Fifa-Exekutiv-Komitee-Mitglied Jack Warner, der WM-Tickets zu überhöhten Preisen exklusiv über ein Reisebüro seiner Familie hat verkaufen lassen, räumt Blatter ein, dass die Ethik-Komission in Zukunft unabhängig sein und von außen kommen muss.

Eine weitere Baustelle für die nahe Zukunft: Die Spielervermittler. Blatter: "In Zürich hat ein Agent einen Spieler entführt und hält ihn jetzt versteckt, um ihn zu verkaufen. Der Spieler hat seinen Trainer anrufen dürfen, um ihm zu sagen, dass er noch lebt - aber er durfte nicht sagen, wo er sich befindet." Selbstkritisch räumte Blatter am Ende des zweistündigen Gedankenaustausches ein: "Vielleicht waren wir bei der Fifa zu naiv. " Und fügte nachdenklich hinzu: "Vielleicht bin ich aber auch der letzte Romantiker des Fußballs."

© SID

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