Fußball-Missbrauchsskandal
Mehr als 1000 Hinweise auf sexuelle Übergriffe

Hunderte Fußballer sollen in ihrer Kindheit und Jugend in britischen Fußballvereinen sexuell missbraucht worden sein – sowohl Amateure als auch Profis. Bei einem von ihnen hat sich jetzt der FC Chelsea entschuldigt.
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LondonDer Missbrauchsskandal im britischen Fußball weitet sich aus. Mindestens 55 Fußballvereine sind nach Angaben der britischen Zeitung „The Observer“ involviert. Betroffen seien sowohl Amateure als auch Profis. Die Zeitung beruft sich auf eine nicht näher genannte Quelle innerhalb der Koordinierungsstelle der Polizei, die sich mit Missbrauchsfällen beschäftigt („Operation Hydrant“).

Mehr als 1000 Menschen meldeten sich inzwischen bei einer neuen Telefon-Hotline mit Hinweisen auf sexuelle Übergriffe, wie eine Sprecherin der Kinderschutzorganisation NSPCC am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in London bestätigte. Die meisten Fälle beziehen sich nach ihren Angaben auf die Vergangenheit. „Es gibt aber auch eine geringe Zahl aktueller Fälle“, berichtete die Sprecherin.

Das neue Beratungsangebot bei NSPCC (National Society for the Prevention of Cruelty to Children) ist am 23. November eingerichtet worden und wird vom Fußballverband FA unterstützt. Zuvor hatten mehrere Ex-Profis öffentlich gemacht, dass sie als Jugendspieler missbraucht worden seien. Damit traten sie eine Lawine los.

Der FC Chelsea entschuldigte sich unterdessen bei seinem Ex-Spieler Gary Johnson, der von Missbrauch durch einen Jugendtrainer berichtet hatte. Johnson habe unzumutbar in den 70er Jahren leiden müssen, heißt es in einer Erklärung des Vereins. Jeder im Club sei geschockt über die Missbrauchsfälle der Vergangenheit quer durch den britischen Fußball. „Wir haben Hochachtung vor dem enormen Mut der Leute, die über den schrecklichen Missbrauch gesprochen haben, den sie ertragen mussten, dazu gehört auch der frühere Chelsea-Spieler Gary Johnson.“

Der Verein leitete eine externe Untersuchung ein. Johnson hatte zuvor in einem Interview mit der Zeitung „Daily Mirror“ berichtet, dass der Club ihm 50.000 britische Pfund als Schweigegeld gezahlt habe. Der Täter soll ein Jugendtrainer gewesen, der inzwischen gestorben ist.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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