Fußball Italien
Polizei vermutet Camorra hinter Neapel-Ultras

Die italienische Polizei vermutet, dass die Ausschreitungen am ersten Spieltag der Serie A "von der organisierten Kriminalität angestiftet wurden", so Polizeichef Manganelli.

Hinter der neuen Gewaltserie am ersten Spieltag der italienischen Meisterschaft steckt laut der Polizei die Camorra, der neapolitanische Arm der Mafia. "Wir vermuten, dass die Ausschreitungen der Neapel-Fans von der organisierten Kriminalität angestiftet wurden", sagte Italiens Polizeichef Antonio Manganelli auf einer Pressekonferenz am Mittwoch in Palermo. "Wir wissen, dass Ultra-Kreise Verbindungen mit der organisierten Kriminalität haben. Diesem Aspekt wollen wir nachgehen", sagte Manganelli. Eine dementsprechende Untersuchung sei im Gange.

Lob für Maßnahmen der Regierung

Manganelli lobte unterdessen auch die Maßnahmen der Regierung im Kampf gegen die Gewalt im Fußball. "Seit dem Tod des Polizisten Filippo Raciti im Februar 2007 in Catania ist die Zahl der Krawalle zurückgegangen. Auch die Zahl der Verletzten und Fans und Sicherheitskräfte ist stark rückgängig", erklärte Manganelli.

Die Regierung Berlusconi hatte nach den Ausschreitungen am ersten Spieltag der Serie A gleichfalls scharfe Maßnahmen gegen die Gewalt angekündigt. Den Ultras des Erstligisten SSC Neapel soll nach den Krawallen vor dem Duell in Rom am vergangenen Wochenende für die gesamte Dauer der Saison die Fahrt zu den Auswärtsspielen ihrer Mannschaft untersagt werden. Dies kündigte Innenminister Roberto Maroni an.

Es ist außerdem vorgesehen, Spiele, die als gefährlich gelten, unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen. Die als Täter identifizierten Fans sollen unter dem Vorwurf der kriminellen Vereinigung strafrechtlich verfolgt werden. Auf diese Weise will das Innenministerium vermeiden, dass gewalttätige Ultras nach wenigen Tagen Haft wieder frei kommen.

Der Innenminister ordnete zudem eine Untersuchung in Neapel an, um die Entscheidung des neapolitanischen Polizeichefs zu überprüfen, die ursprünglich festgenommenen Fans wieder freizulassen. Der neapolitanische Polizeichef Antonio Puglisi könnte sein Amt verlieren. Das Innenministerium vermutet, dass die Krawalle am Rande des Spiels AS Rom-SSC Neapel lange vor Beginn der Meisterschaft geplant worden waren.

Auch Nationaltrainer Marcello Lippi verurteilte die neue Gewaltwelle im italienischen Fußball. "Es war richtig, den Fans einen Vertrauensvorschuss zu geben und für den ersten Spieltag keine Mitreiseverbote zu verhängen", meinte Lippi, aber die Fans hätten dieses Vertrauen missbraucht.

Schäden in Höhe von einer halben Million Euro

Bei den Krawallen am Sonntag wurden zehn Polizisten verletzt. Die Hooligans hatten einen Zug nach Rom gekapert und zwangen 300 erschrockene Passagiere auszusteigen. Anschließend zerstörten und plünderten sie die Waggons. Die Bahnmitarbeiter hatten den Randalierern den Zugang zum Zug verwehrt, weil sie keine Fahrkarten besaßen. Vier Kontrolleure wurden angegriffen und verletzt. Die Bahngesellschaft Trenitalia meldete Schäden in Höhe von einer halben Million Euro.

© SID

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