Fußball Fifa
Fifa-Präsident Blatter forciert weitere Neuerungen

Fifa-Präsident Joseph S. Blatter will sich "weiter in den Dienst der Fifa und des Fußballs stellen". In den kommenden Jahren könnten dem internationalen Fußball daher weitere einschneidende Veränderungen bevorstehen.

Der 56. Ordentliche Kongress des Fußball-Weltverbandes Fifa im Internationalen Congress Centrum München ICM ist beendet, die Regentschaft von Präsident Joseph S. Blatter geht wahrscheinlich noch bis 2011 weiter. Auf den Tag acht Jahre nach seiner erstmaligen Wahl zum Fifa-Boss, als er am 8. Juni 1998 als achter Präsident in die Annalen der jetzt 102-jährigen Fifa-Historie einging, kündigte er für Mai 2007 auf dem dann in Zürich stattfindenden 57. Kongress wie erwartet seine Kandidatur für eine dritte Amtsperiode an.

"Ich will mich weiter in den Dienst der Fifa und des Fußballs stellen", erklärte der kleine Schweizer, der auch in München erfolgreich an einer Fifa Blatterscher Prägung modellierte. Er will den Weltverband zu einer Art "Vereinte Nationen im Sport" machen und sich selbst ein Denkmal setzen.

Deshalb seine Unterstützungsprogramme für die 207 Fifa-Mitgliedsverbände. Deshalb auch beispielsweise die kurzfristige Zusage an den französischen Außenminister Philippe Douste-Blazy, das Projekt Unitaid bei der WM in Deutschland zu unterstützen, in dem bei der Platzwahl der Ball mit dem Namensaufdruck der karitativen Organisation ins Fernsehbild gerückt wird. Ziel von Unitaid ist es, Medikamente für Aids-kranke Kindern in Afrika zu kaufen.

Vision Friedensnobelpreis

Kritiker Blatters sagen, dass er dies vornehmlich nur deshalb tue, um vielleicht doch irgendwann den Friedensnobelpreis zu bekommen. Aber noch hat der Fifa-Chef einiges vor, er braucht noch vier weitere Jahre, um seine Visionen wie "Fußball für eine bessere Welt" oder "Fußball als Schule des Lebens" zu forcieren.

Die rund 1 000 Delegierten auf dem Kongress in München hatte der Entertainer Blatter einmal mehr überzeugt. Maximal 15 Gegenstimmen gab es bei den Anträgen, die ansonsten wie in diktatorischen Staaten in der Regel 99-prozentige Zustimmung fanden.

An der Wiederwahl Blatters in Zürich, wo 2007 auch das neue Fifa-Haus fertig gestellt sein wird, gibt es keinen Zweifel. Ein potenzieller Gegenkandidat ist weit und breit nicht in Sicht. Der 70-Jährige, seit jetzt 31 Jahren in Diensten des Weltverbandes, hat die turbulenten Zeiten seiner ersten Amtszeit unbeschadet überstanden. Vor der WM 2002 probten zahlreiche Exekutiv-Mitglieder, gespeist mit Interna des damaligen Generalsekretärs und einstigen Blatter-Vertrauten Michel Zen-Ruffinen, den Aufstand. Sie reichten sogar Klage gegen Blatter ein. Der Staatsanwalt verzichtete jedoch auf ein Verfahren, die Revolution fand nicht statt.

Mehr Macht für Exekutivkomitee

Seitdem hat Blatter mit großer Beharrlichkeit die Fifa nach eigenem Gusto umgestaltet. Auf allen wichtigen Posten sitzen Leute seines Vertrauens, und es gelingt ihm immer wieder, den Einfluss des Kongresses, des Parlaments in der Fifa, zurückzudrängen.

Am Donnerstag stimmten die Delegierten mit überwältigender Mehrheit dafür, dem Exekutivkomitee, der Regierung der Fifa, noch mehr Macht zu geben. Dort wird künftig zum Beispiel über die Reduzierung der europäischen Spitzenligen auf einheitlich 18 Mannschaften entschieden, was in England, Spanien, Italien und Frankreich schon zur Saison 2007/2 008 zu einem gravierenden Wandel in den dortigen Spitzenligen führen wird.

"Die brauchen keine Angst zu haben. Die Ligen und Vereine werden glücklich sein, weil sie nämlich vier Spieltermine zusätzlich zur Verfügung haben", schwadronierte Blatter. Auch die Klageflut gegen die Fifa wird wohl künftig abebben, denn der Fifa-Boss hat eine clevere Lösung gefunden, die Frage der Versicherung von Profis, die sich in Länderspielen verletzen, elegant zu lösen. Ist nämlich der nationale Verband nicht in der Lage, den laut Blatter 15-prozentigen Prämienanteil zu tragen, soll der Kontinentalverband und erst in allerletzter Instanz die Fifa in die Bresche springen.

Finanzen vordringliches Thema

"Die Uefa ist reich, die könnte einspringen", verkündete Blatter keck. Ob Lennart Johansson, der Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa), ebenfalls so jubelt, wenn über seinen Kopf hinweg Gelder seiner Konföderation verteilt wird, dürfte fraglich sein.

Allerdings sind es gerade die finanziellen Mittel der Fifa, die vielleicht weitere Begehrlichkeiten wecken. Von 2007 bis 2010 steigen die Einnahmen auf sage und schreibe 2,4 Mrd. Euro. Ein positives Wort zu den Fifa-Finanzen gab es von Blatter auf der abschließenden Pressekonferenz nicht: "Vor vier Jahren waren sie schlecht, jetzt sind sie gut, aber auch das ist für einige wieder schlecht." Er sollte sich aber nicht wundern, wenn der schnöde Mammon in seiner dritten Amtszeit zum größten Problem des Joseph S. Blatter wird.

© SID

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