Fußball Italien
Das leise Comeback des Luciano Moggi

Im Zuge der Manipulationsaffäre "Calciopoli" wurde Luciano Moggi mit einem fünfjährigen Berufsverbot belegt. In Rente ist der Ex-Manager von Juventus Turin aber deshalb noch lange nicht: Die Hauptfigur des Skandals im italienischen Fußball mischt weiter mit.

ROM. Die Justiz arbeitet in Italien bekanntlich etwas langsamer, und so wird es noch eine Weile dauern, bis Luciano Moggi aus den Gerichtsälen des Landes verschwindet. Momentan ist der ehemalige Manager von Juventus Turin und Hauptverantwortliche des Manipulationsskandals "Calciopoli" in Rom mitangeklagt in einem schon seit fast einem Jahr laufenden Prozess gegen die Spielervermittlung Gea World. Diese gehört seinem Sohn Alessandro - sie soll Fußballer zu Verträgen genötigt und sich dazu der exzellenten Kontakte von Luciano Moggi bedient haben.

Daneben soll der Pate über seine berüchtigten Mobiltelefone jahrelang Schiedsrichter und Ergebnisse manipuliert haben; vom Sportgericht des italienischen Fußballverbands wurde er 2006 daher mit einem fünfjährigen Berufsverbot belegt. Juventus musste in die 2. Liga, andere Klubs wie der AC Mailand und der AC Florenz bekamen zum Teil heftige Punktabzüge auferlegt. Doch ebenso wie sich die Vereine - allesamt Champions-League-Teilnehmer in dieser Saison - längst wieder erholt haben, so scheint ein großer Teil der Öffentlichkeit auch Moggi rehabilitiert zu haben. Seit Aufdeckung des Skandals 2006 hat er schon eine Radiosendung über Fußball moderiert, Zeitungskolumnen geschrieben und sogar ein Buch, "un calcio nel cuore" ("ein Fußtritt ins Herz"), in dem er sich selbst als - unschuldigen - "Sündenbock" porträtiert und den italienischen Fußball als "Bordell ohne Jungfrauen".

Der 71-jährige Moggi, der alle Vorwürfe nach wie vor bestreitet, gibt sich inzwischen als professioneller Berichterstatter: "Der Fußball ist eine Welt, die mich nicht mehr interessiert. Ich werde sie nur noch von außen als Journalist begleiten", sagte er Anfang der Woche in Rom. Neben Statements in eigener Sache nutzt er den Gerichtssaal auch zu spöttischen Kommentaren über Vergangenheit und Aktualität der Liga: "Früher waren es meine Komplotte, heute sind es Zufälle", sagt er dann etwa über Schiedsrichterentscheidungen. Oder er erklärt, dass Italiens WM-Gewinn 2006 eigentlich sein Werk gewesen sei. "Beim Finale 2006 in Berlin waren neun Juventus-Spieler plus der Trainer im Einsatz. Diese Mannschaft hatte ich aufgebaut."

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