Fußball Fifa
Regelhüter der Fifa lehnen Chip-Ball ab

Der zur Klärung strittiger Torszenen entwickelte Chip-Ball ist von der Fifa abgelehnt worden. Dagegen sollen künftig zwei zusätzliche Schiedsrichter-Assistenten hinter dem Tor stehen.

Die Regelhüter des Fußball-Weltverbandes Fifa haben am Samstag im schottischen Gleneagles die Diskussionen über technische Hilfsmittel zur Klärung strittiger Torlinien-Situationen beendet. Die Experten versetzten damit dem deutschen Sportartikelhersteller und langjährigen Fifa-Partner Adidas, der einen Chip-Ball entwickelt hatte, einen Dämpfer.

Bei der 122. Zusammenkunft des International Football Asscociation Board (Ifab) wurde dagegen verabschiedet, dass künftig die Spielfeldgröße auf 105x68 Meter bei internationalen Männer-Spielen vereinheitlicht wird.

"Wir hatten das Gefühl, dass uns kein System nur Positives gebracht hätte. Außerdem hätte es der Autorität der Schiedsrichter geschadet. Wir müssen mit Fehlern leben, der Fußball muss sein menschliches Gesicht wahren", kommentierte Fifa-Präsident Joseph S. Blatter.

Damit hat der vom deutschen Sportartikelhersteller und langjährigen Fifa-Partner Adidas entwickelte Chip-Ball ebenso im Fußball keine Zukunft wie das im Tennis bewährte sogenannte Hawk-Eye. "Wir sind alle sehr enttäuscht. Wir wollten die Torlinien-Technologie, aber die Idee ist begraben. Es wird keine weiteren Experimente in dieser Hinsicht geben und auch im nächsten Jahr bei unserem Treffen oder auf absehbare Zeit nicht auf der Tagesordnung stehen", verkündete Brian Barwick, der Geschäftsführer des englischen Verbandes FA, nach der Sitzung im mondänen Hotel Gleneagles.

Schiedsrichter-Assistenten hinter jedem Tor

Stattdessen setzt das Ifab, das für Regelfragen entscheidende Gremium im Weltverband Fifa, in Zukunft auf jeweils einen zusätzlichen Schiedsrichter-Assistenten hinter jedem Tor. Damit sollen unübersichtliche Torszenen aufgelöst und das dreiköpfige Unparteiischen-Gespann (ein Schiedsrichter, zwei Assistenten an den Linien) unterstützt werden. Noch im Laufe dieses Jahres sollen Erfahrungen mit zwei zusätzlichen Torrichtern gesammelt werden.

Laut Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke wird es entweder bei Fifa- oder Turnieren der Europäischen Fußball-Union (Uefa) im Laufe des Jahres entsprechende Tests mit den beiden Torrichtern geben.

Platini begrüßt Entscheidung

Uefa-Präsident Michel Platini hatte sich im Interview mit dem Hamburger Abendblatt ebenfalls für die zusätzlichen Schiedsrichter-Assistenten hinter den Toren eingesetzt: "Ich bin gegen zu viel Technologie, der Fußball soll menschlich bleiben. Aber zwei weitere Schiedsrichter könnten den Hauptschiedsrichter unterstützen, zum Beispiel im Torbereich. Jetzt, mit nur drei Leuten auf dem Platz, haben wir eine Menge Probleme. Sie können nicht alles sehen. Wenn du 34 Kameras rund ums Spielfeld hast, sehen die anderen alles."

Der Chip-Ball von Adidas war noch bei der Klub-WM im vergangenen Dezember in Japan einem Test unterzogen worden. Das neue Spielgerät sollte alle Zweifel beseitigen, ob ein Ball die Torlinie komplett überquert hat oder nicht. Offenbar gab es dennoch Zweifel an der Zuverlässigkeit. Die neue Technologie war erstmals bei der U17-WM 2005 getestet und seither weiterentwickelt worden. Über den Mikrochip und mittels vier Sensoren am Tor sollte die genaue Position des Balls festgestellt und an den Schiedsrichter übermittelt werden.

"Spiel mit menschlichem Antlitz"

David Collins, Generalsekretär des walisischen Verbandes, erklärte: "Der Fußball wird von Menschen gespielt, ein Spiel mit einem menschlichen Antlitz. Wir hatten den Eindruck, dass mehr Technologie den Fluss des Spiels stören könnte." Nicht auf der Tagesordnung stand die von Ex-Fifa-Schiedsrichter Markus Merk (Otterbach) angeregte Einführung eines TV-Videobeweises.

Im International Board sitzen je ein Vertreter aus England, Wales, Schottland und Nordirland sowie vier aus der Fifa. Entscheidungen müssen per Dreiviertelmehrheit abgesegnet werden. Das Ifab wurde 1 886 ins Leben gerufen.

Die britischen Verbände als Erfinder des Fußballs hatten ihren zweiten Beitritt - der erste Austritt erfolgte nach dem ersten Weltkrieg - 1924 davon abhängig gemacht, dass sie die Hoheit über die Fußballregeln behalten. Deshalb sitzen die vier britischen Verbände gleichberechtigt mit der Fifa in der Kommission der Regelwächter.

© SID

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