Fußball International
Carlos Dunga neuer Nationaltrainer Brasiliens

Rekordweltmeister Brasilien hat einen neuen Nationaltrainer gefunden. Der frühere Stuttgarter Bundesliga-Profi Carlos Dunga übernimmt das nach dem Rücktritt von Carlos Alberto Parreira vakante Traineramt der "Selecao".

Nach nur kurzer Suche hat Rekordweltmeister Brasilien einen neuen Nationaltrainer gefunden. Der ehemalige Stuttgarter Bundesliga-Profi Carlos Dunga übernimmt das Amt bei den Südamerikanern. Dies gab der brasilianische Verband CBF am Montagabend bekannt. Dunga, Weltmeister 1994 und Kapitän der "Selecao" bei der Niederlage im WM-Finale gegen Frankreich 1998 (0:3), hatte zuvor in einem zweistündigen Gespräch mit Verbandspräsident Ricardo Teixeira sein Konzept vorgestellt. Fest steht: Die Zeiten der Star-Allüren und des Zauberfußballs ohne vorzeigbares Ergebnis sind vorbei, Teamgeist und Siegeswillen sollen wieder Einzug in die Selecao halten.

"Unsere Generation hat gezeigt, wie man eine WM gewinnt. Talent allein reicht nicht, Siegeswillen und Hingabe dürfen nicht zu kurz kommen", sagte der 42-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Carlos Caetano Bledorn Verri heißt. Knapp vier Wochen nach dem WM-K.o. im Viertelfinale gegen Frankreich (0:1) will Dunga nun "den Umbau stufenweise vorantreiben".

Torjäger Ronaldo lobt neuen Coach

Als erster der alten Riege kommentierte Ronaldo die überraschende Wahl Dungas zum Nachfolger des am vergangenen Mittwoch zurückgetretenen Carlos Alberto Parreira. "Er ist eine gefestigte Persönlichkeit, ein Sieger, der harte Kritiken überstanden hat und heute als Symbol für Einsatz und Entschlossenheit gilt", lobte der WM-Rekordtorjäger seinen neuen Chef, der schon beim WM-Triumph 1994 und im verlorenen WM-Finale von 1998 als Kapitän zumindest auf dem Platz sein "Vorgesetzter" war.

Abwehrspieler Lucio von Bayern München verglich Dunga, mit dem er noch selbst auf dem Platz gestanden hatte, vom Temperament her sogar mit Luiz Felipe Scolari: "Dunga ist immer motiviert, er will immer gewinnen."

Erste Wahl von CBF-Präsident Ricardo Teixeira war eigentlich Luiz Felipe Scolari gewesen, der Brasilien 2002 zum Titelgewinn geführt hatte. Aber nach Platz vier bei der WM band sich "Felipao" für weitere zwei Jahre an Portugal. Die Kandidaten Vanderlei Luxemburgo (FC Santos) und Paulo Autuori (Kashima Antlers/Japan) hätten aus ihren Klubverträgen herausgekauft werden müssen und sind sicherlich für Teixeira auch nicht so pflegeleicht.

Entsprechend übertrug der fünfmalige WM-Champion als nächste große Fußballnation nach Deutschland (Klinsmann), den Niederlanden (Marco van Basten) und Italien (Roberto Donadoni) die Verantwortung an ein Spieler-Idol, das auf dem Trainerstuhl noch unbeschlagen ist.

"Ein Trainer, der alle mitreißt"

"Die Wahl Dungas erfüllt den Wunsch der brasilianischen Fans, die einen Trainer haben wollen, der alle mitreißt", begründete der CBF-Boss am Montag nach einer zweistündigen Verhandlung seine Entscheidung. Teixeira hatte nach dem WM-K.o. vor allem die fehlenden Emotionen bei Trainer und Spieler kritisiert. Dennoch wird in Brasilien bereits spekuliert, dass Dunga bis 2008 nur Platzhalter für den dann frei werdenden Scolari ist.

Als erste Amtshandlung wird der frühere VfB-Profi (1993-1 995) am 1. August den Kader für das Länderspiel gegen Norwegen in Oslo (16. August) benennen. Zuvor will Dunga vor Ort die Form der Europa-Legionäre überprüfen. Die ersten Pflichtaufgaben stehen erst 2007 mit der Copa America und dem Start der "Eliminatorias" für die WM 2010 auf dem Programm.

Vertragslänge und Co-Trainer noch unbekannt

Vertragslänge und Namen der Co-Trainer will der CBF erst in den nächsten Tagen bekannt geben. Auf jeden Fall soll der Kontakt zum 94er-Weltmeister und heutigen Junioren-Koordinator Branco intensiviert werden. Derweil ist sich der Ex-Bundesliga-Profi und ehemalige Nationalteam-Kollege Jorginho sicher: "Dungas Stil fehlte der Selecao bei der WM."

Auch sein damaliger VfB-Coach Jürgen Röber ist sich sicher, dass Dunga der richtige Mann ist: "Ich glaube, dass Carlos sich durchsetzen wird. Er war nicht nur auf dem Feld ein großer Stratege. Er ist ein zu allen Seiten offener Mensch mit einem tollen Charakter."

© SID

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