Fußball Junioren
Herrlich: "Siegermentalität an den Tag legen"

Heiko Herrlich, Trainer der deutschen U17-Nationalmannschaft, hat für die WM in Südkorea deutliche Ziele formuliert. Mit seinem Team will der Coach nicht nur "nach dem olympischen Motto: Dabeisein ist alles" antreten.

U17-Nationaltrainer Heiko Herrlich tritt mit seiner Mannschaft ab dem 18. August bei der Weltmeisterschaft in Südkorea an. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) formuliert der Coach seine Ziele mit den Talenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

sid: "Heiko Herrlich, als neuer Trainer der deutschen U17-Nationalmannschaft müssen Sie sich bei der WM in Südkorea ab dem 18. August erstmals auf internationaler Ebene beweisen. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das Turnier?"

Heiko Herrlich: "Wir wollen die Vorrunde überstehen, was gegen Kolumbien, Ghana und Trinidad/Tobago gewiss nicht leicht wird. Kolumbien hat in Südamerika mehr Punkte geholt als Argentinien. Die haben eine unheimlich starke Abwehr, das wird für uns zum Auftakt gleich ein Gradmesser. Über Ghana braucht man nicht viel zu sagen, die haben die U17-WM schon mehrfach gewonnen. Und auch Trinidad/Tobago haben bei der WM in Deutschland gezeigt, dass sie den Anschluss an den internationalen Spitzenfußball gefunden haben."

sid: "Ihr Sportdirektor und ehemaliger Trainer Matthias Sammer wünscht sich den ersten Titel einer deutschen U-Mannschaft unter seiner Führung. Bei der EM ist das Team unter ihrem Vorgänger Fünfter geworden. Ist der WM-Titel dennoch keine Utopie?"

Herrlich: "Der fünfte Platz bei der EM lässt uns sicher nicht in den Favoritenkreis rücken. Wir wollen zunächst die Gruppenphase überstehen. Es wäre total vermessen, jetzt die Klappe aufzureißen, und vom Titel zu reden. Dennoch sehe ich unsere Teilnahme nicht nach dem olympischen Motto: Dabeisein ist alles. Das Anspruchsdenken im deutschen Fußball und im Jugendfußball hat sich verändert, deshalb müssen wir eine Siegermentalität an den Tag legen."

sid: "Um die Siegermentalität weiter zu forcieren, arbeiten Sie intensiv mit dem Sportpsychologen Jan Mayer zusammen..."

Herrlich: "Dabei geht es in erster Linie um Stressbewältigung. Es ist einfach etwas anderes, wenn ich unter Zuschauerdruck, Pressedruck und Konkurrenzdruck drei Fehlpässe spiele oder in der B- oder A-Jugend vor 50 Eltern und ein paar Freunden. Da rücken auf dem Weg in den Profibereich auf einmal Spieler in den Focus, die man in der Jugend gar nicht so stark gesehen hat. Deshalb haben wir einen Sportpsychologen als Spezialisten mit ins Boot genommen, der schon im Jugendbereich den Spielern Persönlichkeit vermittelt, damit keiner unter dem Leistungsdruck eingeht."

sid: "Klingt fast so, als würden Sie da aus eigener Erfahrung sprechen..."

Herrlich: "Genau das, was die Jungen jetzt erleben, habe ich als Profi selbst durchgemacht. Ich habe erlebt, wie talentierte Spieler auf der Strecke geblieben sind, weil sie sich in einem professionellen Umfeld nicht wehren konnten. Stefan Effenberg zum Beispiel ist im Jugendbereich nie groß aufgefallen. Aber der ist unter Presse- und Zuschauerdruck förmlich aufgeblüht."

sid: "Aufgeblüht ist zuletzt auch Toni Kroos vom deutschen Rekordmeister Bayern München. Welche Rolle spielt der technisch versierte Mittelfeldspieler in ihrem Team?"

Herrlich: "Ich habe den Toni bewusst zum Kapitän gemacht. Dass er Fußballspielen kann, wissen wir. Dass er sicherlich auch noch Schwächen im Rückwärtsgang hat und daran arbeiten muss, sagen ihm nicht sehr viele Menschen. Wir haben ihm mit Blick auf die WM gesagt, dass er für das Team verantworlich ist. Und zwar von der Nummer eins bis zur Nummer 21. Aber er hat auch mal das Recht, schlecht zu spielen. Wichtig ist, dass er nicht nur seine Fähigkeiten auf dem Platz zeigt, sondern die Mannschaft als Kapitän führt. Das wird ihn in seiner Persönlichkeit weiterbringen, davon profitiert dann auch der FC Bayern."

© SID

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