Fußball-Geschäft
Die DFL bläst zum Angriff auf den Glückspielstaatsvertrag

Die Deutsche Fußball Liga droht den Ministerpräsidenten: Sollten sie den Markt für Sportwetten nicht weiter öffnen als bislang geplant, will der Ligaveranstalter künftig Lizenzgebühren von Wettanbietern verlangen. Im Visier der DFL steht dabei vor allem das staatliche Wettunternehmen Oddset. Auf den ersten Blick wirken die Pläne absurd. Doch dahinter steckt knallhartes Kalkül.
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FrankfurtGerade einmal zwölf Seiten ist das Dokument lang, mit dem die Deutsche Fußball Liga (DFL) den neuen Glücksspielstaatsvertrag zu Fall bringen möchte. Zu lesen sind darin keine Geheimnisse: Es handelt sich um den Spielplan zur neuen Bundesliga-Saison, der alle Termine der insgesamt 306 Liga-Spiele feinsäuberlich auflistet. Normalerweise gibt dieser Fußball-Kalender nur wenig Grund zur Aufregung: 34 Spieltage, 18 Teams, alle Mannschaften treten jeweils zwei Mal gegeneinander an. So weit, so üblich.

Nur ein einziger Satz bietet erhebliches Konfliktpotenzial - die DFL hat ihn vorsichtshalber gleich auf jede Seite geschrieben: Der Spielplan dürfe nur zu Informations- und Berichterstattungszwecken verwendet werden, jede darüber hinausgehende kommerzielle Nutzung sei ab Januar 2012 nur mit ausdrücklicher Zustimmung erlaubt. Im Klartext: Geht es nach der DFL, werden Glücksspielunternehmen, die Sportwetten auf Bundesliga-Spiele anbieten, Lizenzgebühren bezahlen müssen, weil sie dafür den Spielplan der DFL kommerziell nutzen.

Auf den ersten Blick wirken die Pläne der Liga-Funktionäre absurd: Lange hatte die DFL für eine kontrollierte Öffnung des Sportwettenmarktes gekämpft, eine Lizenzabgabe für Spielpläne würde es für die Wettanbieter nun zusätzlich erschweren, sich legal in Deutschland niederzulassen. Doch wie DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Mittwoch vor Journalisten erklärte, geht es der Liga gar nicht darum, bei den privaten Buchmachern abzukassieren. Stattdessen will Seifert mit der Drohung, Lizenzgebühren zu verlangen, die Ministerpräsidenten unter Druck setzen, die derzeit über eine Neufassung des Glücksspielstaatsvertrages verhandeln: "Wenn die Interessen des Sports dabei ausreichend berücksichtigt werden, sind wir bereit, auf Lizenzgebühren zu verzichten", sagte Seifert.

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  • Die DFL bzw. der organisierte (Profi-) Sport blasen nicht zum Angriff, sondern tröten alte Gesänge. Der Vorstoß zeigt wieder einmal, dass im organisierten (Profi-) Sport nicht Werte wie Fairness, Anstand und Gerechtigkeit sondern Korruption, Machtversessenheit und Mobbing (u.a. gegen verdiente Nationalspieler) zählen. Erst haben sie sich (wie auch einige Politikvertreter auf Sylt) von der ausländischen Wettindustrie hofieren und blenden lassen und die Argumente über DOSB und DFL an die Politik herangetragen und jetzt haben sie rechtzeitig erkannt, oh weh von diesen Anbietern gibt es bei einer Liberalisierung kein bzw. nicht genügend Geld. Schade nur, dass die Ländervertreter und der Breitensport es noch nicht gemerkt haben, dass sie reingelegt wurden. Dabei hätte schon einfaches Steuerrecht und eine gewöhnliche Dreisatzrechnung gereicht, um zu erkennen, dass die Länder nicht ans Geld kommen und die Bundesbürger Haus und Hof verzocken müssten, um bei den geforderten Steuersenkungen auf das derzeitige Niveau zu kommen. Aber Nachdenken und Rechnen ist nun mal zu kompliziert für die Herrenriege. Einfacher ist es, mit gekauften Scheinargumenten der Politik, den Ländern und ODDSET zu drohen. An Scheinheiligkeit und Verlogenheit ist diese Argumentation wohl nicht zu überbieten. Dem organisierten (Profi-) Sport geht es eben um nichts anderes, als mit allen Mitteln neue Geld- bzw. Einnahmequellen zu Lasten der Allgemeinheit (hier Förderung der Spielsucht und –schulden) zu erschließen. Die Karawane zieht eben weiter! Schneller, höher, weiter bis es knallt!

  • Ohne Zweifel handelt es sich bei einem individuell erstellten Spielplan um geistiges Eigentum. wie bei jedem Plan der immer wieder neu erstellt werden muss !

  • es geht doch letztlich nicht nur um den spielplan, der tatsächlich in einem hochkomplexen verfahren zusammengestellt wird sonder vor allem, um live-daten, die die wettanbieter für ihr live-wetten angebot benötigen. da steckt das geld und nicht bei den spielplänen. den spielplan kann sich doch jeder auch woanders holen und muss nicht den dfl-spielplan verwenden...

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