Fußball-Kunstrasen
„Die ganze Industrie zittert vor solchen Spielen“

Wenn Deutschland am Samstag in Moskau antritt, zittern nicht nur die Fans um die WM-Qualifikation, sondern auch die Kunstrasenindustrie um ihren guten Ruf. Albert Prisse, Generalsekretär des Branchenverbandes European Synthetic Turf Council (Esto), erklärt im Interview warum das so ist, wie er die Wachstumsaussichten des Marktes beurteilt und wann der Kunst- den Naturrasen verdrängen wird.

Herr Prisse, am Samstag spielt die deutsche Nationalmannschaft zum ersten Mal in ihrer Geschichte auf Kunstrasen. Was kann sich die Kunstrasenbranche von diesem Spiel erhoffen?

Wenn die Mannschaft verliert, ist das nicht gut für den Kunstrasen. Die ganze Industrie zittert vor solchen Spielen. Lassen sie mich einen Vergleich ziehen: Fällt eine Glasflasche vom Tisch und zerbricht ist das ganz normal. Fällt aber eine Kunststoffflasche vom Tisch und zerbricht, dann ist der Teufel los. Verdreht sich jemand am Samstag das Knie, ist es der Fehler des Kunstrasens. Als würde es auf Naturrasen keine Verletzungen geben.

Wie nah sind die Spieleigenschaften eines Kunstrasens an denen des Naturrasens?

Natürlich sind diese Beläge nicht gleich. Die Vorteile eines Kunstrasens liegen aber in Moskau auf der Hand, wo es im Sommer sehr heiß ist und im Winter extrem kalt. Die Fifa hat für Kunstrasen mittlerweile strenge Richtlinien. Sie sagt zwar nicht Kunstrasen ist ein Muss, aber sie empfiehlt ihn.

Glauben Sie, dass der Naturrasen vom Kunstrasen abgelöst wird?

Ja, ich bin der Meinung, dass das sicher passiert. Das kann zwar noch 15, 20 Jahre dauern. Aber die Frage ob man Kunstrasen nimmt oder nicht, stellt sich heute schon bei vielen Bauvorhaben. Allein die Antwort ist oft noch unklar.

Manche sprachen in den vergangenen Jahren bereits von einer Boom-Branche. Wie schätzen Sie die Situation des Kunstrasenmarktes ein?

Die europäischen Hersteller sind unheimlich unter Druck aus dem Ausland, besonders aus China. Die verkaufen zu Preisen, die die europäische Industrie nicht bieten kann. Wenn Europa noch etwas bedeuten will, müssen wir mehr in Forschung und Entwicklung investieren und mehr Neuheiten präsentieren.

Wie sehen sie die Wachstumsmöglichkeiten im Geschäft mit dem synthetischen Gras?

Die Zuwachszahlen sind nicht immer so glänzend, wie man teilweise hört. Wo viel passiert, ist Polen und Zentraleuropa. Das alte Europa ist dagegen sehr konservativ. Für Gesamteuropa schätzen wir das Wachstum dieses Jahr auf unter fünf Prozent.

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