Fußball
Klinsmann bekommt Bundesverdienstkreuz in Berlin

Vor 234 Tagen hatten ihn die Fans in Berlin noch frenetisch gefeiert - bei seiner ersten Rückkehr an die Jubelstätte war Jürgen Klinsmann nur als „Phantom“ in der Stadt. Er kam auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, um das Bundesverdienstkreuz zu erhalten.

dpa BERLIN. dpaBERLIN. Vor 234 Tagen hatten ihn die Fans in Berlin noch frenetisch gefeiert - bei seiner ersten Rückkehr an die Jubelstätte war Jürgen Klinsmann nur als „Phantom“ in der Stadt. Er kam auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, um das Bundesverdienstkreuz zu erhalten.

Der einstige Fußball-Bundestrainer und „Macher“ des WM-Sommermärchens sollte sich von der Staatschefin das Bundesverdienstkreuz ans Jacket heften lassen. Der Verdienstorden ist die höchste Auszeichnung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht und kann für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen sowie für besondere Verdienste um die Bundesrepublik verliehen werden. Doch selbst die Regierungschefin machte für Klinsmann, der ganz Deutschland in schwarz-rot-goldene Euphorie versetzt hatte, die Ehrung zu einem „internen Termin“ im Kanzleramt. Doch selbst die Regierungschefin machte für Klinsmann, der ganz Deutschland in schwarz-rot-goldene Euphorie versetzt hatte, die Ehrung zu einem „internen Termin“ im Kanzleramt.

„Das ist natürlich eine außergewöhnliche Auszeichnung, die ich aber der Leistung des ganzen Teams zu verdanken habe. Die Ehrung erfüllt mich mit Freude und Stolz“, sagte Klinsmann am Abend der dpa. „Die WM und der vergangene Sommer bleiben mir unvergesslich“, sagte er nach der Ehrung gerührt. Auch die Kanzlerin freute sich über das Wiedersehen: „Es ist mir eine große Freude, Jürgen Klinsmann auszuzeichnen. Er hat im vergangenen Jahr unserem Land viel gegeben.“

Seit Beginn der Woche ist der Ex-Bundestrainer schon in Deutschland, hat sich mit seinem Nachfolger Joachim Löw getroffen, mit Torwart-Coach Andreas Köpke und mit Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff. Das anhaltend große Interesse der deutschen Fußball-Gemeinde an seiner Person ignorierte er bewusst: „Das war eine lange geplante Privatreise. Ich habe keinen Drang, in der Öffentlichkeit zu sprechen.“ Klinsmann sieht sich nicht als öffentlicher Mensch, obwohl ihn auch die Öffentlichkeit mit zu dem machte, was er heute ist: Ein unabhängiger, begehrter und wohlhabender Mann.

Und so konnten bei seinem ersten Deutschland-Besuch nach der WM auch nur die engsten Vertrauten mit ihm sprechen: Zwei Tage war er bei der Familie in Stuttgart, bei Nationalmannschafts-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ließ er ein Problemchen am Knie behandeln. An eine Teilnahme am Gipfeltreffen des deutschen Fußballs am 1. März habe er nie gedacht, berichtete Klinsmann, der mit DFB-Präsident Theo Zwanziger und Medienchef Harald Stenger telefoniert hat. Er habe überhaupt erst nach seiner Ankunft aus Los Angeles von dieser Veranstaltung, bei der nochmals ein offizieller Schlussstrich unter die WM 2006 gezogen wird, erfahren.

Dem offiziellen Auszeichnungsakt der DFB-Elf am 14. August bei Bundespräsident Horst Köhler war Klinsmann fern geblieben, weil „andere im Mittelpunkt stehen“ sollten. Auch zur Premiere des WM-Films „Deutschland - ein Sommermärchen“ kam der Hauptdarsteller nicht. Dass er sich so rar gemacht habe in Deutschland, habe aber nichts mit einer angespannten Situation zu seinem Land zu tun: „Nein, nein. Es ist einfach bedingt durch unseren Lebensmittelpunkt in Kalifornien.“ Sensationell Neues habe er auch jetzt nicht zu verkünden, machte Klinsmann im dpa-Gespräch deutlich.

„Ich beschäftige mich derzeit viel mit Fortbildung, aber früher oder später werde ich in den Trainerbereich zurückkehren. Es muss aber eine optimale Lösung sein“, erzählte der Welt- und Europameister, der am Ende des Vorjahres mit den USA verhandelt hatte, den Posten des amerikanischen Nationaltrainers dann aber doch nicht übernahm.

Zahlreiche Anfragen von Medien und Unternehmen aus Deutschland hatte der Wahl-Amerikaner, der schon als Spieler seine eigenen Interessen eisern durchgesetzt hatte, in den vergangenen Monaten abgelehnt. Dass während der WM und danach auch ein kritisches Bild von ihm gezeichnet wurde, nahm er in Kauf: „Die Menschen, die mir wichtig sind, kennen das wirkliche Bild.“ Er sei „völlig unabhängig“, stellte Klinsmann immer wieder als seinen größten Vorteil heraus. Schon sein vor zwei Jahren gestorbener Vater Siegfried hatte streng darauf geachtet, dass in der Familie Klinsmann das Private von „da draußen“ getrennt wurde.

Dass Angela Merkel, ein bekennender Klinsmann-Fan, als Überbringerin des Verdienstkreuzes auserkoren war, dürfte den Schwaben besonders gefreut haben. Die Umarmung der Kanzlerin hatte Klinsmann schon bei der WM als „Ehrlichkeit pur“ genossen: „Sie gehört zu denjenigen, die immer zu uns gestanden haben, auch in der schwierigen Zeit vor der WM, als wir in Italien 1:4 verloren haben“, erinnerte sich der 108-malige Nationalstürmer. Am 2. März kehrt der Ausgezeichnete zu Frau Debbie sowie den Kinder Yonathan und Laila nach Newport Beach zurück.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%