Fußball Italien
Italiens Fußballer greifen zu oft zu Medikamenten

Italiens Fußballer neigen zu einer übermäßigen Einnahme von Medikamenten. Dies ist das Ergebnis einer Untersuchung des Staatsanwalts Raffaele Guariniello, bei der 30 000 Fußballer untersucht wurden.

Italiens Fußballer greifen zu oft in den Medikamentenschrank, ohne sich dabei den Gefahren eines übermäßigen Medikamentenverzehrs bewusst zu sein. Dies ergab eine Untersuchung des Turiner Staatsanwalts Raffaele Guariniello, der seit Jahren einen scharfen Kampf gegen Doping im Sport führt. Aus einer Umfrage Guariniellos ging hervor, dass 80 Prozent der befragten Fußballer Proteine und Kreatin einnehmen. 50 Prozent greift zu Medikamenten, um schneller von Verletzungen zu genesen. 80 Prozent gab zu, sehr oft Schmerztabletten zu nehmen.

Spieler sind sich der Gefahren nicht bewusst

"Die Umfrage beweist, dass man den natürlichen Genesungsrhythmus bei Zerrungen oder anderen Muskelverletzungen nicht respektiert", kommentierte die italienische Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport am Freitag. Viele Profis seien sich der Gefahren für ihre Gesundheit nicht bewusst.

Guariniello hat Ermittlungen um das so genannte "Lou-Gehrig-Syndrom" (auch ALS) geführt, an dem mehrere italienische Fußballspieler und Ex-Profis in den vergangenen Jahren erkrankt oder sogar gestorben sind. Diese Krankheit ist eine irreversible Sklerose und hängt laut Ärzten mit großem physischen Stress sowie Traumata zusammen. Die Krankheit des Zentralnervensystems tritt aber auch gehäuft in bestimmten Familien auf. ALS beginnt zumeist mit Lähmungserscheinungen und Muskelschwächen, die sich schnell verschlechtern. Nach einiger Zeit sterben die Patienten zumeist an einem Atemversagen.

Warnung vor Dünger auf Spielfeld

Staatsanwalt Guariniello vermutet, dass es sich bei den Todesfällen um Spätfolgen von Doping oder Missbrauch von Medikamenten handeln könnte. Guariniello meint, dass auch zu intensive Anstrengungen sowie Pestizide oder Düngermittel, die für die Spielfelder verwendet wurden, Ursachen des Syndroms sein könnten. Auch mehrere Bauern sind an dieser Sklerose erkrankt.

Guariniello hat den Gesundheitszustand von 30 000 Profi-Fußballern überprüft, die in Italien zwischen Ende der 50er Jahre bis heute gespielt haben. Laut seiner Ermittlungen erkranken in Italien sechs von 100 000 Personen an dem Gehrig-Syndrom. Bei den Fußballern wurden 42 Fälle unter 30 000 Kickern gemeldet. Elf der 42 Erkrankungen wurden bei den sechs Klubs Como, AC Florenz, FC Genua, US Pisa, Sampdoria Genoa und AC Turin gemeldet. Guariniello stellte auch eine besonders hohe Rate an Leukämie-Fällen und Lebertumoren fest.

© SID

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