Fußball International
Ganz Argentinien feiert mit Maradona

Dass zwischen Genie und Wahnsinn der Grat sehr schmal sein kann, ist seit Diego Maradona bekannt. Heute feiert die argentinische Fußball-Legende seinen 50. Geburtstag.

Dank seiner fußballerischen Brillanz wird Diego Maradona in Argentinien wie ein Gott verehrt, doch als normaler Sterblicher musste die "Hand Gottes" den Ruhm oft teuer bezahlen. Dem WM-Titel, gewonnenen Meisterschaften und den Geniestreichen auf dem Platz stehen Drogen-, Steuer-, und Gewichtsprobleme gegenüber.

Heute feiert die legendäre Nummer zehn ihren 50. Geburtstag - und mit ihm das ganze Land. "Diego bietet den Argentiniern einen Ausweg aus ihrer kollektiven Frustration, und deshalb ist er zu einem lebenden Mythos geworden", erklärt Jorge Valdano den Heldenstatus seines ehemaligen Kapitäns. Beide holten 1986 die WM-Krone zum zweiten Mal nach Argentinien.

Obwohl seine sportlichen Erfolge immer wieder von großen Enttäuschungen auf und neben dem Platz begleitet waren, kam für ihn Aufgeben nie infrage. Auch von dem bitteren Viertelfinal-Aus bei der Fußball-WM in Südafrika der von ihm trainierten Argentinier gegen Deutschland (0:4) will sich Maradona nicht unterkriegen lassen. "Ich komme von einem schlimmen Schlag zurück. Doch ich bin wieder intakt und bereit für neue Herausforderungen", meinte Argentiniens Idol, der fest an eine Rückkehr ins Amt des argentinischen Nationaltrainers glaubt: "Ich weiß, dass ich zurückkehren werde. Denn das Thermometer sind die Leute auf der Straße. Und die sagen, dass ich wiederkommen soll." Nach der WM-Endrunde ging man getrennte Wege.

Leben auf der Überholspur

Maradona war in seinem bewegten Leben immer auf der Suche nach dem nächsten Kick. In seiner Kindheit war das auf den Bolzplätzen von Villa Fiorita am Stadtrand von Buenos Aires. Mit zunehmendem Alter kam aber auch das so berühmte La Dolce Vita dazu, er befand sich immer mehr in Bars, auf Partys oder in schlechter Gesellschaft. Den Weg zu sich selbst hatte der beste argentinische Fußballer aller Zeiten nach seiner Karriere fast völlig aus den Augen verloren.

In seiner glanzvollen Laufbahn avancierte er zum Helden, zur Ikone, zum Vorbild. Den Zenit seines Könnens hatte er beim WM-Triumph 1986 in Mexiko (3:2 gegen Deutschland) erreicht. Die Gegner umkurvte er wie Slalomstangen, den Torhütern jagte er Angst und Schrecken ein - auch Englands Peter Shilton mit seinem legendären Hand-Tor im Viertelfinale. Während die Sportwelt empört auf die Unsportlichkeit reagierte, war es für Maradona schlicht die "Hand Gottes".

Auch in Neapel wurde er wie ein König verehrt. Seine Meisterschaften mit dem SSC (1987 und 1990), der Uefa-Cup-Erfolg gegen den VfB Stuttgart (1989) und der Pokalsieg (1987) verschafften ihm Heldenstatus.

Heute feiern die Neapolitaner ihren "Dieguito" mit einer Riesenparty auf der Piazza del Plebiscito. Auf einer Leinwand sollen die wichtigsten Etappen von Maradonas Karriere gezeigt werden. Enthüllt wird außerdem eine Maradona-Statue des Künstlers Claudio Cuomo.

Neapel muss ohne Maradona feiern

Maradona wird allerdings nicht wie geplant seinen Ehrentag in Neapel feiern. Er verzichtet wegen seiner Probleme mit den italienischen Steuerbehörden auf die Rückkehr in seine ehemalige Wahlheimat. Nach Medienangaben soll Maradona dem italienischen Finanzamt noch 37 Mill. Euro schulden. Bei früheren Besuchen hatten die Behörden bereits Geld oder Wertgegenstände des Weltstars beschlagnahmt.

Das dunkelste Kapitel seines Lebens handelt aber von seiner Drogensucht, zweimal hätte er den Kampf gegen den Tod fast verloren. Im Januar 2000 und im April 2004 kamen Herz und Kreislauf unter dem Einfluss von Rauschgift fast zum Stillstand.

Sportlich hatte er auch Rückschläge zu verkraften. Bei vier WM-Turnieren blieb es für Maradona nur beim Titel in Mexiko 1986. Sein Debüt 1982 in Spanien endete im Spiel gegen Brasilien mit einer Roten Karte. In Italien wütete und weinte Maradona 1990 nach dem verlorenen Endspiel gegen Deutschland (0:1). 1994 in den USA endete seine "Seleccion"-Karriere nach einem positiven Test auf den Appetitzügler Ephedrin. Kokainspuren in der Dopingprobe hatten drei Jahre zuvor schon sein Gastspiel in Neapel beendet.

© SID

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