Fußball International
Klinsmann-Absage nach fehlenden Zugeständnissen

Die Verpflichtung von Jürgen Klinsmann für den Posten des US-Nationaltrainers ist offenbar an den fehlenden Zugeständnissen des Verbandes gescheitert. "Es war eine Frage von Autorität und Kontrolle", so ein Funktionär.

Der Traum, mit Jürgen Klinsmann als neuem Nationaltrainer in den Pfaden des erfolgreichen Auftretens der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2006 zu wandern, ist für die USA geplatzt. "Es war zu schön, um wahr zu sein", titelte der US-Sportkanal Espn, nachdem der frühere Bundestrainer abgelehnt hatte, das Nationalteam der USA zu trainieren. Anstelle des schwäbischen Sonnyboys wird nun wohl Bob Bradley, international ein Nobody, die Vereinigten Staaten im kommenden Jahr zum Gold Cup und der Copa America führen.

Am Donnerstagabend hatte Klinsmann die Nachrichtenagentur AP per E-Mail über den Entschluss informiert. Er habe die Verhandlungen mit US-Soccer-Präsident Sunil Gulati abgeschlossen, schrieb er. Und dann: "Ich stehe als Trainer nicht zur Verfügung." Details über die Verhandlungen wolle er nicht nennen, ergänzte der 42-Jährige: "Aber ich wünsche dem nächsten Coach der US-Nationalmannschaft viel Erfolg und möchte mich bei Sunil dafür bedanken, dass wir unsere Ideen austauschen durften." Am Freitag präsentierte der Verband Ussf Bradley offiziell als Interimstrainer.

Die amerikanischen Medien spekulieren derweil über die Gründe für Klinsmanns Absage. Am Geld scheint es nicht gelegen zu haben. "Finanziell waren sie sich prinzipiell einig", zitierte die New York Times einen Verbandsoffiziellen, der anonym bleiben wollte. "Es war eine Frage von Autorität und Kontrolle", ergänzte der Funktionär.

Finanziell herrschte "prinzipiell Einigkeit"

Klinsmann wollte offenbar ähnlich wie bei seiner Einstellung beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) 2004 sein eigenes Team um sich scharen und ohne Einmischung des Verbandes entscheiden können. Gulati war zu so weitreichenden Zugeständnissen aber nicht bereit.

Dass Klinsmann ein anderes seiner zahlreichen Angebote vorgezogen haben könnte, schloss dessen Berater Roland Eitel aus. "Es gibt keinen Plan B", sagte er der Netzeitung. Die Gespräche zwischen Klinsmann und Gulati wollte er ansonsten nicht weiter kommentieren. Nur so viel verriet er noch: Man sei nicht im Streit auseinander gegangen. "Um Gottes Willen, nein. Wir sind nicht zueinander gekommen, das ist normal." Auch Gulati kartete nicht nach: "Wir haben in fast allen Punkten Einigkeit erzielt. Aber man muss eben in allen Punkten Einigkeit erzielen. Doch ich bereue es nicht, es versucht zu haben."

Als mögliche Ersatzkandidaten für Klinsmann beziehungsweise den Interimstrainer Bradley sind neben dem ehemaligen argentinischen Nationaltrainer Jose Pekerman der einstige englische Teammanager Sven-Göran Eriksson, der Franzose Gerard Houllier (früher Olympique Lyon) sowie Carlos Queiroz (Assistent bei Manchester United) im Gespräch. Bruce Arena war nach dem enttäuschenden Abschneiden bei der WM (ein Remis, zwei Niederlagen) ebenso zurückgetreten wie Klinsmann nach Platz drei bei der Endrunde mit dem DFB-Team.

USA starten gegen Dänemark in Länderspielsaison 2007

Das erste Länderspiel der Amerikaner nach der WM steht am 20. Januar 2007 in Carson bei Los Angeles gegen Dänemark an. Beim Gold Cup, der Nord- und Mittelamerika-Meisterschaft, müssen die USA vom 6. bis 24. Juni 2007 ihren Titel in sechs US-Städten verteidigen, ehe sie als eingeladenes Team vom 26. Juni bis 15. Juli bei der Südamerika-Meisterschaft antreten.

Insider schließen nicht aus, dass Bradley dann noch auf der Bank sitzen könnte. Als Coach der Olympia-Auswahl und früherer Assistent von Arena kennt Bradley den amerikanischen Fußball gut. Seinen größten Erfolg feierte er als Meister-Trainer bei Chicago Fire 1998. In der vergangenen Saison führte er die Verlierertruppe Chivas USA in die Play-offs. Und: Auch Steve Sampson wurde 1995 als Übergangstrainer engagiert - und blieb dann bis zur WM 1998.

Das Fachblatt Soccer America ätzte bereits: "Wenn er (Bradley) seinen Job gut macht, wird man sich bald nicht mehr fragen: Jürgen, wann? Sondern: Jürgen wer?"

© SID

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