Fußball Italien
Polizei ermittelt gegen Freunde des toten Tifoso

Die italienische Polizei hat nun Ermittlungen gegen die Freunde des von einem Ordnungshüter erschossenen Fans aufgenommen. Derweil gedachten tausende Menschen dem getöteten Lazio-Anhänger.

Der tödliche Schuss eines Polizisten auf einen Fußball-Fan hallt in Italien noch immer unüberhörbar nach. Nun hat die Staatsanwaltschaft von Arezzo Ermittlungen gegen vier Freunde des ermordeten Tifoso, Gabriele Sandri, aufgenommen. Diese hatten sich zusammen mit dem Opfer im Auto befunden, als ein Verkehrspolizist am Sonntag den Schuss auf einer Autobahn-Raststätte abgab.

Die vier Lazio-Fans werden beschuldigt, einige Juve-Tifosi angegriffen zu haben. Auf der Autobahn-Raststätte befanden sich vier Autos, zwei mit Lazio- und zwei mit Juve-Anhängern an Bord. In die Krawalle waren laut Ermittlern insgesamt 18 Personen verwickelt. Die Ausschreitungen wurden von einigen Verkehrspolizisten beobachtet. Einer von ihnen, Luigi Spaccarotella, feuerte einen Warnschuss in die Luft, eine zweite Kugel traf durch die Heckscheibe von Sandris Wagen und tötete den Insassen.

"Mit den Ermittlungen gegen die Freunde meines Bruders will die Polizei nur vor ihrer Verantwortung ablenken", sagte Cristiano Sandri, Bruder des erschossenen Lazio-Fan. Der Rechtsanwalt der Familie Sandri, Michele Monaco, erhob unterdessen schwere Vorwürfe gegen den Polizisten Spaccarotella.

Monaco: "Polizist hat mit gestrecktem Arm geschossen"

"Es stimmt nicht, dass sich ein Pistolenschuss versehentlich gelöst hat, wie er behauptet. Der Polizist hat mit gestrecktem Arm auf das Auto geschossen, in dem Gabriele schlief. Gabriele hat sich keineswegs an Krawallen beteiligt", sagte Rechtsanwalt Monaco. Gegen Spaccarotella wird wegen Totschlags ermittelt. Die Familie Sandris attackierte Innenminister Giuliano Amato. "Er sollte zurücktreten", sagte Cristiano Sandri.

Hunderte von Menschen pilgerten am Mittwoch zum Gemeindesaal im Zentrum von Rom, wo Sandris Sarg aufgebahrt wurde. Der Präsident des italienischen Fußballverbands, Giancarlo Abete, Sportministerin Giovanna Melandri und der römische Bürgermeister Walter Veltroni, kondolierten den Eltern des Opfers. Tausende von Menschen, darunter mehrere Lazio-Ultras, wurden am Mittwoch in Rom zum Begräbnis erwartet.

Pfarrer ruft Tifosi zu Gewaltlosigkeit auf

Der Pfarrer Paolo Tammi, der die Totenmesse zelebrierte, wandte sich bereits vorab an die Lazio-Tifosi. "Ich appelliere an alle Fans, im Namen Gabrieles auf jegliche Form von Gewalt zu verzichten. Es gibt keine Gerechtigkeit, wenn man nicht auf Gewalt verzichtet."

Inzwischen laufen die Ermittlungen um die Krawallen nach Sandris Tod auf Hochtouren. Insgesamt 22 Ultras wurden bisher festgenommen. In Mailand wurden zehn rechtsextreme Hooligans von Inter Mailand und AC Mailand verhaftet.

© SID

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