Fußball International
Platini nimmt G14 in die Kritik

Michel Platini hat den Zusammenschluss der 18 einflussreichsten Klubs Europas, die G14, scharf kritisiert. "Sie sehen den Sport nur als Mittel, um noch mehr Geld zu scheffeln", sagte der französische Ex-Nationalspieler.

Am Rande der Exekutivsitzung der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in Budapest hat der französische Ex-Nationalspieler Michel Platini harsche Kritik am Zusammenschluss der 18 einflussreichsten Klubs in Europa, der G14, geübt. "Die großen Vereine wollen immer mehr Geld. Sie sehen den Sport nur als Mittel, um noch mehr Geld zu scheffeln. Diese Philosophie vertreten wir nicht", erklärte der Europameister von 1984, der neben WM-OK-Chef Franz Beckenbauer ein Kandidat für die Nachfolge von Uefa-Präsident Lennart Johansson ist.

Der einstige Mittelfeldstar kritisierte damit die G14, zu der auch der deutsche Rekordmeister Bayern München, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen gehören, für die Unterstützung der Klage des belgischen Erstligisten SC Charleroi gegen den Weltverband Fifa und der hohen finanziellen Forderungen. Charleroi fordert von der Fifa 615 955 Euro Entschädigung, weil sich sein marokkanischer Mittelfeldspieler Abdelmajid Oulmers bei einem Länderspiel gegen Burkina Faso im November 2004 schwer verletzt hat.

Die Forderung der G14 nach finanzieller Kompensation für derartige Fälle steht schon seit längerem. Die G14 will eine Entschädigung von 860 Mill. Euro. "Diese Summe spiegelt den Schaden wider, den die 18 Klubs in den vergangenen zehn Jahren erlitten haben, nachdem sich ihre Nationalspieler bei Länderspielen verletzt hatten", sagte G14-Anwalt Jean-Louis Dupont am ersten Prozesstag im Fall Charleroi vs. Fifa am vergangenen Montag.

Vereine sollen "bestehende Strukturen beachten"

"Die Vereine haben das Recht, Forderungen zu stellen. Aber sie müssen die bestehenden Strukturen beachten und über das Klubforum der Uefa oder die nationalen Verbände gehen", stellte Platini klar. Dieser Meinung ist auch Fifa-Boss Sepp Blatter, der am Mittwoch zu Solidarität aufrief. "Mit Dank und der großen Unterstützung durch die Fußball-Familie sehe ich dieser Angelegenheit mit Optimismus entgegen. Ich vertraue der Justiz", erklärte der Schweizer.

Nach Artikel 37 der Fifa-Statuten sind die Klubs verpflichtet, ihre Nationalspieler kostenlos für Länderspiele abzustellen. Gegen diese Vereinbarung laufen inzwischen immer mehr Vereine Sturm. Die G14 sieht in der Klausel eine Verletzung des europäischen Wettbewerbsrechts. Die Fifa missbrauche dabei ihre Monopolstellung.

Beim Prozessauftakt stellte die Fifa den Antrag auf Verlegung der Anhörung, was vom Gericht allerdings abgewiesen wurde. Die Instanz hat für den Prozess zunächst 30 bis 90 Tage angesetzt, mit einem Urteil vor dem Beginn der WM in Deutschland ist aber kaum zu rechnen. "Die Fifa hat in der Vergangenheit bereits mehrmals mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, dass juristisch angegriffene Regelungen der Sportverbände, die von diesen aus sportlichen Gründen erlassen worden sind, von Gerichten immer wieder geschützt worden sind", hieß es in einer Fifa-Mitteilung.

Platini zweifelt an G14-Strukturen

Platini zweifelte in seinen Äußerungen auch an den Strukturen der G14: "Diese Gruppierung hat nur einen einzigen Angestellten", spottete der Torschützenkönig der EM 1984 mit Blick auf Generaldirektor Thomas Kurth und meinte weiter: "Sie wird von zwei Vereinen geführt. Die anderen wissen oft gar nicht, was gerade vor sich geht."

Im Zusammenhang mit dem laufenden Prozess deutete Uefa-Boss Lennart Johansson indirekt an, seine Entscheidung zu einem Rücktritt 2007 nocheinmal zu überdenken: "Ich weiß nicht, ob ich irgendeine Ankündigung machen werde. Natürlich würde ich gerne fischen gehen. Aber ich will dabei daran denken, dass ich in den letzten 19 Jahren ein Teil der Entwicklung dieses Sports war. Ich mag allerdings nicht den Gedanken, dass ich sehe, wie das alles zerstört wird."

© SID

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