Fußball Junioren
DFL geht auf Konfrontationskurs zur Fifa

Im Streit um die Teilnahme von Spielern an der U20-WM in Ägypten prüft die DFL nach der von der Fifa angedrohten Abstellungspflicht juristische Mittel gegen den Weltverband.

Ein Jahr nach dem olympischen Fußball-Turnier ist der Zank um Abstellungen für internationale Events erneut entbrannt. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) geht wegen der U20-WM Ende September auf Konfrontationskurs zum Weltverband Fifa. "Wir als DFL werden alle juristischen Möglichkeiten prüfen, dagegen vorzugehen. Und wir werden den DFB als unseren Dachverband auffordern, dasselbe zu tun", sagte Christian Seifert als Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung in einem Interview mit der Bild-Zeitung.

Hintergrund ist das Bestreben von Fifa-Präsident Sepp Blatter, eine Abstellungspflicht der Vereine für die U20-WM in Ägypten durchzusetzen. Am Donnerstag waren erste Klub-Vertreter Sturm gegen dieses Ansinnen gelaufen, das Blatter in einem Interview mit der Sport-Bild geäußert hatte. Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser hatte angekündigt, "sofort die Absetzung der Bundesligaspiele in dieser Zeit" zu beantragen, sollte eine Abstellungspflicht durchgesetzt werden.

"Fifa entfernt sich vom realen Fußball-Leben"

"Die Fifa entfernt sich immer weiter vom realen Fußball-Leben. Eine U20-WM mitten im Ligabetrieb durchzuführen und - noch schlimmer - eine U17-WM in eine politisch instabile Region wie Nigeria zu vergeben - das zeigt für mich, wie abgehoben die Fifa mittlerweile ist", erklärte Seifert weiter. In Nigeria haben sich die ethnischen Konflikte in den vergangenen Jahren verschärft, vor allem zwischen der christlichen Bevölkerungsmehrheit und den Moslems im Norden des Landes.

Wolfgang Holzhäuser argumentierte, dass die U20-WM nicht im "internationalen Spielkalender" gestanden habe. Das bestätigte die Fifa in einem offiziellen Statement am Freitag. Blatter richtete in diesem, ähnlich wie vor den Olympischen Spielen, einen Appell an die Klubs. "Das Turnier bietet ihnen die Möglichkeit, für ihre weitere Zukunft wertvolle internationale Erfahrung zu sammeln", sagte der Schweizer. Diese Erfahrung komme den Vereinen auch zugute, zudem sei ein solches Turnier ein wichtiges Sprungbrett: "Neben vielen anderen haben Spieler wie Diego Armando Maradona, Luis Figo ... und Leo Messi bei U20-Weltmeisterschaften einen ersten bleibenden Eindruck hinterlassen."

Zur Abstellungspflicht äußerte sich Blatter nicht. Dafür müsste die Fifa-Exekutive einen Sonderbeschluss verfassen. Die nächste Exko-Sitzung ist allerdings am 29./30. September, also fünf Tage nach dem Turnierstart (24. September), terminiert. So müsste das Dringlichkeitskomitee entscheiden, was nach Fifa-Reglement möglich ist.

Damit ist der Weltverband im vergangenen Jahr vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS aber mächtig auf den Bauch gefallen. Denn eine Dringlichkeit liegt nur im Fall von unvorhersehbaren Ereignissen vor. Eine U20-WM fällt natürlich nicht darunter, genauso wenig wie damals das Olympia-Turnier.

Kompromiss wahrscheinlich

So kommt es wieder auf die Vernunft aller Beteiligter an, einen Kompromiss zu finden. "Kein Klub verweigert die Freigabe. Wenn Felix Magath auf Schalke Lewis Holtby entbehren kann, wird er ihn die WM sicher spielen lassen. Aber ob für einen Nachwuchsspieler auf dem Weg zum großen Durchbruch wie Holger Badstuber die WM eine Entwicklungchance bietet, ist fraglich. Klubs, die viel Geld in die Ausbildung junger Spieler investieren, dürfen nicht bestraft werden", sagte DFL-Geschäftsführer Seifert.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) äußerte sich am Freitag nicht konkret zu den Bestrebungen der DFL. "Wir gehen davon aus, dass wir mit dem Spielerkader bei der U20-WM antreten, den wir Anfang der Woche bekanntgegeben haben", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach dem SID. Vor dem olympischen Turnier hatte es heftige Kritik deutscher und auch europäischer Klubs wie dem FC Barcelona an den Abstellungen gegeben. In der Bundesliga hatte besonders das Gerangel um die Brasilianer Diego von Werder Bremen und Rafinha von Schalke 04 für Aufsehen gesorgt.

© SID

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