Fußball
Milan glänzt - Inter, Liverpool und Chelsea weiter

Die Krise bei Real Madrid hat sich verschärft. Beim mageren 1:1 des spanischen Fußball-Rekordmeisters im Spiel in der Champions-League gegen Olympique Lyon forderten die Madrider Zuschauer die Entlassung von Trainer Vanderlei Luxemburgo.

dpa HAMBURG. Der „vierfache Schewtschenko“ und Drei-Tore-Mann Adriano sorgten für die sportlichen Glanzlichter, doch auch die diesmal friedlich gebliebenen türkischen Fußball-Fans hinterließen am vorletzten Gruppen-Spieltag der Champions League einen nachhaltigen Eindruck.

„Wir haben Milan mit Blumen und Beifall empfangen und mit einem 4:0 in der Tasche verabschiedet“, fasste die türkische Zeitung „Milliyet“ die Geschehnisse bei Fenerbahce Istanbuls Heimpleite gegen den AC Mailand zusammen. „Fenerbahce: 0, Schewtschenko: 4“, schrieb „Radikal“ trefflich. Denn Andrej Schewtschenko beendete die Ambitionen des Christoph-Daum-Clubs mit vier Toren im Alleingang und führte Milan an die Spitze der Gruppe E. Einen Schritt weiter ist Lokalrivale Inter, der wie der FC Chelsea und Titelverteidiger FC Liverpool vorzeitig in das Achtelfinale einzog.

„Das war ein unvergesslicher Abend. Was für ein Sieg! Vier Tore in einem Champions-League-Spiel zu machen, ist für einen Stürmer immer fantastisch“, jubelte Schewtschenko. Zum „Festival der Torjäger“ („La Repubblica“) trug auch Inters brasilianischer Goalgetter Adriano bei, der nach Luis Figos 1:0 die restlichen drei Treffer zum 4:0 über Artmedia Bratislava beisteuerte. „Figo entflammt Adriano - und schon gibt es eine Show“, befand „La Gazzetta dello Sport“. Adriano beendete seine seit August andauernde Torflaute und sagte glücklich: „Alles ist gut. Das Schlimmste ist vorbei. Es war eine Kopfsache.“

Locker wie Inter spazierten in der Gruppe G im Gleichschritt auch die englischen Spitzenclubs in die lukrative nächste Runde. Dem FC Liverpool (11 Punkte) reichte ein 0:0 gegen Betis Sevilla, der FC Chelsea (10) siegte dank der frühen Tore von Hernan Crespo (8.) und Ricardo Carvalho (15.) souverän 2:0 beim RSC Anderlecht. Die Londoner erwarten den Vorjahressieger aus Liverpool am 6. Dezember zum Finale um den Gruppensieg. „Ich traue uns auch dort einen Sieg zu“, meinte Liverpools deutscher Nationalspieler Dietmar Hamann. „Wir wollen Erster werden, um im Achtelfinale zuerst auswärts spielen zu dürfen.“

Diesen Vorteil verspielte Real Madrid gegen Olympique Lyon (1:1). Zwar stehen beide Clubs längst in der Runde der Top-16, doch nach der 0:3-Heimpleite in der Liga gegen den FC Barcelona und dem nun bei den Champions verpassten Gruppensieg ist der umstrittene Coach Vanderlei Luxemburgo vollends unter Beschuss beraten. Im Lyon-Spiel forderten die Fans seine Entlassung. „Das Publikum im Bernabéu-Stadion hat sein Urteil gefällt: Raus!“, schrieb „As“. Laut „Marca“ will die Mehrheit der Fans die Rückkehr des früheren Erfolgscoaches Vicente del Bosque.

Luxemburgo wird vorgehalten, gegen Lyon sechs Abwehrspieler aufgeboten und dem Team einen „Angsthasenfußball“ verordnet zu haben. „Dies ist ein Verrat an den traditionellen Werten des Clubs, der mit seinem offensiven Stil zu einer Legende wurde“, monierte „El País“. Für ein Pfeifkonzert sorgte die Auswechslung von Star-Kicker David Beckham. „Damit beging Luxemburgo Harakiri“, meinte „As“. Der Coach führte an, Beckham habe über Rückenschmerzen geklagt, betonte aber trotzig: „Das nächste Mal lasse ich ihn auf dem Platz verrecken.“

In die Kritik geriert auch Christoph Daum. Dass es eine Woche nach den Ausschreitungen im WM-Relegationsspiel Türkei - Schweiz im Sükrü- Saracoglu-Stadion diesmal friedlich blieb, war der einzig positive Aspekt aus seiner Sicht. Dafür musste er das Champions-League-Aus für seinen Club kommentieren und kann - mit einem Sieg beim PSV Eindhoven - bestenfalls als Dritter im Uefa-Cup überwintern. „Wir können von so einem Spiel nur lernen“, sagte der deutsche Coach. Auch er bekam sein Fett weg. Von einem „Tiefschlag für das Genie Daum“ sprach „Sabah“. Und „Fanatik“ urteilte: „Daum hat den rund 70 Mill. Euro teuren Ferrari (Fenerbahce) auf der Autobahn wie einen, Anadol' gefahren.“

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