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Doch noch kein Geständnis im Wettskandal

Im Prozess um den Fußball-Wettskandal wurde nicht, wie zunächst angekündigt, das erste Geständnis verlesen. Vorerst muss geklärt werden, ob es Absprachen mit den Angeklagten gab.

Im Prozess um den größten Wettskandal im europäischen Fußball lässt das angekündigte erste Geständnis noch auf sich warten. Die vorbereitete Aussage des Angeklagten Nürretin G., der von der Staatsanwaltschaft zum Führungskreis der Wettmafia gezählt wird, wurde am fünften Verhandlungstag am Mittwoch vor dem Bochumer Landgericht nicht verlesen. Zunächst muss geklärt werden, ob es im Vorfeld eine Absprache mit der Staatsanwaltschaft über das Strafmaß gab.

"Die Frage ist, ob es eine suggestive Beeinflussung bei den Aussagen gegeben hat", sagte Udo Klaus Duits, Verteidiger des ebenfalls angeklagten Kristian S., der bislang schweigt. So sollen angeblich vier oder fünf Jahre Haft bei einem Geständnis angeboten worden seien. "Wir vermuten, dass es Zusagen gegeben hat, deshalb will man so schnell wie möglich aussagen", erklärte Hans Geisler, Anwalt des Mitbeschuldigten Stevan R., der ebenfalls nicht geständig ist.

"Wir haben mit den Angeklagten ganz offen gesprochen"

Der Vorsitzende Richter Carsten Schwadrat hatte zuvor auf Nachfrage der Verteidigung erklärt, dass es von Seiten des Gerichts keine Absprachen gegeben habe. Staatsanwalt Andreas Bachmann bestätigte indes, dass bei der Haftbefehlverkündung am 22. September derartige Gespräche geführt worden seien: "Wir haben mit den Angeklagten ganz offen gesprochen und erklärt, dass es bei geständiger Einlassung eine entsprechende Strafminderung gibt."

Beim nächsten Verhandlungstermin am 25. November sollen nun zunächst Bachmann sowie die beteiligten Anwälte von Nürretin G. und dem ebenfalls geständigen Tuna A. zu diesem Gespräch befragt werden. Zudem beantragten die Verteidiger von Stevan R. und Kristian S. ihrerseits ein Verständigungsgespräch über das mögliche Strafmaß für ihre Mandanten. Allen vier Angeklagten wird gewerbs- und bandenmäßiger Betrug vorgeworfen.

Damit ist noch unklar, ob das Geständnis von Nürretin G. in der nächsten Woche verlesen werden kann. Der 35-Jährige, der zwischenzeitlich sechs Wettbüros besaß, soll unter anderem die Osnabrücker Profis Marcel Schuon, Thomas Cichon und Bilal Aziz bestochen und hohe Summen auf manipulierte Spiele gesetzt haben. In den Vernehmungen der Polizei hatte er bereits ein umfassendes Geständnis abgelegt. Auch Tuna A., der unter anderem im spektakulären Fall des ehemaligen belgischen Zweitligisten Union Royale Namur eine wichtige Rolle gespielt haben soll, will möglichst beim nächsten Termin aussagen.

"Von einem Schuldeingeständnis kann keine Rede sein"

Stevan R. und Kristian S., deren Anwälte bislang das Verfahren mit allen Mitteln verzögerten, wollen indes vorerst weiter schweigen. "Es gibt zurzeit keine Veranlassung, davon abzuweichen", sagte Anwalt Duits. Dass ein Verständigungsgespräch beantragt sei, heiße nicht, dass bald ein Geständnis folge, betonte Geisler: "Von einem Schuldeingeständnis kann keine Rede sein."

Zuvor hatte es am Mittwoch weitere Verzögerungen gegeben. Die Verteidigung hatte weitere Befangenheitsanträge gestellt, das Gericht alle Gesuche abgewiesen. Für eine weitere Unterbrechung sorgte die Frage, ob Journalisten während der Verhandlung ihre Laptops benutzen dürfen. Richter Schwadrat untersagte zunächst die Benutzung, weil er unerlaubte Aufnahmen und Mitschnitte fürchtete. Nach rund einstündiger Diskussion und Beratung stimmte er doch zu.

Die vier Beschuldigten sollen für die Bestechung von Spielern und Schiedsrichtern 370 000 Euro aufgewendet haben. Insgesamt sollen rund zwei Mill. Euro auf die betroffenen 32 Spiele gesetzt worden sein, die Gewinne sollen sich auf 1,6 Mill. Euro belaufen. Der Prozess ist erst der Auftakt der juristischen Aufarbeitung des Wettskandals. Insgesamt wird gegen mehr als 250 Personen ermittelt. Die Wetteinsätze sollen sich auf rund zwölf Mill. Euro, die erzielten Gewinne auf 7,5 Mill. Euro belaufen haben. Die Höhe der gezahlten Bestechungsgelder beträgt nach Angaben der Ermittler etwa 1,5 Mill. Euro.

© SID

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