Fußball International
Trainerlegende Carlos Bilardo wird 70

Carlos Bilardo wurde mit einem Final-Sieg über Deutschland 1986 Weltmeister. Heute feiert der legendäre Trainer aus Argentinien seinen 70. Geburtstag.

Er wollte mit dem Gaddafi-Clan die Fußball-WM 2010 nach Libyen holen, strebte in seiner Heimat Argentinien den Posten des Staatspräsidenten an und ließ sich während seiner Profilaufbahn als Gynäkologe ausbilden. Anekdoten kann Dr. Carlos Salvador Bilardo den Gratulanten zu seinem heutigen 70. Geburtstag zahlreiche auftischen - vor allem vom Gewinn der Weltmeisterschaft 1986.

Mit dem 3:2-Finalsieg über Deutschland im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt stieg die Trainerlegende im Fußball-Olymp am Rio de la Plata auf die gleiche Stufe wie Cesar Luis Menotti, der die Gauchos 1978 im eigenen Land zum ersten WM-Triumph geführt hatte. Zwei Fußballphilosophien, die das Land bis heute teilen.

"Sie haben ihn eingestellt, falls ich versage"

Die "Biliardistas" interessieren sich allein für das Ergebnis, haben keinen Blick für ästhetische Fragen, die "Menottistas" erfreuen sich dagegen am schönen, kreativen, angriffslustigen Spiel. "Ein Taktiker wie Bilardo und ein Motivator wie Menotti, das wäre perfekt", antwortete Nationaltrainer Diego Maradona salomonisch auf die Frage, welcher Schule er angehöre.

Als "El Diez" Ende Oktober vorigen Jahres die "Albiceleste" als Coach übernahm, holte Verbandspräsident Julio Grondona Bilardo in der Funktion des Generaldirektors für die Auswahlmannschaft als Überwacher des ehemals Drogensüchtigen ins Boot. "Sie haben ihn eingestellt, falls ich versage", bestätigt Maradona.

Angespanntes Verhältnis zum Ziehsohn

Das Verhältnis mit seinem Ziehsohn, der ihm beim WM-Triumph 1986 und dem zweiten Platz 1990 in Italien als verlängerter Arm auf dem Rasen diente, ist angespannt. Dem wegen seiner riesigen Nase "El Narigon" genannten Bilardo macht die neue Herausforderung dennoch Spaß. "Ich habe 19 Jahre auf die Chance gewartet, wieder zur Seleccion zurückzukehren", gibt der Jubilar zu.

Für die Meinung anderer hat er sich eh selten interessiert. Sätze wie "im Profifußball zählt nur gewinnen" oder "Fair Play ist eine Erfindung der Briten" zeugen davon, dass er für den Erfolg gerne auch mal in die fiese Trickkiste griff. Die Story von der mit einem Schlafmittel gefüllten Wasserflasche, die Brasiliens Verteidiger Branco beim WM-Spiel 1990 von der argentinischen Bank gereicht bekam, ist längst Legende.

Wie er selber auch. Seit einem halben Jahrhundert ist Bilardo im Profifußball aktiv, gewann als Spieler 1968 mit Estudiantes de La Plata den Weltpokal, begann im selben Klub 1971 seine Trainerkarriere, in der er die Nationalteams Kolumbien (1980-1 981), Argentinien (1983-1 990) und Libyen (1999-2000) betreute und in Spanien beim FC Sevilla (1992-1 993, 1997) kurz Halt machte.

© SID

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