Fußball International
Stärk geht "Risiko im Sinn der Sache ein"

Das afghanische Frauen-Nationalteam kann derzeit im Trainingslager in Deutschland befreit aufspielen. In der Heimat kicken sie unter Lebensgefahr, doch das "Risiko gehen wir im Sinn der Sache ein", so Coach Klaus Stärk.

In Begleitung ihres deutschen Trainers Klaus Stärk hat das afghanische Frauenfußball-Nationalteam vom 21. Januar bis zum 1. Februar ihr erstes offizielles Trainingslager in der Sportschule Ruit im schwäbischen Ostfildern aufgeschlagen - und dort können die 18 jungen Frauen endlich ohne Angst vor dem Terror dem Ball nachjagen.

"Wir spielen in Afghanistan mit Risiko. Es gibt Strömungen, die das nicht gerne sehen. Es kann jeden Tag vorbei sein. Wir beten, dass die Taliban nicht auf die Idee kommen, unsere Aktivitäten unterbinden zu wollen. Aber dieses Risiko sind wir bisher im Sinn der Sache eingegangen", schilderte Stärk die Umstände seiner äußerst gefährliche Arbeit in Kabul.

Stärk seit vier Jahren dabei

Seit vier Jahren arbeitet der Auslandstrainer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Rahmen des Projekts, das vom Deutschen Olympischen Sportbundes (Dosb), der Bundesregierung und dem DFB im Jahr 2003 ins Leben gerufen wurde.

Dabei leistet Stärk Aufbauarbeit unter schwersten Bedingungen. Da die sportliche Infrastruktur des Landes nach 30 Jahren komplett zerstört ist, muss Stärk immer wieder improvisieren. Hinzu kommt die besonders schwierige Lage der Frauen in Afghanistan, die bis zum Ende der Talibanherrschaft im Jahr 2001 noch nicht einmal ohne Begleitung das Haus verlassen durften.

"Wir spielen auf dem Gelände der internationalen Schutztruppe. Und alles spielt sich hinter verschlossenen Türen ab. Am Anfang gab es große Probleme, weil die Väter oft nicht zugelassen haben, dass die Mädchen Fußball spielen. Aber nun fangen die Eltern an, stolz auf ihre Mädchen zu sein", erklärte Stärk, der dazu beigetragen hat, dass rund um die Hauptstadt Kabul bereits 22 Mannschaften entstanden sind.

Der Mut der Familien ist allerdings nicht unbegrenzt. "Alles hängt immer von der Situation ab. Wenn es wieder Anschläge gab und die Stimmung in der Stadt schlechter wird, dann schicken die Familien die Mädchen natürlich nicht gern zum Fußball", sagte Stärk, der sein Engagement aufgrund der momentan unsicheren Lage vorerst Ruhen lassen wird: "Es wurden Anschläge angekündigt, deshalb werde ich die Situation die nächsten zwei Monate beobachten und dann entscheiden, ob ich wieder nach Afghanistan zurückkehre."

Vorsichtige Haltung

Die vorsichtige Haltung des 54-Jährigen kommt nicht von ungefähr. "Der beste Schutz ist es, wenn man sich so unauffällig wie möglich in der Stadt bewegt und in der Menge untertaucht. Deshalb habe ich auch keinen Bodyguard", erklärte der Trainer, der während seiner Aufenthalte in Kabul ständig in Kontakt mit dem Dosb steht, um bei einer Zuspitzung der Gefahrenlage sofort ausgeflogen werden zu können. Wie gefährlich es in Kabul werden kann, verdeutlichte Stärk anschaulich: "Ich war schon in einem Internetcafe, das am nächsten Tag in die Luft gesprengt wurde."

Trotz all dieser Gefahren will der afghanische Verband AFF den eingeschlagenen Kurs fortsetzen. "Die Familien erlauben ihren Mädchen das Fußballspielen, weil sie für die Sache einstehen. Es geht darum, dass die Frauen zu ihrem Recht kommen. Deshalb ist diese Reise nach Deutschland auch ein Symbol der Freiheit", erklärte AFF-Präsident Keramuddin Karim.

© SID

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