Fußball
Frankreich will WM-Revanche

dpa PARIS. „Allez les bleus“ oder wieder „Forza Italia“? Zwei Monate nach dem dramatischen WM-Finale in Berlin fordert Frankreich Fußball-Weltmeister Italien beim Gipfeltreffen der EM-Qualifikation zur Revanche.

Auch ohne die Streithähne Zinedine Zidane und Marco Materazzi wird das Stade de France zum Hexenkessel. Der gesperrte Provokateur Materazzi heizte die Stimmung noch an. In der „Gazzetta dello Sport“ plauderte er munter über den finalen Kopfstoß-Eklat und forderte vom französischen Nationalhelden: „Komm Zizou, entschuldige Dich bei mir.“

Einen Tag vor der WM-Revanche verriet Materazzi auch, was er Zidane in Berlin vor dessen Kopfstoß gesagt habe: Als Zidane ihm nach einem heftigen Trikot-Zupfer des Verteidigers von Inter Mailand herablassend erklärte, dass er nach dem Spiel sein Trikot haben dürfe, habe er geantwortet: „Deine Schwester wäre mir lieber.“

Teamkollege Simone Perotta hält die Sperre von zwei Spielen für Materazzi „für ungerecht“ und kündigte an: „Wir spielen für Marco.“ Italiens Mittelfeldkämpfer Gennaro Gattuso zeigte sich vom Rache-Geschrei der französischen Fans unbeeindruckt. „Wir haben keine Angst“, tönte der Mailänder. Dabei steht der Weltmeister und sein neuer Trainer Roberto Donadoni nach dem peinlichen 1:1 gegen Litauen in Paris schon mächtig unter Druck.

Dagegen können die Franzosen nach dem souveränen 3:0-Auswärtssieg in Georgien mit einem Sieg über den Erzrivalen schon früh die Weichen in Richtung EM-Teilnahme 2008 stellen. „Die WM ist vorbei“, kann Stürmerstar Thierry Henry das Gerede von der Revanche für die 4:6- Niederlage nach Elfmeterschießen nicht mehr hören. Nationaltrainer Raymond Domenech hingegen sagte: „Man kann den 9. Juli nicht einfach vergessen. Wir werden das Finale im Kopf haben. Wir sind doppelt motiviert.“ Auch Verteidiger Lilian Thuram sinnt auf Wiedergutmachung. „Wir hätten die WM gewinnen müssen. Wir waren das viel bessere Team“, befand der Abwehrrecke.

Während der Vizeweltmeister vor neuem Selbstvertrauen strotzt, kämpfen die offenbar noch in Titelträumen schwelgenden Italiener schon um den Anschluss in der schweren EM-Gruppe B und der bislang erfolg- und glücklose Lippi-Nachfolger Donadoni sogar schon um seinen Job. Im Stade de France versucht es Donadoni mit dem Berliner-Erfolgssystem: Vor zwei Viererreihen soll Wiederentdeckung Antonio Cassano die Rolle des pausierenden Francesco Totti als offensiver Spielmacher einnehmen. In Neapel war der Stürmer von Real Madrid der einzige Lichtblick.

Gegen den Vize-Weltmeister aber wird Cassano allein nicht reichen, fürchtet die „La Repubblica“, die Italien ohnehin schon auf eine „Riesenblamage“ zusteuern sieht. Kapitän Fabio Cannavaro betont zwar immer wieder, dass Italien nach dem WM-Triumph „längst noch nicht satt“ sei. Dennoch malen sich die Tifosi schon das Horrorszenario einer EM ohne Italien aus. So wie 1984, als der frisch gebackene Weltmeister kläglich in der Qualifikation scheiterte.

Das wieder aufgekochte Duell zwischen Zidane und Materazzi kommt den Azzurri als willkommene Ablenkung von den eigenen Problemen da ganz gelegen. „Ich hätte sechs Monate Zwangsarbeit verrichtet, wenn ich in Frankreich hätte spielen dürfen“, klagte Materazzi. Sein Spruch sei sicher nicht die feine Art gewesen, rechtfertige aber nicht Zidanes Ausraster.

Zidane will mit dem Italiener aber nicht einmal reden, lehnte auch das von einem französischen Fernsehsender geplante Treffen der Kontrahenten ab. Der Superstar scheint unversöhnlich, seine Fans hassen Materazzi: Ein im Internet bestellbares T-Shirt mit Beleidigungen gegen den Italiener fand reißenden Absatz.

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