Fußball
Fifa-Präsident Blatter sichert Macht bis 2011

dpa ZÜRICH. Mit einer perfekten Inszenierung hat Joseph Blatter seine Position als mächtigster Mann des Fußballs gefestigt und sich im Schnellverfahren als Fifa-Präsident bestätigen lassen.

Mit dem in das Exekutivkomitee des Weltverbandes aufgerückten Franz Beckenbauer an seiner Seite kann der seit 1998 regierende Schweizer auch in den kommenden vier Jahren die Geschicke des Fußballs lenken. Zu Beginn seiner dritten Amtszeit hat der 71-Jährige als Herrscher ohne Opposition den Gipfel seiner Funktionärskarriere erreicht. „Es ist mir eine große innere Freude, dass sie mich als Präsident walten lassen. Natürlich bin ich gerührt“, rief Blatter nach seiner Wahl beim 57. Fifa-Kongress den Delegierten in Zürich zu. Als erstes Präsent bekam er von einer Kindertanzgruppe einen Globus überreicht.

Bei dem wie ein großer Parteitag organisierten Blatter-Heimspiel im Zürcher Hallenstadion wurde der Schweizer per Akklamation gewählt und musste ohne Gegenkandidat nicht wie bei den aufreibenden und von Korruptionsvorwürfen begleiteten Machtkämpfen der Jahre 1998 und 2002 um seinen Präsidentenposten bangen. In einer priesterlich anmutenden Rede hatte Blatter vor der Abstimmung seine Ziele für die Zeit bis 2011 umrissen. Große Versprechungen musste der immer wieder mit viel Pathos („Fußball ist Bewegung, Tanz, Magie, Musik“) die „Einheit der Fußball-Familie“ beschwörende Fifa-Boss dabei nicht geben, denn die Zustimmung der Delegierten war ihm ohnehin gewiss.

Stattdessen profilierte sich der von seinen Kritikern als kalter Machtmensch bezeichnete Blatter als soziales Gewissen des Sports und konnte sogar über die bei fast allen Entscheidungen abgegebene eine Nein-Stimme schmunzeln. Bei der Präsidentwahl per Akklamation waren Gegenstimmen im allgemeinen Applaus nicht vernehmbar.

Seinen Arbeitsschwerpunkt will der selbst ernannte „Mittelstürmer“ der Sportfunktionäre künftig auf die gesellschaftliche Verantwortung des Fußballs legen. Eine Strategiekommission soll sich mit den Ergebnissen der aufgelösten Taskforce „For the Good of the Game“ zu wirtschaftlichen, politischen und sportlichen Fragen beschäftigen. „Wir sind am Scheideweg angelangt. Wir müssen die Werte des Fußballs verteidigen, gegen den Teufel im Fußball“, sagte Blatter.

Doping, Rassismus und Korruption nannte er ausdrücklich als zu bekämpfende Übel. Auch die in der so genannten „G14“ organisierten Spitzenvereine bekamen von Blatter eine Warnung. Opposition könne man verschmerzen, aber wer die Fifa durch den Gang vor ordentliche Gerichte angreife, müsse mit Konsequenzen rechnen.

Nahezu im Schatten des Blatter-Festivals wurde Beckenbauer in das Exekutivkomitee aufgenommen. Die Inthronisierung des „Kaisers“ in die so genannte Regierung des Weltfußballs war ein rein formaler Akt. Als Gesandter der Europäischen Fußball-Union (Uefa) war der 61-Jährige schon im Januar für das Amt bestimmt worden. Beckenbauer tritt die Nachfolge Gerhard Mayer-Vorfelders an, der am Mittwoch von Blatter zum Fifa-Ehrenmitglied ernannt worden war.

„Es ist eine große Auszeichnung. Die Fifa-Exekutive ist das höchste Entscheidungsgremium im Weltfußball. Wenn du dort dabei bist, ist das schon ehrenvoll, aber auch sehr verantwortungsvoll“, sagte Beckenbauer, der bei der konstituierenden Sitzung des Gremiums offiziell mit der Leitung der Fußball-Kommission beauftragt werden soll.

Blatter nutzte den Kongress, bei dem Montenegro als 208. Mitglied aufgenommen wurde, zu einer perfekten Selbstdarstellung. Und hatte als gutes Argument auch die wieder gesunden Fifa-Finanzen auf seiner Seite. Der Weltverband hat sich innerhalb von vier Jahren wirtschaftlich saniert. Zum Jahresende 2006 stand ein Eigenkapital von rund 452 Mill. Euro zu Buche. Vier Jahre zuvor hatten die Bilanzen noch ein Minus von etwa 9,1 Mill. Euro ausgewiesen. Allein im WM-Jahr 2006 konnte der Weltverband einen Gewinn von 185 Mill. Euro einfahren, der maßgeblich durch das von Blatter erneut in den höchsten Tönen gelobte Turnier in Deutschland zu Stande kam.

Aus gutem Grund richtete Blatter seinen Blick schon auf die nächste WM, die sein Lebenswerk als Sportfunktionär vollenden soll. Mit energischer Stimme betonte er seinen festen Willen, die WM 2010 trotz aller Probleme bei der Vorbereitung von Südafrika ausrichten zu lassen. „Wir gehen nach Afrika und werden tolle Spiele erleben. Südafrika, Südafrika, Südafrika, wir bleiben dort“, rief Blatter.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%