Fußball
Klinsmann-Aus kommt Bayern teuer

Die Entscheidung des FC Bayern, die Zusammenarbeit mit Trainer Jürgen Klinsmann nach nur zehn Monaten mit sofortiger Wirkung zu beenden, hat nicht nur sportliche Konsequenzen für die Münchener. Marken-Experten befürchten nach der Entlassung des Coaches einen Imageschaden für den Verein - und die fällige Abfindung macht das Erreichen der Champions League quasi zur Pflicht.

ih/hps/mer/mx DÜSSELDORF. Der Vertrag mit Klinsmann ist bis Ende Juni 2010 datiert. Die vorzeitige Trennung von ihm und seinen Assistenten Martin Vasquez und Nick Theslof kostet die Münchener angeblich rund zehn Mio. Euro an Abfindungen. Diese Summe lässt sich nur wieder einspielen, wenn der Verein die Qualifikation für die Champions League schafft - denn allein die Königsklasse garantiert die nötigen Einnahmen.

Selbst in dieser Saison, in der die Bayern im Viertelfinale gegen den FC Barcelona ausgeschieden sind, hat der Klub in der Champions League rund 50 Mio. Euro verdient. 13 Mio. Euro davon sind Prämien, 20 Mio. stammen aus dem sogenannten Marktpool, der für Deutschland etwa 40 Mio. Euro beträgt. Hinzu kommen Zuschauereinnahmen von zehn Mio. Euro und Sponsoren-Gelder.

Der FC Bayern hofft, mit Heynckes in der Bundesliga zumindest Platz zwei und damit die direkte Qualifikation für die Königsklasse zu schaffen. Dass der neue Mann an der Seitenlinie so die Saison noch retten kann, hält Stephanus Tekle, Senior Consultant der Sponsoringberatung Sport + Markt, für möglich. Der Bayern-Experte glaubt, dass mit dem neuen Trainer-Duo, das traditionell auf Disziplin und klare Ansagen setzt, "die letzten Prozent Leistungsvermögen in Richtung Meisterschaft rausgekitzelt werden können". Tekle hält die Entlassung auch aus Sicht der wichtigen Stakeholder, Fans und Sponsoren, für "mehr als richtig". Ein Sponsor suche sich einen Klub nicht nach den Sympathiewerten des Trainers aus. "Er will vor allem, dass der Verein seine Ziele erreicht, weil nur das ihm langfristig die versprochene Medialität sichert."

Mit dem drohenden Verpassen der Champions League riskiere man nicht nur finanzielle Einbußen. "Für die Bayern ist der Wettbewerb, auf den sie quasi bisher ein Abo hatten, eminent wichtig, um sich international als Marke zu präsentieren", sagt Tekle. "Der FC Bayern braucht diese globale Bühne, um mit Sponsoren neue Märkte zu erschließen."

Als gefährlich wertet dagegen Nicholas Adjouri, Geschäftsführer der Adjouri Brand Communication in Berlin, den Fokus auf kurzfristige sportliche Ziele. "Es ist eine Katastrophe für die Marke FC Bayern München." Ex-Bundestrainer Klinsmann habe für neue Strategien und Ideen gestanden. Das Klub-Management habe mit ihm versucht, das internationale Renommee zu stärken und sich neu zu positionieren. "Wer das ernsthaft anstrebt, muss sich mehrere Jahre Zeit nehmen und dabei auch sportliche Rückschläge einkalkulieren", sagt Adjouri. "Die internationale Strategie, die erklärtes Ziel war, ist nun ad acta gelegt."

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