Fußball Italien
Druck auf Galliani nimmt zu

Mehrere Vereine der Serie A und B haben im Zusammenhang mit dem Manipulationsskandal in Italien auf den Rücktritt von Liga-Chef Adriano Galliani gedrängt. Galliani lehnt einen Rückzug allerdings ab.

Im Rahmen des Manipulationsskandal im italienischen Fußball wird nun auch der Druck auf den mächtigen Liga-Chef Adriano Galliani immer größer. Mehrere Klubs der italienischen Serie A und B drängen auf den Rücktritt des einflussreichen Gallianis, der auch Vizepräsident des Spitzenklubs AC Mailand ist. Am Mittwoch ist eine Sondersitzung des Liga-Aufsichtsrats geplant, bei der über Gallianis Zukunft entschieden werden soll.

Galliani wird beschuldigt, die Wahl zum Liga-Chef im Jahr 2001 mit Hilfe von Stimmen geschafft zu haben, die vom zurückgetretenen Juventus-Sportdirektor Luciano Moggi gekauft worden sein sollen. Galliani steht seit Jahren wegen der Interessenskonflikte als Liga-Chef und Vizepräsident Milans in der Kritik. Der Liga-"Vize" Massimo Zamparini hat sich zur Demission bereit erklärt.

Galliani will bleiben

"Die Liga muss nach diesem enormen Skandal ein Signal des Erneuerungswillens geben. Daher sollten ich und Galliani zurücktreten", meinte Zamparini. Doch Galliani, der von dem zurückgetretenen Regierungschef Silvio Berlusconi Rückendeckung erhält, will nicht kapitulieren. Er will sich nicht wie Verbandschef Franco Carraro, Moggi und Juve-Geschäftsführer Antonio Giraudo zurückziehen.

Inzwischen setzt die Staatsanwaltschaft ihre ausgedehnten Ermittlungen fort. In den nächsten Tagen soll zum zweiten Mal der skandalumwitterte Moggi vernommen werden. Ihm wird eine systematische Manipulation der Meisterschaft 2004/2 005 zu Gunsten des italienischen Rekordmeisters Juventus Turin vorgeworfen. Vor allem mit Hilfe korrupter Schiedsrichter soll der 68-Jährige die Liga beeinflusst haben.

"Opfer einer Verschwörung"

Moggi, der vor einer Woche unmittelbar nach dem Gewinn des "Scudetto" seinen Rücktritt erklärt hatte, sieht sich derweil als "Opfer einer Verschwörung". In seinem ersten Zeitungsinterview seit der Aufdeckung des Skandals beschuldigte Moggi Liga-Chef Galliani, ihn in den Sumpf der Schiedsrichteraffäre gezerrt zu haben.

Ermittlungen wurden unterdessen auch gegen den Sohn von Nationaltrainer Marcello Lippi aufgenommen. Davide Lippi hatte enge Beziehungen zur Spieler-Vermittlungsagentur GEA unter Kontrolle von Moggis Sohn Alessandro.

"Habe mir nichts vorzuwerfen"

Die Behörden wollen herausfinden, ob Marcello Lippi vom Hauptverdächtigen Moggi unter Druck gesetzt wurde, bestimmte Spieler in die "Squadra Azzurra" zu berufen. Der Coach, der am Freitag zwei Stunden lang von den Ermittlern befragt worden war, hat stets seinen Rücktritt ausgeschlossen. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen, ich werde nicht zurücktreten", sagte Lippi, der am Montag mit dem kommissarischen Verbands-Chef Guido Rossi Gespräche führte.

Rossi leitet seit dem Rücktritt von Verbandschef Carraro den Fußballverband. Gespräche wird Lippi auch mit dem Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees von Italien (Coni), Gianni Petrucci, führen. "Lippi genießt die volle Solidarität seiner Nationalspieler. Der Coach hat eine solide Mannschaft aufgebaut, er soll bleiben", kommentierte Starstürmer Luca Toni. Laut einer von der Tageszeitung La Repubblica (Rom) veröffentlichten Umfrage sind 67 Prozent der Italiener der Meinung, dass der Coach nicht zurücktreten sollte. 30 Prozent meinen dagegen, Lippi sollte seine Demission einreichen.

Nach einer Woche mit Rekordverlusten legte am Montagvormittag die "Juve"-Aktie an der Mailänder Börse um zirka zwei Prozent zu. In der vergangenen Woche waren die Wert-Papiere des seit 2001 börsennotierten Klubs mehrmals wegen starker Kursverluste vom Handel ausgesetzt worden.

© SID

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