Fußball
HSV fühlt sich gegen Arsenal als moralischer Sieger

dpa HAMBURG. Es sollte das Spiel seines Lebens werden, doch es wurde für ihn zur Hölle. Torwart Sascha Kirschstein vom Hamburger SV lief nach der mit 1:2 (0:1) verlorenen Champions-League-Partie gegen den FC Arsenal wie ein Häufchen Elend durch die Stadion-Katakomben.

„Es war doch für mich das Spiel der Spiele“, stammelte er mit apathischem Blick und seine rotunterlaufenen Augen sprachen Bände. „Für mich ist die Welt untergegangen. Ich habe nur noch geheult.“ Seine angebliche Notbremse gegen den Niederländer Robin van Persie brachte Kirschstein nicht nur die Rote Karte und dem HSV ein Elfmeter-Gegentor ein, es besiegelte schon in der zehnten Spielminute den Fehlstart der Hamburger bei ihrem Comeback in der Fußball-Königsklasse.

Trost kam vom Kollegen Jens Lehmann. „Die Regel ist natürlich Quatsch. Sascha ging klar zum Ball, nicht zum Mann. Da ist eine Rote Karte völlig fehl am Platze. Die Mannschaft wird mit einem Elfmeter bestraft, und das reicht“, sagte der deutsche Nationaltorwart in Diensten der „Gunners“, der nur zu gut weiß, wovon er spricht. Ausgerechnet im Finale der Champions League gegen den FC Barcelona (1:2) vier Monate zuvor musste er die gleiche leidvolle Erfahrung machen, nachdem er Stürmerstar Eto'o schon nach 18 Minuten von den Beinen geholt hatte. Arsenal-Coach Arsene Wenger schlug in die gleiche Kerbe: „Rot war zu hart. Im Strafraum muss man Verständnis haben für den Torhüter.“

Kirschstein, der von der Uefa für ein Spiel gesperrt wurde und damit nur am 26. September in der Partie bei Zska Moskau fehlt, muss allmählich an Verschwörungstheorien glauben. Beim peinlichen Pokal-Aus gegen die Stuttgarter Kickers (3:4) vier Tage zuvor war ihm ein grober Schnitzer zum 0:2 unterlaufen, von dem er sich knapp erholt hatte. Der bitterböse Nachschlag in der Champions League reißt ihn nun abermals ins Jammertal. Trainer Thomas Doll bricht aber nicht den Stab über den 26 Jahre alten Schlussmann, der vor einem Jahr noch in der Regionalliga zwischen den Pfosten stand. „Ich habe ihm gesagt: Kopf hoch“, berichtete der Coach.

Letztlich fühlten sich die Hamburger auf Grund der unglücklichen Entscheidung des Unparteiischen aus Schweden (Doll: „Ich habe mich beim Schiedsrichter bedankt fürs Spiel“) als moralischer Sieger. „Mit elf Mann hätten wir das Spiel nicht verloren“, lautete die Bilanz des Trainers, der nun schon seit sieben Pflichtspielen dieser Saison auf einen Sieg wartet (5 Unentschieden, zwei Niederlagen). „Wir durchlaufen gerade ein kleines Tal. Es ist für uns aber auch eine Chance, da gestärkt wieder rauszukommen.“ Die „Art und Weise“ des Auftritts seiner Mannschaft, die nicht auseinander gebrochen sei, stimmt den 40 Jahre alten Fußball-Lehrer zuversichtlich. „Wir haben gezeigt, dass wir mit einer Weltklassemannschaft mithalten können.“

Auch Vorjahresfinalist Arsenal schmeichelte dem Rivalen. „Der HSV ist physisch sehr gut und gefährlich bei Ecken und Freistößen. Sie haben sehr gute Chancen, in der Champions League weiterzukommen“, befand Trainer Wenger. Lehmann würdigte die Hamburger als „überraschend stark“. Bei so viel Lob konnte auch der HSV-Vorsitzende Bernd Hoffmann seinen Frust leichter unterdrücken: „Das Ergebnis wirft die Mannschaft ein Stück zurück, aber es wirft uns nicht um. Unterm Strich bin ich optimistisch.“

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