Fußball
Herthas Titel-Sehnsucht geweckt - Gimenez stark

dpa BERLIN. Das „geile Gefühl“, das auch Falko Götz nach dem überraschenden Gipfelsturm übermannte, hat in Berlin lange schlummernde Titel-Sehnsüchte geweckt.

Die Protagonisten von Hertha BSC, Tabellenführer der Fußball-Bundesliga, durften nach dem 2:0 gegen den Erzrivalen Schalke 04 schon einmal auf Probe genießen, wie sich ein Titel-Gewinn nach 76 Jahren Pause anfühlen könnte. Noch 20 Minuten nach Spielende wurden die Profis gefeiert, als ob sie die Schale schon in den Händen hielten.

Die einzigen Meisterschaften der „alten Dame“ datieren bereits aus den Jahren 1930 und 1931. „Das ist eine wunderschöne Momentaufnahme, aber es sind erst vier Spieltage vorbei. „Wir sollten jetzt nicht durchdrehen“, warnte Manager Dieter Hoeneß vor der Gefahr der Selbstgefälligkeit und übersteigerten Erwartungen.

Freiwillig aufgeben aber wollen die Herthaner den Platz an der Sonne natürlich nicht, auch wenn die schweren Verletzungen von Brasiliens WM-Spieler Gilberto (Syndesmoseband) und des türkischen Nationalspielers Yildiray Bastürk (Innenband) die Verteidigung noch schwieriger machen. Spielmacher Bastürk fällt mindestens drei Wochen aus, Gilberto sogar acht Wochen. Zudem wurde Malik Fathi am linken Daumen (Bänderriss) operiert, sein Einsatz ist zumindest in Mainz fraglich. „Ich traue der Mannschaft zu, dass sie das kurzfristig ausgleichen kann. Langfristig ist es natürlich schwierig, beide Spieler sind absolute Leistungsträger“, meinte Hoeneß.

„Der erste Platz gibt Mut und Selbstvertrauen, das schweißt zusammen“, bemerkte Hoeneß in dem Wissen, dass die Tabellen-Höhenluft in der Hauptstadt etwas sehr Seltenes ist. Erst das neunte Mal seit dem Bundesliga-Start steht Hertha ganz oben, zuletzt vor fast sechs Jahren. „Das ist sensationell“, jubelte Neuzugang Christian Gimenez (31), der maßgeblich für das neue Wir-Gefühl verantwortlich zeichnet. Doppelpack gegen Schalke, vier Treffer in drei Spielen - „Christian weiß, wo das Tor steht“, sagt Hoeneß über die Leihgabe aus Marseille. Der Argentinier Gimenez schlägt ein - auch ein neues Gefühl für Berliner Stürmer-Einkäufe.

Gimenez steht mit für die Berliner Philosophie. Mit einer Mischung aus eigenen Talenten wie Malik Fathi, Kevin Boateng oder Patrick Ebert und ein paar internationalen Schnäppchen kämpft Hertha gegen finanziell weit risikofreudigere Clubs wie Schalke oder Hamburg an. Die Personalkosten hat der Verein, den rund 49 Mill. Euro Schulden drücken, auf 25 Mill. Euro gesenkt - fast 15 Mill. weniger, als die Schalker für ihr kickendes Personal ausgeben. Dazu kommt ein offensiver Stil, der durchaus an die mutige WM-Mission von Jürgen Klinsmann erinnert.

Wie der ehemalige Bundestrainer Klinsmann bei der Nationalelf predigt auch Götz bei Hertha den Teamgeist als entscheidende Komponente. Selbst Akteure wie Marko Pantelic, dem auf früheren Karriere-Stationen Egoismus unterstellt wurde, oder eben Gimenez ordnen sich ein. „Wenn es den Teamspieler gibt, dann ist es Christian Gimenez“, lobte Hoeneß, der seinen oft kritisierten Kurs bestätigt sieht.

Nun hoffen die Verantwortlichen, dass auch die anspruchsvollen Hertha-Anhänger umdenken. „Der eine oder andere könnte sich erinnern, dass man Hertha nicht nur im Fernsehen sehen sollte, sondern im Stadion“, betonte der Manager. Selbst das „Spiel des Jahres“ gegen Schalke war mit 60 547 Zuschauern nicht ausverkauft, das Uefa-Cup-Spiel gegen Odense (2:2) hatten sogar nur 12 814 gesehen.

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