Fußball Italien
Der "Alte" feiert seinen 80. Geburtstag

Der legendäre italienische Trainer Enzo Bearzot feiert heute seinen 80. Geburtstag. Sein größter Triumph ist ausgerechnet mit einer Niederlage für Deutschland verbunden. Im WM-Finale 1982 schlug Italien die DFB-Elf 3:1.

Sein strahlendes Gesicht nach dem Gewinn des Weltmeistertitels 1982 in Spanien und die ausgelassene Umarmung mit dem damaligen italienischen Staatspräsidenten Sandro Pertini wird vielen Generationen von Italienern ewig in Erinnerung bleiben. Enzo Bearzot ist der schon zu Lebzeiten legendäre Coach, der die "Squadra Azzurra" vor 25 Jahren zum WM-Triumph in Spanien geführt hat. Mit seinem eleganten Aussehen, dem bescheidenen Charakter und seiner Zielstrebigkeit avancierte er aber auch zum Symbol eines Fußballsystems.

Heute vollendet Bearzot sein 80. Lebensjahr. Doch der aus der Gegend um Udine stammende Norditaliener kümmert sich um den runden Geburtstag kaum. Schon seit Jahrzehnten, als er noch viel mehr Haare auf dem Kopf hatte und die Falten noch nicht so tiefe Furchen in seinem Gesicht hinterlassen hatten, trägt er den Spitznamen "Vecio", was im Dialekt seiner Heimatregion Friaul an der Grenze zu Österreich "der Alte" bedeutet. Wegen seines ernsthaften Ausdrucks und dem melancholischen Blick hat Bearzot immer schon älter ausgesehen als er war.

Seit 21 Jahren weg vom Fußball

Nach seinem Rücktritt nach der WM 1986 hat er sich von der Welt des Fußballs ganz zurückgezogen. "Ich betrete kein Stadion mehr. Die Ehrentribüne ist voll mit Schreihälsen. Ich habe häufiger erlebt, wie Nationalhymnen ausgepfiffen werden. So eine Schande! Während eines Matchs kann man pfeifen so viel man will, doch die Hymne ist heilig", sagte Bearzot kürzlich.

Auch im Fußball der reichen Stars fühlt sich der "Alte" nicht mehr zu Hause. "Zu viel Geld hat die ursprünglichen Eigenschaften des Fußballs vernichtet: Lebensfreude, Leidenschaft und Begeisterung", sagt er resigniert.

An seinem 80. Geburtstag kann Bearzot aber mit Stolz auf eine beispielhafte Fußball-Karriere zurückblicken. Mit 19 Jahren wurde er Profi und spielte zunächst in der Serie B. In der Serie A kickte er dann für Inter Mailand und Juventus Turin als defensiver Mittelfeldspieler.

Als Spieler bei Inter und Juventus

1955 wurde er ein einziges Mal für die italienische Nationalmannschaft nominiert. "Als ich beschloss, Fußballer zu werden, ahnte ich nicht, wie weit ich kommen würde. Meine Eltern hätten mich lieber als Arzt, Apotheker oder zumindest als Bankangestellter gesehen", sagte Bearzot.

Seine Karriere als Spieler war bei weitem nicht so erfolgreich, wie jene als Coach. 1964 beendete er seine aktive Laufbahn als Fußballer und war zunächst bei Juventus Turin Torwarttrainer, später Assistenzcoach. Ende der 60er Jahre ging er zum italienischen Verband und wurde Trainer der U23-Auswahl.

Als Assistent von Nationaltrainer Ferruccio Valcareggi nahm er an der WM-Endrunde 1970 in Mexiko und an der WM 1974 in Deutschland teil. Nach dem frühen Aus 1974 wurde zunächst Fulvio Bernardini zum Nationaltrainer ernannt, jedoch bereits 1975 löste ihn Bearzot ab. Er blieb Nationaltrainer bis 1986 und wurde in 104 Länderspielen zum erfolgreichsten Nationaltrainer Italiens nach dem Zweiten Weltkrieg.

Er betreute Italien bei drei WM-Turnieren. Bei seiner ersten WM-Endrunde 1978 in Argentinien waren die Hoffnungen der Italiener bereits riesengroß, doch sie wurden nur Vierter. Bearzot entdeckte vor diesem Turnier den noch zweitklassig spielenden Stürmer Paolo Rossi, der dann zum Star aufstieg.

Bearzots größter Triumph war der dritte WM-Titel für Italien 1982 in Spanien. Im Finale gewannen die Azurblauen gegen Deutschland in Madrid mit 3:1. Bearzot hätte auf dem Höhepunkt zurücktreten können und vielleicht sogar sollen. Der pflichtbewusste Trainer betreute die Mannschaft jedoch weiter bis zur WM 1986 in Mexiko. Die Mannschaft spielte jedoch nicht mehr auf dem Niveau von 1982. Im Achtelfinale kam bereits das Aus gegen Frankreich, Bearzot trat nach dem Turnier von seinem Amt zurück - und wandte sich vom Fußball ab.

© SID

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