Fußball
Fußball-WM im Gangster-Paradies?

dpa JOHANNESBURG. Hohe Mauern, Elektrozäune, Stacheldraht, Bewegungsmelder, Wachdienst-Patrouillen: In Südafrika ist das Verbrechen längst Teil des Alltags geworden. Mehr als 39 000 Morde oder Mordversuche pro Jahr, knapp 55 000 gemeldete Vergewaltigungen: Die Bilanz ist erschreckend.

Schlagzeilen über prominente Opfer wie Literatur-Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer, Prinz Harrys Freundin Chelsy Davey, Musiker, Diplomaten und Manager machen auch im Ausland deutlich, was die einfachen Menschen im Lande - ob schwarz oder weiß - tagtäglich erleiden. „Unser Land ist im Belagerungszustand, der Feind kennt kein Pardon“, brachte es die TV-Sendung „3rd degree„ auf den Punkt, die das Verbrechen als „nationale Krise“ wertete.

Nun beginnen erste Fragen nach der Sicherheit der bis zu 400 000 Touristen aufzukommen, die zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika erwartet werden. Mit Blick auf den Weltfußballverband (Fifa) meinte der Geschäftsführer des internationalen Kreditversicherers Coface, Malcolm Guest: „Die Fifa wäre überaus besorgt, wenn sich die Verbrechenssituation und die politische Stabilität verschlimmern würden. Es würde keinen Sinn machen, eine WM in Südafrika abzuhalten, sollte es Risiken für Leib und Leben der Besucher geben.“ In einem Interview der Zeitung „Business Day“ betonte er, dass die anhaltend hohe Kriminalität auch von den internationalen Kreditagenturen schlechtere Noten einbringen könnte.

Selbst im fernen China klagen Politiker darüber, dass die hohe Kriminalitätsrate in dem Kap-Staat wirtschaftliche Investitionen ausbremsen würde. Präsident Thabo Mbeki suchte daher bei einem Krisentreffen mit Wirtschaftsvertretern nach Lösungen. Denn denen brennt seit langem ein ganz besonderes Problem auf den Nägeln: Der geradezu explosionsartige Anstieg bei den Überfällen gut ausgerüsteter Banden auf Geldtransporter. Im Vorjahr schnellte die Zahl bereits um 74 Prozent in die Höhe - und ein Ende des Trends ist gerade im Vorfeld der umsatzstarken Weihnachtszeit kaum abzusehen.

Selbst in der von mehr als 100 Kameras überwachten Innenstadt von Johannesburg - wo das Verbrechen dank der Überwachung vorübergehend sank - zieht die Zahl der Überfälle nun wieder an. Beobachter führen das auf eine zunehmende Dreistigkeit von Gaunern zurück, die oft schwer bewaffnet in Gruppen von bis zu 20 Mann anrücken. Selbst die bisher als sicher geltenden Enklaven der begüterten weißen und schwarzen Südafrikaner - die Einkaufszentren mit Straßen-Cafés, Bars und Restaurants - sind nicht mehr sicher. Im Vorweihnachtsgeschäft schrillen daher die Alarmglocken der Ladenbesitzer.

Dem Ruf nach dem Einsatz von Soldaten hat die Regierung bereits eine abschlägige Antwort erteilt. Ihre Überlegungen, die maximal erlaubte Zeit für das Einsperren von Verdächtigen auf mehr als 48 Stunden auszudehnen und im Gefängnis durch die Begnadigung von leichten Straftätern mehr Platz zu schaffen, stießen dagegen in der Öffentlichkeit auf wenig Gegenliebe. „Die Regierung muss darlegen, dass die Verbrechensrate sinkt; schlichte Erklärungen in der Presse haben in Übersee keine Wirkung“, warnt Coface-Geschäftsführer Guest.

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