Fußball Fifa
"Maulkorb" für WM-Schiedsrichter

Die Fifa hat allen Schiedsrichter-Kandidaten für die WM in Südafrika einen "Maulkorb" verpasst. Die Unparteiischen sollen keine Stellungnahmen mehr in der Öffentlichkeit abgeben.

Pfeifen ja, reden nein: Wenn der deutsche Top-Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) in den kommenden Wochen seine Spiele in der Champions League, der WM-Qualifikation und der U17-WM in Nigeria geleitet hat, dann ist nach dem Willen des Fußball-Weltverbands Fifa seine Arbeit jeweils mit dem Schlusspfiff getan. Sagen sollte der 39-Jährige im Anschluss an die Partien besser nichts, wenn er seine Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika nicht gefährden will.

Die Fifa hat allen WM-Kandidaten einen "Maulkorb" verpasst. Für Stellungnahmen in der Öffentlichkeit sollen die Unparteiischen nicht mehr zur Verfügung stehen. Deshalb durfte sich Stark nach dem Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 (0:1) am Samstag nicht äußern. Dieses rigide Vorgehen praktizierte die Fifa bereits bei den zurückliegenden Großveranstaltungen. Auch dort durften die Referees nur bei ausgesuchten Terminen vor und während den Endrunden Stellung beziehen.

"Wir durften schon Monate vor der Weltmeisterschaft keine Äußerungen mehr machen. Das war gang und gäbe vor großen Turnieren", sagte der frühere Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel, der vor der WM 2006 kurzfristig aus dem Schiedsrichter-Aufgebot gestrichen wurde, dem Sport-Informations-Dienst (SID).

DFB hält sich zurück

Wer sich in der Vergangenheit nicht an diese Vorgabe hielt, musste mit Konsequenzen rechnen. Vor allem Fandels damaliger Kollege Markus Merk spürte das am eigenen Leib. Der für seine offene Art geschätzte dreimalige Welt-Schiedsrichter aus Otterbach wurde von der Fifa noch während der WM im eigenen Land abgestraft. Merk durfte damals nach der Vorrunde nicht mehr pfeifen. Zudem wurde dem Pfälzer der erhoffte Einsatz in seiner Geburtsstadt Kaiserslautern verwehrt.

Merk führte daraufhin den offenen Bruch mit der Fifa herbei und beschuldigte den Weltverband, ihm mit der Kasernierung im Schiedsrichter-Quartier in Neu-Isenburg zwei Wochen seines Lebens gestohlen zu haben.

Damit Merks Nachfolgern ein ähnliches Schicksal erspart bleibt, erlaubt sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) keine Kritik an der Fifa. Auch wenn das Vorgehen des Weltverbands im Gegensatz zu den Vorstellungen des Verbands, der die Referees sogar zu öffentlichen Stellungnahmen ermuntert, steht.

"Vonseiten des DFB dürfen sich die Schiedsrichter selbstverständlich zu den Spielen äußern. Wir haben aber keinen Einfluss darauf, welche Anforderungen die Fifa an ihre Schiedsrichter stellt", sagte der für die Unparteiischen zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch (Poing) dem SID.

© SID

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