Fußball International
Beckenbauer: Klinsmann der Richtige für England

Das Aus der "Three Lions" bei der EM-Qualifikation zieht weite Kreise. Wirtschaftsexperten befürchten Mrd.-Verluste als Folge. Franz Beckenbauer sieht in Jürgen Klinsmann den perfekten Teammanager für England.

Nach der desaströsen Pleite der Engländer bei der EM-Qualifikation hat die Debatte um die Suche nach einem neuen Teammanager und die wirtschaftlichen Folgen das Fußball-Mutterland fest im Griff. Geht es nach Franz Beckenbauer, liegt die sportliche Lösung auf der Hand. Er empfiehlt den ehemaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann für die Nachfolge des nach dem fatalen 2:3 gegen Kroatien am Donnerstag gefeuerten Steve Mcclaren. "Für ihn wäre der England-Job ideal. Und für England wohl auch", sagte der "Kaiser" in der Bild-Zeitung.

Klinsmann sei ein Mann, der klare Vorstellungen habe und diese auch gegen Widerstände durchsetze, so Beckenbauer. Klinsmann selbst sagte zu den Spekulationen um seine Person gegenüber sport1.de: "Dass solche Gerüchte hochkochen, damit muss und kann ich leben." Er werde jedoch nur wieder ins Trainergeschäft einsteigen, wenn die "Voraussetzungen stimmen".

Gerüchteküche brodelt

Klinsmann befindet sich in der Gerüchteküche in prominentester Gesellschaft. Nicht weniger als zwölf Kandidaten wurden in verschiedenen Medien genannt und bewertet. Als heißer Anwärter gilt der ehemalige Chelsea-Manager Jose Mourinho. Desweiteren wurden unter anderem Luis Fabio Capello (ohne Job), Felipe Scolari (Portugal), Guus Hiddink (Russland), Rafael Benitez (FC Liverpool) oder auch Arsene Wenger (FC Arsenal) genannt.

Die Times analysierte die Eigenschaften von Klinsmann, einstiger England-Legionär bei Tottenham Hotspur, und bewertete als positive Attribute "außerordentliche Führungsqualitäten, die wegen seines selbstbewussten und energiegeladenen Auftretens frischen Wind in das Team bringen würden". Zudem habe er "ein mittelmäßiges deutsches Team mit herzerfrischendem Offensiv-Fußball bei der WM 2006 ins Halbfinale geführt". Klinsmanns Nachteil: Er werde wegen Familie und geschäftlicher Interessen seinen Wohnsitz in Kalifornien nicht aufgeben. Die Quote liegt laut Times bei 25:1.

Starke Persönlichkeit gesucht

Laut Sir Bobby Charlton, englischer Weltmeister von 1966, brauche England zukünftig eine starke Persönlichkeit als neuen Teammanager. "England braucht einen starken Manager, der das Team auch kurzfristig aus der Krise führen kann und die Grundlagen des Fußballs lebhaft vermittelt. Im Idealfall wäre es ein Engländer. Die Realität zeigt uns aber, dass es im Moment keinen solchen Kandidaten gibt, der diesen Anforderungen genügt", sagte Charlton im Independent.

Die Qualitäten würde zweifelsohne Marcello Lippi mitbringen, der seit dem WM-Triumph mit Italien 2006 als TV-Kommentator tätig ist und auch grundsätzlich Interesse an dem Job zeigt. Nach einem Bericht der italienischen Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport erklärte sich der 59-jährige bereit, das Amt bei den "Three Lions" zu übernehmen. Er glaube jedoch nicht, ein Angebot vom englischen Verband zu erhalten. "Ich habe keinen Anruf bekommen. Sollte er kommen, werden wir sehen. Ich glaube aber nicht, dass es geschehen wird, da ich immer Angebote aus England abgelehnt habe", sagte Lippi, der zuletzt Birmingham City absagte.

Auch Beckham sieht Mangel an englischen Kandidaten

Der ehemalige Kapitän David Beckham sieht ebenfalls einen Mangel an englischen Kandidaten, "die nicht schon einen Job haben. Aber es gibt einige talentierte Trainer im Ausland", sagte der Mittelfeldstar vom MLS-Klub Los Angeles Galaxy.

Als heißester britischer Kandidat galt neben dem ehemaligen Stürmerstar Alan Shearer der frühere Teammanager von Celtic Glasgow, Martin O'Neill. Doch der Nordire gab dem Verband am Freitagnachmittag einen Korb. "Es ist ohne Frage ein fantastischer Job, aber ich bin Aston Villa verpflichtet", sagte O'Neill, der seinen Vertrag in Birmingham erfüllen will.

Wirtschaftliches Desaster

Die Pleite von England in der EM-Qualifikation hat nicht nur sportliche Folgen. Welch enorme Auswirkungen die verpasste Teilnahme an der Endrunde 2008 in Österreich und der Schweiz birgt, skizzierten Experten zwei Tage nach dem 2:3 gegen Kroatien. Sie bezifferten in ersten Schätzungen den wirtschaftlichen Schaden allein für die Sportartikelindustrie auf drei Mrd. Euro.

Noch bedenklicher ist allerdings die Bewertung von Wissenschaftler Simon Chadwick. Für den Wirtschaftsprofessor seien nicht nur die ökonomischen Verluste das Problem, vielmehr wirke sich der Misserfolg psychisch negativ aus. Engländer würden produktiver arbeiten, wenn die Nationalmannschaft erfolgreich spiele. Banal wirkt da die Tatsache, dass England in der neuen Weltrangliste der Fifa um einen Platz abgerutscht ist und bei der Auslosung für die Qualifikations-Gruppen zur WM-Endrunde 2010 aller Voraussicht nach in Topf zwei landet.

© SID

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