Fußball National
60 Jahre und kein bisschen bitter: Berti Vogts

Berti Vogts holte als Trainer bei der EM 96 den letzten Titel eines deutschen Nationalteams. Viele denken bei ihm aber nur an die Viertelfinal-Pleiten bei der WM 94 und 98. Heute feiert Vogts seinen 60. Geburtstag.

In aller Stille wird Hans-Hubert Vogts, besser bekannt als "Berti", heute seinen 60. Geburtstag begehen, "irgendwo im asiatischen Raum". Als Nachfolger der Lichtgestalt Franz Beckenbauer, der ihm wegen der Wiedervereinigung noch die jahrelange Unbesiegbarkeit mit auf den Weg gegeben hatte, war Vogts als Bundestrainer in den 90er Jahren eine tragische Figur. "Ich habe niemanden umgebracht. Ich bin mit der A-Mannschaft 1992 Vize-Europameister und 1 996 Europameister geworden. Mein Verbrechen war, es gewagt zu haben, zweimal in einem WM-Viertelfinale ausgeschieden zu sein."

Natürlich ist er Zeit seines Lebens der "Terrier" geblieben, der in 419 Bundesliga-Spielen mit 33 Toren und 96 Länderspielen (ein Tor beim 8:0 am 28. Februar 1976 im EM-Qualifikationsspiel gegen Malta in Dortmund) seine Gegner unbarmherzig beharkt hat. Der auch unerbittlich beharkt wurde. Der auf dem Feld, wie später auch als Trainer, immer nur seine Aufgabe sah.

Neue Ideen für die Bundesliga

Was Vogts denkt und dann auch sagt, ist nicht dumm. All das, was jetzt als Nachwuchsförderung propagiert wird, hat er - seiner Ansicht nach - zu früh dem DFB auf den Tisch gelegt. Und dann ist es, weil unbequem, seinerzeit in Schubladen verschwunden. Und wird jetzt, ein wenig poliert, als Zaubermittel auf den Tisch gebracht.

Jetzt hat er wieder eine Idee: Man müsse, so philosophiert er, im deutschen Profifußball die zweite Liga stärken. "Wenn nur der Zweitliga-Meister aufsteigen dürfte und die Teams von Platz zwei bis fünf in einer Vierer-Gruppe die beiden restlichen Aufsteiger auszuspielen hätten: Das würde Spannung bringen. In der Bundesliga ist der Platz fünf wegen der internationalen Teilnahme umkämpft. Weshalb nicht das im Unterhaus integrieren? So groß sind die Unterschiede dort nicht. Das Fernsehen hätte spannende Spiele nach Saisonende, und alles Geld käme nur der zweiten Liga zugute."

Aber Vogts´sche Ideen waren nie sonderlich gefragt. Sportdirektor beim DFB wurde Matthias Sammer, nicht er. Er kennt die Gründe, aber schweigt darüber. Einer wie er ist auch vereinstreu - auch wenn der Verein sich Verband nennt. Dass bei seinem ehemaligen Klub Bayer Leverkusen inzwischen Leichtathletik-Trainer verpflichtet worden sind, verschweigt er aus Höflichkeit.

Der Mann, der in den 80er Jahren Spieler wie Bodo Illgner, Stefan Reuter oder Lothar Matthäus zur internationalen Reife geführt hat, ist es leid, wenn über "deutsche Tugenden" schwadroniert wird: "Das war Kraft, Kondition, die haben inzwischen alle." Wenn überhaupt, regt er sich über die Verteilung der TV-Gelder auf. "Auch der FC Bayern braucht noch Gegner in der Bundesliga, um international bestehen zu können."

Rückkehr in die Bundesliga nicht ausgeschlossen

Eine Rückkehr in die Bundesliga kann sich der immer verschmitzt lächelnde Ewig-Terrier nur denken, wenn es ihm erlaubt wird, nicht loslassen zu müssen, sondern immer beißen zu dürfen: "Jeder Verein braucht eine Philosophie. Freiburg, Gladbach, Mainz und Köln. Die Bayern, Hamburg und Schalke auch. Bremen hat eine. Sportdirektor zu werden, um eine mittelfristige Philosophie umzusetzen - ja, das kann ich mir vorstellen. Trainer zu werden, um nach fünf Niederlagen gefeuert zu werden - nein, das ist nicht mehr meine Welt."

Ganz am Schluss muss die Frage nach dem größten Sieg kommen. Die Antwort ist typisch Berti. Das war kein Titel mit Borussia, das war kein Uefa-Cup mit Borussia, das war kein EM-Gewinn 1996: "Mein größter Sieg war Lens. Wir hatten bei der WM in Frankreich gegen Jugoslawien 2:2 gespielt. Dann haben Hooligans Daniel Nivel fast zu Tode geprügelt. Unser damaliger Präsident war so erschüttert, dass er die Mannschaft aus dem Turnier nehmen wollte. Die Konsequenzen wären unabsehbar gewesen. Ich bin sicher, dass Deutschland dann 2002 nicht Vize-Weltmeister geworden wäre und auch, dass das Sommermärchen nie Realität geworden wäre. Deshalb war Lens mein größter Sieg."

© SID

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