Fußball International
Angloma führt Guadeloupe ins Gold-Cup-Halbfinale

Mit Ex-Profi Jocelyn Angloma als Führungsspieler hat die französiche Karibikinsel Guadeloupe beim Gold-Cup, der Meisterschaft Nord- und Mittelamerikas sowie der Karibik, überraschend den Einzug ins Halbfinale geschafft.

Mit 41 hat der gewöhnliche Fußball-Profi seine Karriere längst beendet. Das galt auch für Jocelyn Angloma, ehe der ehemalige französische Nationalspieler vor wenigen Monaten seine Stollenschuhe vom Nagel nahm und seine Heimat Guadeloupe über Platz vier beim Karibik-Pokal zum Gold-Cup führte. Das französische Übersee-Departement ist bei den Titelkämpfen Nord- und Mittelamerikas sowie der Karibik in den USA das Überraschungsteam - und steht nach dem 2:1 (2:0) gegen Honduras überraschend im Halbfinale.

Mexiko als Halbfinalgegner

Dort wartet am Donnerstag die Fußball-Großmacht Mexiko (1:0 n.V. gegen Costa Rica), doch Angloma traut seinen Jungs auch gegen den Rekordsieger einen Coup zu. "Wir sind schon jetzt sehr zufrieden mit dem, was wir erreicht haben. Aber nun hoffen wir auch auf das Finale", sagt der Routinier.

Angloma brachte Guadeloupe in Houston nach 17 Minuten in Führung. Zwei Minuten später erhöhte Richard Socrier für das Team von der französischen Karibik-Insel vorentscheidend auf 2:0. Honduras kam 20 Minuten vor dem Abpfiff durch Carlos Pavon lediglich noch zum Anschlusstreffer.

Der viermalige Gold-Cup-Sieger Mexiko tat sich gegen Costa Rica ausgesprochen schwer, obwohl Deutschlands Auftaktgegner bei der WM im vergangenen Jahr schon vor der Pause durch einen Rote Karte gegen Allan Aleman frühzeitig dezimiert worden war.

Trotz Unterzahl zwang Costa Rica die Mannschaft von Mexikos Idol Hugo Sanchez in die Verlängerung, ehe Torjäger Jared Borgetti die "Azteken" erlöste. Costa Ricas Bemühungen um den Ausgleich machten die weiteren Platzverweise gegen Alvaro Soborio kurz nach dem Rückstand und Mario Camacho in der Schlussmiute der Verlängerung zunichte.

Märchenhafter Siegeszug

Der Siegeszug der karibischen Inselgruppe hält jeden Vergleich mit den Märchen der Gebrüder Grimm stand. Weil das Eiland und seine etwa 400 000 Einwohner zu Frankreich gehören, ist Guadeloupe kein eigenständiges Fifa-Mitglied - was Anglomas Mitwirken erlaubt. Die erste Teilnahme am Gold-Cup wurde durch Erfolge beim Regionalturnier der Karibik möglich. Dort war für Angloma und Co. erst im Halbfinale gegen den späteren Sieger Haiti Endstation.

Angloma ist der Vater des Erfolges. 1993 gewann er mit Rudi Völler und Olympique Marseille die Champions League, 2000 und 2001 gehörte er dem Finalteam des FC Valencia an, das sich gegen Real Madrid und dann gegen Bayern München geschlagen geben musste. 37 Länderspiele hat er für Frankreich bestritten, 1992 und 1996 war er mit der Equipe Tricolore bei der EM.

Seine Erfahrung bringt der gelernte Rechtsverteidiger, der 2002 seine Profikarriere beendet hatte, nun für sein Geburtsland ein - im Mittelfeld. "Ich ziehe eine Menge Aufmerksamkeit auf mich und nehme etwas Druck von den jungen Spielern", sagt Angloma, der der Star in einem Team ist, das bis auf fünf Ausnahmen aus Spielern aus unteren französischen Ligen besteht und von den Gegnern unterschätzt wurde.

Zum Auftakt gelang ein überraschendes 1:1 gegen Haiti, ehe das Team zum ganz großen Coup ausholte und Kanada 2:1 bezwang. Angloma leitete die Sensation mit einem Traumtor - einem Heber aus 32 Metern - ein, und er war es auch, der im Viertelfinale gegen Honduras die 1:0-Führung besorgte.

Berühmte Landsleute

"Das ist alles eine ganz besondere Sache für uns. Ich bin sehr glücklich, dass wir hier gezeigt haben, was wir drauf haben", sagt Angloma. Dass Guadeloupe ein Reservoir für Klassekicker ist, weiß die breitere Öffentlichkeit spätestens seit der WM 2006. In Thierry Henry, Lilian Thuram, Louis Saha, Pascal Chimbonda, William Gallas, Sylvain Wiltord und Mikael Silvestre standen gleich sieben Kicker von der Inselgruppe im Aufgebot von Vize-Weltmeister Frankreich.

"Wir lieben den Fußball und verfügen über eine gute Technik. Auf der Insel gibt es keine guten Strukturen, aber eine Menge guter Spieler", sagt Angloma. Viele Talente verlassen ihre Heimat, um in Frankreich Profi zu werden. Einer ist zurückgekehrt, um Guadeloupe noch bekannter zu machen. Am Donnerstag will Jocelyn Angloma auch Mexiko spüren lassen, was man mit 41 noch alles leisten kann.

© SID

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